Analyse des Reimschemas – das sollten Sie wissen

Das Reimschema kann unter Betrachtung der Endung des Verses in Bezug auf die anderen Verse bestimmt werden. Das Reimschema gibt also an, welche Endungen sich innerhalb der lyrischen Strophe reimen.

Zur Vereinfachung dieser Einordnung verwendet man für Reimendungen Kürzel wie abab (Kreuzreim) oder aabb (Paarreim).

Beispiel:

Singet leise, leise, leise,
singt ein flüsternd Wiegenlied;
von dem Monde lernt die Weise,
der so still am Himmel zieht.
(Clemens Brentano, „Singet leise, leise, leise…“, erste Strophe)

In dieser Strophe liegt das Reimschema abab vor, es findet also mit jedem Vers ein Reimwechsel statt. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Kreuzreim.
Die Reime, also Wörter, die sich sehr ähnlich oder gleich klingen, agieren als eine Art Rhythmusinstanz des Gedichts.

Um das Reimschema genau erkennen zu können, muss also zuerst entschieden werden, welche Wörter sich aufeinander reimen und welche nicht. Dies gelingt am besten mithilfe farbiger Markierung vorliegender Reime.

Durch die Markierung ist jetzt genau ersichtlich, welche Reimabfolge vorliegt. Durch eine Umwandlung dieser Farben in Buchstaben, alphabetisch geordnet und mit A beginnend, wird die Reimabfolge übersichtlich dargestellt. (Im Beispiel folglich abab, also liegt ein Kreuzreim vor.)

Zum besseren Verständnis weiten wir nun unser Beispiel über Strophe eins hinweg aus:

Singet leise, leise, leise, a
singt ein flüsternd Wiegenlied; b
von dem Monde lernt die Weise, a
der so still am Himmel zieht. b

Singt ein Lied so süß gelinde, c
wie die Quellen auf den Kieseln, d
wie die Bienen um die Linde c
summen, murmeln, flüstern, rieseln. d

Es lässt sich wie im kürzeren Ausschnitt nun auch im Gesamtwerk ein klares Muster erkennen. Innerhalb der zwei Strophen mit je vier Versen liegen Reime jeweils überkreuz vor: leise reimt sich auf Weise, Wiegenlied reimt sich auf zieht, gelinde reimt sich auf Linde und Kieseln reimt sich schlussendlich auf rieseln.

Diese Überkreuzstellung nennt man Kreuzreim in der Form abab und cdcd. Wichtig ist, dass die Buchstaben nur zur Unterscheidung der unterschiedlichen Endsilben gewählt werden. So reimt sich leise (a) zum Beispiel nicht auf gelinde (c) und wird deshalb mit einem anderen Buchstaben bedacht als Linde (ebenfalls c).

Überblick über die verschiedenen Reimschemata

Neben den üblichen Reimschemata wie Paar- und Kreuzreim unterscheidet man zwischen acht weiteren Kombinationsmöglichkeiten. Da allerdings nicht alle der folgenden Reimschemata häufig vorkommen, genügt es in der Regel, im Rahmen der Analyse lediglich die Buchstabenfolge anzugeben.

Paarreim:

Der Paarreim zeichnet sich durch seine geordnete Abfolge zweier aufeinanderfolgender Reime aus. In Buchstabenform sieht dieses Reimschema wie folgt aus: aabb (bbcc ddee …)
Beispiel:
Im Sommerwald, wo sich die Blätter drücken, a
Liegt Sonnenschein in kleinen Stücken, a
Drinnen die Mücken schweben und rücken. b
Ich muss mich unter die Stille bücken. b
Vor den finstern Tannenlücken c
Sah ich einen Schmetterling weiß wie einen Geist aufzücken. c

Der Wald riecht nach Kien und ist heiß. d
Vielleicht hat hier ein Herz gebrannt, und nur der Wald davon weiß. d
(Max Dauthendey, „Im Sommerwald“)

Kreuzreim:

Im obigen Beispiel wurde dieses Reimschema bereits eingehend herausgearbeitet. Dieses Reimschema zeichnet sich dadurch aus, dass sich die erste Zeile jeweils auf die dritte, die zweite hingegen auf die vierte Zeile der Strophe reimt. Der Kreuzreim wird auch Wechselreim genannt und sieht in Buchstabenfolge so aus: abab (cdcd efef …)
Beispiel:
Singet leise, leise, leise, a
singt ein flüsternd Wiegenlied; b
von dem Monde lernt die Weise, a
der so still am Himmel zieht. b

Singt ein Lied so süß gelinde, c
wie die Quellen auf den Kieseln, d
wie die Bienen um die Linde c
summen, murmeln, flüstern, rieseln. d

Umarmender Reim:

Der umarmende Reim wird auch umfassender Reim, umschließender Reim, eingebetteter Reim oder Blockreim genannt. Der umarmende Reim wird in Buchstabenfolge so ausgedrückt: abba (cddc effe …) und umarmt, bzw. umschließt in bildlicher Vorstellung ein Reimpaar oder einen einzelnen Reim.
Beispiel:
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. a
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, b
Und auf den Fluren lass die Winde los. a

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; c
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage, d
Dränge sie zur Vollendung hin und jage d
Die letzte Süße in den schweren Wein. c
(Rainer Maria Rilke, „Herbsttag“)

Haufenreim:

Unter dem Begriff Haufenreim versteht man genau das, was man beim Namen dieses Reimschemas vermutet: Eine Anhäufung mehrerer Reime, die innerhalb der Strophe gleichbleiben. In Buchstabenform sieht dieses Schema so aus: aaaa (bbbb cccc …) In der Regel wird diese Art des Reims verwendet, um eine fröhliche Stimmung hervorzurufen.
Beispiel:
auf den hohen Felsenklippen a
sitzen sieben Robbensippen a
die sich in die Rippen stippen a
bis sie von den Klippen kippen a

Verschränkter Reim:

Hier werden Reimpaare nicht nur überkreuzt, sondern geradezu ineinander verschränkt. In Buchstabenform sieht dieses Schema so aus: abcabc
Beispiel:
Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen, a
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen b
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen. c
Drum birg dich Aug‘ dem Glanze irrd’scher Sonnen! a
Hüll‘ dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen b
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten c
(Karoline von Günderrode, „Der Kuß im Träume“)

Schweifreim:

Beim Schweifreim werden zwei der bereits aufgelisteten Reimschemata miteinander verbunden: Zuerst wird mit einem Paarreim eröffnet, dann mit einem umarmenden Reim angeschlossen. In Buchstabenform sieht das Ganze so aus: aabccb
Beispiel:
Der Mond ist aufgegangen, a
die goldnen Sternlein prangen a
am Himmel hell und klar; b
der Wald steht schwarz und schweiget, c
und aus den Wiesen steiget c
der weiße Nebel wunderbar. b
(Matthias Claudius, „Der Mond ist aufgegangen“)

Kettenreim:

Bei einem Kettenreim (auch Terzine oder Terzinreim) handelt es sich um die Abfolge aba bcb cdc. Es werden also „Dreierpakete“ gebildet, bei denen jeweils zwei reimende Versenden eines umfassen, das erst im nächsten „Paket“ aufgegriffen wird.
Beispiel:
Im ernsten Beinhaus war’s, wo ich beschaute a
Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten; b
Die alte Zeit gedacht‘ ich, die ergraute. a
Sie stehn in Reih‘ geklemmt‘ die sonst sich haßten, b
Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen, c
Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten. b
Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen c
Fragt niemand mehr, und zierlich tät’ge Glieder, d
Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen. c
(Johann Wolfgang von Goethe, „Im ernsten Beinhaus war’s“)

Kehrreim:

Der Kehrreim beschreibt kein festes Reimschema, sondern vielmehr eine Wiederholung eines ganzen Verses (oder auch mehrerer Verse) innerhalb eines lyrischen Werkes. So kann beispielsweise jeder Refrain als Kehrreim bezeichnet werden.
Hier gibt es verschiedene Sonderformen:
– Anfangskehrreim (Wiederholung vor der Strophe)
– Endkehrreim (Wiederholung am Ende der Strophe)
– Binnenkehrreim (Wiederholung zwischen den Strophen)
– periodischer Kehrreim (Wiederholung zwischen zwei bestimmten Strophen, zum Beispiel zwischen der dritten und vierten Strophe)
Es handelt sich auch dann um einen Kehrreim, wenn die Verse sich um Laufe des Werks in Teilen verändern.

Körnerreim:

Bei diesem Reimschema finden sich keine Reimpaare innerhalb der einzelnen Strophen, sondern lediglich Bezüge auf die folgende Strophe durch die Reimendungen.
In Buchstabendarstellung sähe das ganze wie folgt aus: abcd efgh abcd efgh
Waise:
Als Waise bezeichnet man das Versende, das sich nicht in das Reimschema einordnet und passt so meist nicht zu den umgebenden Versen.
Beispiel: klar (a) – Sonnenlicht (b) – wunderbar (a) (b ist in diesem Beispiel die Waise)

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