Die Beeinflussung der Wirtschaft durch politische Maßnahmen des Staates nennt man Wirtschaftspolitik. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Theorien dazu entwickelt, in welcher Form diese Beeinflussung stattfinden sollte und ob diese überhaupt sinnvoll ist.

1) Klassische Finanzpolitik und Parallelpolitik

Vertreter sind hier unter anderem Adam Smith, Jean-Baptiste Say und David Ricardo. Der Grundgedanke der klassischen Finanzpolitik lautet, dass der Staat im besten Fall nicht in die Wirtschaft eingreifen soll.

Der Markt, so die These, reguliert sich im freien Spiel selbst und tendiert zu einem Optimum. Es stellt sich also von selbst ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bei Vollbeschäftigung ein. Als Antriebskraft wird der Eigennutz gesehen, der so automatisch dem Gemeinnutz dient. Die Konsequenz ist eine prozyklische Finanzpolitik.

Das heißt: in der Depression wird gespart, in der Hochkonjunktur werden die Einnahmen ausgegeben. Dies führt zu einer Begrenzung der Staatsausgaben, fördert eine neutrale Steuerpolitik und ist Grundsatz eines ausgeglichenen Staatshaushaltes. Das Say’sche Theorem besagt, dass jedes Angebot sich eine eigene Nachfrage schafft. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 endete jedoch die klassische Finanzpolitik.

2) Antizyklische Finanzpolitik und Nachfragepolitik

Wichtigster Vertreter für die antizyklische, bzw. Nachfragepolitik ist John M. Keynes. Der englische Ökonom lebte von 1883 bis 1946.

Es wird davon ausgegangen, dass die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht genügen, um Vollbeschäftigung zu erreichen. Aufgabe des Staates ist es, durch helfendes Eingreifen für Vollbeschäftigung zu sorgen. Es gilt, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln. Ziel ist es, bei Hochkonjunktur Rücklagen zu bilden und während Rezession die Nachfrage anzuregen, z.B durch die Senkung der Einkommens- und Körperschaftssteuer, finanzielle Unterstützung der Länder durch den Bund und zusätzliche öffentliche Ausgaben.

Begleiterscheinung dieser Finanzpolitik ist jedoch die wachsende Staatsverschuldung, sowie die strukturverzerrende Wirkung. Außerdem geht damit ein Ausweiten der staatlichen Sektors einher. Mit der Ölkrise 1973 endete die antizyklische Finanzpolitik.

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3) Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und Monetarismus

Vertreten wird die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik unter anderem von Milton Friedmann, einem 1912 geborenen amerikanischen Ökonom. Es erfolgt ein Rückgriff auf Elemente der klassischen Finanzpolitik.Ziel ist eine möglichst geringe Einmischung des Staats in die Wirtschaft. Zentrale Steuerungsgröße soll die Geldmenge sein. Es liegen vier Überlegungen zugrunde:

1. Unterbeschäftigung ist auf unzureichende Investitionen zurückzuführen
2.Schwächen haben ihre Ursachen in Störungen auf der Angebotsseite
3. Instabilitäten sind Folgen staatlicher Eingriffe
4. Veränderungen des Volkseinkommens und die daraus resultierende Nachfrage hängen von Veränderungen der Geldmenge ab

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Produktion Einkommen schafft und dieses wiederum für Nachfrage sorgt. Investitionen und Produktionen müssen sich zudem auszahlen, die Kosten müssen also im Verhältnis zum Preis stehen. Investitionen lohnen sich also nur dann, wenn eine entsprechend hohe Nachfrage am Produkt herrscht. Kritisch muss auch bewertet werden, dass eine Reduzierung der Staatsaufgaben womöglich Arbeitslosigkeit steigert. Auch die sozialstaatlichen Strukturen können entsprechend gefährdet sein. In heutiger Zeit auch wichtig: die Belange der Umwelt bleiben bei diesem Modell teilweise auf der Strecke.

 


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