Anschaffungskosten in ReWe leicht erklärt + Beispiel, Formel & Definition

Grundlagen der Anschaffungskosten

Anschaffungskosten (kurz: AK) sind im Rechnungswesen nach § 255 Abs. 1 HGB als Aufwendungen definiert, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Voraussetzung hierfür ist eine einzelne Zuordnung zum Vermögensgegenstand.

Sie bestimmen den Wert, mit dem erworbene Vermögensgegenstände erstmalig bilanziert werden. Auch bei Marktwertsteigerungen bzw. eine Anstieg des Verkehrswerts kann dieser Wert nicht überschritten werden.

Unterschiede zwischen Anschaffungs- und Herstellungskosten

Bei nicht erworbenen, sondern selbst hergestellten Vermögensgegenständen stellen Herstellungskosten den Wertmaßstab dar. Dieses Bewertungsprinzip bezeichnet man als Anschaffungskostenprinzip bzw. Anschaffungswertprinzip und ist im § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB bestimmt. Werden in den Folgejahren Anschaffungskosten um planmäßige Abschreibungen gemindert, so wird dies als fortgeführte Anschaffungskosten bezeichnet.

Zusammensetzung der Anschaffungskosten

Aktivierungspflichtige Anschaffungskosten setzen sich wie folgt zusammen:

Anschaffungspreis / Kaufpreis

Dabei handelt es sich um den Nettokaufpreis ohne Umsatzsteuer, sofern das Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Muss der Kaufpreis aufgeteilt werden, so werden die Verhältnisse der Verkehrswerte auf das nicht abnutzbare und auf das abnutzbare Kaufobjekt aufgeteilt.

Anschaffungsnebenkosten / Bezugsnebenkosten

Dabei unterscheidet man zwischen Anschaffungskosten und nachträglichen Anschaffungskosten. Die Anschaffungskosten beinhalten Bezugsnebenkosten wie Transport- und Frachtkosten oder Transportversicherungen, Notarkosten sowie die Grunderwerbssteuer. Nachträgliche Anschaffungskosten hingegen beziehen sich auf Investitionen in das Objekt, die nach dem eigentlichen Kauf erfolgt sind. Dazu zählt beispielsweise die nachträgliche Installation von Sicherheitssystemen bei Immobilien.

Anschaffungspreisminderungen

Unter der Anschaffungspreisminderung (z.B. durch Rabatte, Aktionen oder Preisnachlasse) versteht man den Abzug der Minderung vom Wert des Vermögensgegenstandes. Dies ist seit dem Jahr 2016 im § 255 Abs. 1 HGB verankert.

Keine Gemeinkosten

Wenn Gemeinkosten im Zusammenhang mit der Anschaffung stehen, so dürfen sie nicht in die Anschaffungskosten einbezogen werden. Wohingegen Herstellungskosten den Materialgemeinkosten so wie der Einkaufsabteilung zuzuordnen sind.

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Beispiel zur Berechnung der Anschaffungskosten

Ein Industrieunternehmen erwirbt eine Drehmaschine im Wert von 50.000€. Dabei wird ein Rabatt von 20% ausgehandelt. Weiterhin entfallen Installations- und Montagekosten in Höhe von 5.000€ auf einen externen Dienstleister. Daraus ergibt sich folgende Berechnung der Anschaffungskosten:

Listenpreis = 50.000€

– Rabatt (20%) = 10.000€
+ Montagekosten = 5.000€
= Anschaffungskosten = 45.000€

Die Anschaffungskosten von 45.000€ stellen die Basis der Abschreibung dar.

Anschaffungskostenprinzip

Anschaffungskosten oder auch historische Anschaffungskosten sind postuliert nach § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB und stellen die Höchstgrenze einer Bewertung dar. Demnach sind Vermögensgegenstände niemals höher als die Anschaffungskosten zu bilanzieren. Auf Grund von Abschreibungen können sie jedoch deutlich niedriger angesetzt werden. Eine Ausnahme bildet der Ansatz des Deckungsvermögens für Altersversorgungsverpflichtung zum beizulegendem Zeitwert.

Stille Reserven

Auf Grund des Anschaffungskostenprinzips bilden Unternehmen ggf. stille Reserven. Dies ist dann der Fall, wenn ein erworbener Vermögenswert nach einigen Jahren einen höheren Marktwert aufweist. Die Differenz zwischen diesen beiden Werten ist die stille Reserve.

 

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