Antizyklische Fiskalpolitik in VWL leicht erklärt + Beispiel

Antizyklische Fiskalpolitik ist…

… die systematische Bemühung des Staates, wirtschaftliche Stabilität im Land herzustellen indem versucht wird, konjunkturelle Schwankungen zu verringern.
Dies geschieht über den umstrittenen Ansatz einer ausgleichenden öffentliche Einnahmen- und Ausgabenpolitik.

John Maynard Keynes und sein theoretisches Konzept

John Maynard Keynes war ein britischer Ökonom und formulierte in den 1930er Jahren, nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise erstmals die Grundgedanken zur antizyklischen Fiskalpolitik.
Der Gedanke, der seinen Überlegungen zugrunde lag war dabei, dass Märkte eine Tendenz zur Instabilität haben und nur auf lange Sich die Chance auf auf Gleichgewicht besteht.

Die periodisch wiederkehrenden Konjunkturschwankungen, die häufiger sogar in krisenhaften Wirtschaftszuständen endeten, waren eines der Anzeichen für eine solche Instabilität.
John Maynard Keynes war der Ansicht, dass es zu den Aufgaben des Staates gehöre, diese Wirtschaftskrisen zu bekämpfen und den Konjunkturschwankungen mit antizyklischem Verhalten entgegenzuwirken.

Konkret sollte der Staat während einer Konjunktur-Rezession alle Steuern und Abgaben senken und seine Ausgaben erhöhen, um Kaufkraft und somit Nachfrage des Volkes zu erhöhen.
Eine verstärkte Verschuldung des Staates in Rezessionszeiten sollten nach Keynes in Kauf genommen werden.
Diese Politik trägt auch den Namen Deficit Spending .

Während einer Hochtonjungkur sollte der Staat dagegen alle Steuern und Abgaben wieder erhöhen und die Ausgaben kürzen, um seine Verschuldung aus der Rezessionsperiode abzubauen und einen Ausgleich zu schaffen.

Anwendung in der Praxis

Die erste tatsächliche Umsetzung der Theorie von Keynes erfolgte durch den amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Seine Finanzpolitik ist auch unter dem Namen „New Deal“ bekannt.

In den 1960ern bis 1970ern erlangte sie ihre größte Bedeutung, da es nach dem nachkriegszeitlichen Wirtschaftsboom der westlichen Welt zu dieser Zeit erstmals wieder zu größeren Rezessionen kam und somit Möglichkeiten gesucht wurden, die Wirtschaft wieder zu stabilisieren.
Im Mitte der 1960er Jahre beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumsgesetz schlug sich Keynes Theorie erstmals in Gesetzen der Bundesrepublik nieder.

Unter der ersten Großen Koalition und nach der Ölkrise während der sozialliberalen Ära fand dieses Gesetzt zum ersten Mal praktische Anwendung.
Diese sollte durch sogenannte Konjunkturausgleichsrücklagen und Konjunkturzuschläge zur Einkommenssteuer während Konjunkturhochs erfolgen.

Die Umsetzung in die Realität war jedoch mit einigen Problemen verbunden:

  • Wiederholt kam es zu verspäteten oder verfrühten Maßnahmen mit deshalb kontraproduktiven Auswirkungen
  • Die antizyklische Fiskalpolitik konnte eine Abschwächung der Wirtschaft teilweise nicht aufhalten
  • Der Schuldenausgleich in Phasen der Hochtonjungkur war nicht in Gänze möglich, sodass die Staatsverschuldung immer weiter antieg

In den 1980er Jahren ging die Bedeutung der antizyklischen Fiskalpolitik weitestgehend verloren.
Erst durch die Finanzkrise erlangte das Konzept wieder Aufmerksamkeit.
Nach wie vor ist es auch heute noch Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Die wichtigsten Punkte

  • Antizyklische Fiskalpolitik ist eine staatliche Einnahmen- und Ausgabenpolitik, die gezielt auf Konjunkturausgleich ausgerichtet ist
  • Die theoretische Grundlage wurde von John Maynard Keynes entwickelt
  • Eine reibungslose Umsetzung in der Praxis ist oft nicht möglich
  • Sie ist sehr umstritten

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here