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Argumente & Argumenttypen finden & erkennen – Tipps & Anleitung

  • by Anatoli Bauer

Argumente sind wichtig in unserer zivilisierten Welt. Wir regeln unsere Auseinandersetzungen zum Glück immer weniger mit Faust und Waffe, sondern mit Verstand, Diskussionen und Argumenten. Aber dazu sollte man wissen, was ein Argument ist, wie man sie erkennt und wie man gegenhält.

Argumente

Argumente sollen etwas stützen. Eine These, eine Behauptung, eine Gesinnung, eine Idee. Was auch immer. Sie sollen etwas begründen können, sollen das Handeln und das eigene Denken erklären. Allerdings kann man gute Argumente und schlechte Argumente vorbringen. Und manche Argumente kommen nur als Argumente daher, sind logisch gesehen jedoch Fehlschlüsse.

Argumenttypen

Es gibt verschiedenste Formen von Argumenten, die man vorbringen kann, wenn eine Erörterung ansteht, wenn man etwas erklären muss oder wenn man Argumente eines anderen zu widerlegen hat. Wichtig ist nur, sie zu erkennen und sie anwenden zu können.

Faktenargument: Dieses Argument soll Fakten vermitteln und stützt sich darauf. Am besten ist es, auf gut belegte Fakten zurückzugreifen und so kann man diese Form auch erkennen. Es bezieht sich auf etwas. Auf eine Studie, auf Naturgesetze oder sonst etwas. “Die Sonne ist das Zentrum des Sonnensystems” wäre so ein Fakt, der unumstößlich feststeht.

Werteargument: Hier wird mit Werten argumentiert, die vor allem in einer Gesellschaft breit vertreten sind. Freiheit, Liebe, Glück und so weiter werden hier hergenommen, denn damit können sich viele Menschen identifizieren. Es ist aber schwächer als das Faktenargument, denn Werte können abweichen und man muss Werten gar nicht erst folgen und ein Wert an sich muss nicht immer etwas Gutes oder zu schwammig sein, wie Freiheit, was jeder als Begriff gut findet, aber anders auslegen kann.

Folgenargument: Ein Argument “Sonst wird X oder Y passieren, wenn das nicht so wäre” ist eine Form des Folgenarguments und beschreibt, dass etwas eine (meist nicht wünschenswerte) Folge hat. Dieses Argument wird auch unter “Dammbruchargument” geführt und es ist ein nicht ganz valides Argument und leicht anzugreifen, denn man kann vom ersten Schritt nicht automatisch auf den letzten schließen. Es kann zu viel zwischendurch passieren. Nur weil man Menschen erlaubt, Brotmesser zu kaufen, heißt das nicht, dass die Leute sich gegenseitig abstechen.

Autoritätsargument: Es gibt viele, viele Experten und Autoritäten, die man zitieren kann. Einstein, Hawking, Robert Koch, Kant. Man kann ihre Ansichten zitieren und als ein Argument nutzen. Doch auch hier ist es leicht anzugreifen, denn Menschen sind eben nur Menschen und daher fehlbar. Daher sollte man sich hüten, eine Autorität zu zitieren und dies als valides Argument zu verstehen. Es braucht dann schon etwas mehr.

Vergleich ziehen: Man kann auf ähnliche Fälle mit einem ähnlichen Aufbau verweisen und dass es da auch funktioniert hat und dass es wahrscheinlich sein kann, dass es hier das nächste mal auch so verläuft. Frei nach dem Motto, dass morgen die Sonne auch aufgeht, weil sie an anderen Tagen auch aufgegangen ist. Es lässt sich logisch nicht beweisen, doch die Wahrscheinlichkeit spricht ganz klar dafür.

Nach Aussagen suchen

Hat man einen Text vor sich, sollte man nach Aussagen suchen, die sich auf etwas beziehen und es damit stützen wollen. Dann hat man höchstwahrscheinlich ein Argument vor sich. Und dann kann man auf den Typ schließen, wenn man das oben beschriebene beachtet.

Fehlschlüsse unterscheiden

Es ist gut, wenn man Argumenttypen erkennt, aber man sollte nebenher auch noch die Liste der Fehlschlüsse parat haben, damit man erkennt, wann ein Argument gar kein solides Argument ist, auch wenn es erst mal so klingt.

“Du aber auch”-Fehlschluss: Jemand könnte in einem Text schreiben “Aber die Chinesen haben auch …”, dann mag das vielleicht ein Faktum sein, aber das macht es noch lange nicht besser, was man selbst vielleicht macht und hier ist solch ein Argument anzugreifen. Das Verhalten anderer rechtfertigt rein logisch nicht das eigene Verhalten.

“Sein-Sollen”-Fehlschluss: Jemand beschreibt etwas und leitet daraus dann ein normatives Urteil ab. Etwa: “Früher haben wir das auch so gemacht, also sollten wir das jetzt so machen”. Und das ist logisch nicht haltbar, da noch mindestens eine Prämisse fehlt, um den Übergang zu rechtfertigen, weil noch nichts dadurch gut oder schlecht ist, weil es da ist und man es beschreiben kann.

Induktiv und deduktiv

Induktive Argumente sind Argumente, die sich allein auf Wahrscheinlichkeit berufen. Sie sind nicht sehr solide und sollten nur in Maßen verwendet werden. (Autoritätsargument etc.)

Deduktive Argumente sind rein logisch und wenn die Prämissen wahr sind, dann ist auch die Konklusion und damit der Schluss wahr. Ist es gut gemacht, ist solch ein Argument kaum zu widerlegen.

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