Außergewöhnliche Belastungen im Steuerrecht leicht erklärt + Beispiel

Was genau versteht man unter außergewöhnlichen Belastungen?

Unter außergewöhnlichen Belastungen versteht man außergewöhnliche, zwangsläufige und größere Aufwendungen als sie der durchschnittliche Steuerpflichtige der gleichen Einkommensklasse oder mit den gleichen Vermögensverhältnissen hat. Sie werden in § 33 EStG (allgemeiner Grundtatbestand) und § 33a EStG (definiert außergewöhnliche Belastungen in besonderen Fällen wie z.B.: bei Berufsausbildungskosten) und § 33b EStG (definiert z.B.: Pauschbeträge für behinderte Menschen) genauer behandelt.

Die außergewöhnlichen Belastungen vermindern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und reduzieren somit auch die Belastbarkeit durch Steuern. Deshalb können außergewöhnliche Belastungen, welche über den zumutbaren Belastungen liegen, bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens, von den Einkünften abgezogen werden.

Hier ein Beispiel für die Unterscheidung zwischen einer gewöhnlichen und einer außergewöhnlichen Belastung:

  • Eine Familie mit 2 Kindern muss für diese für Essen, Kleider, usw. Geld ausgeben. Dies sind keine außergewöhnlichen Belastungen da diese Art von Aufwendungen Millionen von Familien bei gleichem Familienstand zu tragen haben.
  • Hat in dieser Familie jedoch ein Mitglied eine schwere Krankheit, welche hohe Behandlungskosten verursacht, welche nur teilweise von der Krankenkasse übernommen werden, liegt (durch die vom Steuerpflichtigen zu tragenden Kosten) eine außergewöhnliche Belastung vor.

Wie kann man eine außergewöhnliche Belastung berechnen?

Zur Berechnung der außergewöhnlichen Belastung, muss die zumutbare Belastung gemäß § 33 Abs. 3 EStG von dieser abgezogen werden. Gehen wir also von einer Familie mit 2 Kindern aus. In dieser Familie ist der Vater schwer erkrankt. Diese Erkrankung verursacht pro Jahr 10.000 € zusätzliche Kosten, welche nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Betragen die gesamten Einkünfte der Familie mit 2 Kindern z.B.: 50.000 €, wird gemäß § 33 Abs. 3 EStG ein Betrag von 3 % als zumutbare Belastung angesehen (3 % von 50.000 € = 1.500 €). Somit belaufen sich die außergewöhnlichen Belastungen für die Familie auf 8.500 € (10.000 € Zusatzkosten – 1.500 € zumutbare Belastung).

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert. Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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