Ballade selber schreiben – Merkmale & Tipps

Was ist eine Ballade?

Kurz gesagt handelt es sich bei der Textgattung einer Ballade um ein längeres Gedicht, welches eine Geschichte erzählt, also eine Handlung vorweisen kann. Den Ursprung hat diese Mischform aus Lyrik, Prosa und Drama vermutlich im mittelalterlichen Minnegesang und den Volkstanzliedern aus dieser Zeit. Die äußere Form einer Ballade, wie wir sie heute kennen, hat sich im späten 18. Jahrhundert entwickelt. Die Geschichte, die erzählt wird, darf gerne belustigend bis ironisch sein. Aber auch (sozial-)kritische Komponenten und historische Ereignisse können in eine Ballade verpackt werden. Auch kürzere, in sich geschlossene Musikstücke mit meist romantischer Grundstimmung werden als Balladen bezeichnet. Die Textgattungen Ballade und Romanze sind ident.

Unterschied Ballade und Gedicht

Abgesehen von der Länge – ein Gedicht muss seine Botschaft in wenigen, prägnanten Zeilen an die Leserin oder den Leser gebracht haben – wird in einer Ballade eine Handlung aufgezeigt, ähnlich der einer Geschichte. Sie nennt Zeiten, Orte und Personen und baut den Spannungsbogen Strophe für Strophe auf. Die Pointe bildet die letzte Strophe, nicht selten mit einer moralisierenden oder warnenden Botschaft an das Publikum. Bei Balladen ist es oft schwer zu erkennen, ob der Dichter mit seinem Werk unterhalten oder erziehen will.

Berühmte Beispiele

Sehr bekannt sind die „Brücke am Tay“ von Theodor Fontane, Goethes „Zauberlehrling“ und Schillers „Bürgschaft“.

Auf den Spuren großer Dichter wandeln

Wer selbst auf den Spuren dieser großen Dichter wandeln möchte, kann einfach loslegen. Wie bei jeder Textform gilt: Die erste Zeile ist schon mal ein guter Anfang. Bevor der kreative Funke aber in alle Richtungen verglüht, muss die äußere Form einer Ballade bedacht werden.

Die äußere Form: Versmaß mit Freiheiten

Aber keine Sorge, so streng sind die Regeln gar nicht. Grundgerüst einer Ballade ist ein Text, der in einzelne Strophen gegliedert ist. Diese sollen sich reimen, ein festes Reimschema, auch Metrum genannt, von dem nicht abgewichen werden darf, gibt es aber nicht. Der Reim kann sehr kurze Sätze umschließen. Zum Beispiel:

Heute ist das Wetter schön,
da werden wir wohl segeln gehen!

Gereimt werden darf bei einer Ballade auch gerne mehrmals hintereinander.
Zum Beispiel:

Wenn draußen schlechtes Wetter droht
gerät das Segelboot in Not.

Es können auch Zeilen ohne Reim dazwischen „geschummelt“ werden. Zum Beispiel:

Wär Segeln nicht so wunderschön
und Wasser nicht mein Element,
segeln muss mein Liebster,
sonst sind wir gleich getrennt!

Wie schreibt man eine Ballade nun selbst?

Es gibt hier wie in jedem kreativen Bereich eigentlich nichts, was man falsch machen kann. Egal, ob der erste perfekte Reim zu Papier gebracht wurde, oder ob man die Handlung, die erzählt werden soll, vor Augen hat. Vielleicht steht auch einfach nur die Idee im Raum, Opa zu seinem 90. Geburtstag ein Gedicht zu schreiben, das seine Lebensstationen aufzeigt und an dem möglichst alle mit feilen: Wenn der erste Schritt getan ist, wenn die erste Zeile steht, können die Gedanken fließen.

Wenn die Ballade für einen konkreten Anlass sein soll, empfiehlt sich eine Gliederung oder ein Spickzettel mit Notizen für den Anfang. Wenn die literarischen Gehversuche zu Beginn ein wenig holpern: Nicht den Mut verlieren! Goethes Zauberlehrling ist nicht beim Warten auf den Bus entstanden. Passable Verse, die sich auch schon ganz gut reimen, immer gleich aufschreiben! Die Ordnung kommt später, und alle erfolgreichen Autoren geben freimütig zu, dass sie hauptsächlich umschreiben und nicht schreiben.

Wenn tatsächlich eine Geschichte erzählt werden soll (zum Beispiel im Rahmen einer Hochzeit, etwa, wie das Brautpaar sich kennen und lieben gelernt hat) kann ein Leitfaden oder eine Handlungsskizze mit den einzelnen Abschnitten in der bereits chronologisch richtigen Reihenfolge nicht schaden.

Werden Namen erwähnt, kann zu Beginn ein Brainstorming hilfreich sein, bei welchem Wörter gesucht werden, die sich reimen. Beim Reimen auf Namen oder Personen bitte Fingerspitzengefühl walten lassen! Die Ballade darf zwar grundsätzlich kritisch sein, konkreten, anwesenden Personen vor den Kopf zu stoßen, kann aber für alle Beteiligten unschön enden.

Erlaubt ist, was gefällt

Das Schöne an der Ballade ist die relative dichterische Freiheit, die sie dem Autor lässt. Nichts ist verboten, alles ist erlaubt, solange es sich (zumindest hin und wieder oder immer wieder mal) reimt und ein roter Handlungsfaden erkennbar ist. Damit zu beginnen, halbwegs passende Verse oder auch nur Fragmente aufzuschreiben und zu sammeln, ist jedenfalls nie verkehrt. Wichtig: nichts davon endgültig löschen oder vernichten, man kann im Laufe des Schreibens nie wissen, welche Textpassagen man andernorts noch gebrauchen kann.

Am Anfang war der Wortsalat

Kreativität geht selten den geraden Weg. Oft kommen einem die besten Ideen, wenn man nicht mit ihnen rechnet oder sie im hektischen Alltag kaum wahrnehmen kann. Wenn möglich unbedingt immer alles aufschreiben! Man weiß nie, wann man einen guten Gedanken sinnvoll in eine Ballade einflechten kann. Vielleicht kommt einem der alles entscheidende Reim auf einen besonders hartnäckigen Vers im Bus, unter der Dusche oder beim geselligen Zusammensein mit Freunden. Apropos Freunde: Gemeinsam an einer Ballade zu arbeiten, kann ein ganz besonders lustiges Erlebnis sein. Solche literarischen Souvenirs sind im Freundeskreis ähnlich wie Fotos oder Anekdoten ein unbezahlbarer Schatz in der imaginären Kiste gemeinsamer Erinnerungen.