Im Mai 2009 ist die größte Reform des Bilanzrechts der letzten Jahrzehnte in Kraft getreten. Die Neuregelungen bringen zahlreiche und vor allem weitreichende Änderungen für Unternehmen mit sich. Der Gesetzgeber verfolgt das Ziel, Kosten zu senken und Vorschriften zu deregulieren. Bilanzen werden nun auf der Grundlage internationaler Standards angefertigt, um die Aussagekraft von Abschlüssen nach den Regeln des Handelsgesetzbuches zu erhöhen.

Vor Inkrafttreten des Bilanzmodernisierungsgesetzes waren Unternehmen lediglich dazu verpflichtet, Ihren handelsrechtlichen Jahresabschluss in Euro und deutscher Sprache zu erstellen. Ausschließlich für Banken bestand die Verpflichtung, Währungsumrechnungen bei Fremdwährungsgeschäften nach bestimmten Vorschriften vorzunehmen.

Das Bilanzmodernisierungsgesetz hat § 256 HGB neu geschaffen. Diese Vorschrift fasst die gängige Praxis für Fremdwährungsgeschäfte zusammen. Fremdwährungsgeschäfte, Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten, deren Nennbeträge in fremder Währung geführt werden, sind zum Bilanzstichtag entsprechend dem Prinzip der Bewertungsstetigkeit zum Devisenkassamittelkurs bzw. Devisenmittelkurs umzurechnen.

Weitere Änderungen ergeben sich hinsichtlich Anschaffungskostenprinzips (§ 253 HGB) und des Imparitäts- und Realisationsprinzips (§ 252 HGB). Entsprechend dem deutschen Bilanzrecht ist das Imparitätsprinzip auch ein Vorsichtsprinzip, denn Gewinne werden erst dann ausgewiesen, wenn sie tatsächlich entstanden sind, Verluste dagegen bereits dann, wenn sie zu erwarten sind. Nach den neuen Vorschriften dürfen Vermögensgegenstände nach der Umrechnung mit einem höheren Wert, Verbindlichkeiten mit einem niederen Wert als bei der Anschaffung (Erstbewertung) ausgewiesen werden.

Diese neue Bewertungsvorschrift ist jedoch nur auf Vermögensgegenstände mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr anzuwenden. Bilanzierungsposten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sind weiterhin nach dem Imparitäts- und Anschaffungskostenprinzip zu berücksichtigen.

§ 256 HGB betrifft auch alle Vermögensgegenstände, Verbindlichkeiten, Rückstellungen und latente Steuern, deren Nennbeträge in einer anderen Währung als Euro geführt werden. Nach dem Prinzip der Bewertungsstetigkeit sind alle Transaktionen zum Bilanzstichtag von der Fremdwährung in Euro umzurechnen. Für die laufende Buchführung fordert der Gesetzgeber keine Währungsumrechnung.

Eine Fremdwährungsumrechnung ist jedoch zu empfehlen, um bessere Vergleichs- und Auswertungsmöglichkeiten zu erhalten. In § 252 HGB ist das Grundprinzip der Einzelbewertung festgeschrieben, sodass jeder Geschäftsvorfall einzeln umzurechnen und zu erfassen ist. Jedes Fremdwährungsgeschäft wird im Hinblick auf die erstmalige Erfassung und den Bilanzstichtag erfasst.

Wie sind Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten zu bewerten?

Der Zugang von Vermögensgegenständen und die damit zusammenhängenden Verbindlichkeiten werden zum Zeitpunkt der Anschaffung zum Geldkurs umgerechnet.

Forderungen und flüssige Mittel in Fremdwährung werden zum Briefkurs umgerechnet. Die Umrechnung erfolgt am Bilanzstichtag zum Devisenkassamittelkurs. Dieser Vorgang zieht eine erfolgswirksame Umrechnung nach sich, die unter den Bilanzposten „betriebliche Erträge“ beziehungsweise „sonstige betriebliche Aufwendungen“ zu erfassen sind.

Erfolgt nach dem Bilanzstichtag eine Aufwertung des Euros, sind Fremdwährungsforderungen entsprechend des Niederstwertprinzips abzuschreiben (§ 253 HGB). Fremdwährungsforderungen mit mehr als einem Jahr Restlaufzeit dürfen die Anschaffungskosten nicht überschreiten. Bei weniger als einem Jahr Restlaufzeit ist das Anschaffungs- und Realisationsprinzip nicht zu berücksichtigen.

Wie sind nicht monetäre Vermögensgegenstände zu berücksichtigen?

In diese Kategorie fallen Forderungen, Firmenbeteiligungen, Patente und Wertpapiere. Zum Zeitpunkt der Leistung beziehungsweise Lieferung werden Fremdwährungsposten zum Devisenbriefkurs umgerechnet. Fremdwährungsgewinne werden zum Devisengeldkurs oder zum Devisenkassamittelkurs umgerechnet.

Wie sind Rückstellungen zu behandeln?

Entsprechend dem Handelsrecht sind Rückstellungen Aufwendungen, Verluste und Verbindlichkeiten, die hinsichtlich der Höhe und Entstehung ungewiss, jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind. Die Bewertung erfolgt mit dem Erfüllungsbetrag, bei mehr als einem Jahr Laufzeit erfolgt die Abzinsung. Rückstellungen in Fremdwährungen werden am Bilanzstichtag zum Devisenkassamittelkurs bewertet.

Spielen Bewertungseinheiten eine Rolle?

Nein, denn Bewertungseinheiten beziehen sich auf Termintransaktionen und Derivatgeschäfte. Hier werden das Grund- und Sicherungsgeschäft selbst berücksichtigt, nicht jedoch die Bewertungseinheit.

Wie sind Rechnungsabgrenzungsposten zu behandeln?

Eine Währungsumrechnung am Bilanzstichtag erfolgt nicht, da Einnahmen und Ausgaben in der Vergangenheit erfolgten. Währungsschwankungen können sich daher nicht mehr auf den Erfolg des Unternehmens auswirken.

Welche Auswirkungen hat § 256 HGB auf das Steuerrecht?

Die Handelsbilanz ist die maßgebliche Grundlage für die Erstellung der Steuerbilanz entsprechend § 5 EStG. Die Umrechnung zum Devisenkassamittelkurs findet daher auch eine vollumfängliche steuerliche Anerkennung, wobei das Anschaffungs- und Herstellungskosten-Prinzip jedoch zu berücksichtigen ist.

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