Bildergeschichte schreiben – Anleitung & Tipps (Grundschule)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

Dieser Satz kommt nicht von ungefähr. Umso schwieriger kann es schon mal werden, je nach der Klasse drei, sechs oder mehr aneinander gereihte Bilder in der Schule eine Geschichte erzählen zu lassen. Schließlich sieht jeder Mensch etwas anderes darin. Das Schreiben einer guten Bildergeschichte oder mehrerer Bildergeschichten gelingt am ehesten, wenn man sich das Projekt auf den Arbeitsblättern in mehrere Einzelteile zerlegt, diese Schritt für Schritt abarbeitet und am Schluss dann zu einem harmonischen Ganzen, nämlich der perfekten Bildergeschichte, zusammenfügt.

Aller Anfang ist leicht!

Schauen Sie sich zunächst die Texte, die Bilder und die Arbeitsblätter in der Schule in Ruhe an. Versuchen Sie, einen ersten Eindruck davon zu bekommen, was in der Geschichte erzählt werden soll. Welche Gefühle entstehen beim Betrachten der Bilder und der Arbeitsblätter? Wie könnte die Geschichte, wenn Sie sie einem Kind in der Schule erzählen, denn beginnen?

Die ganze Story in einem Satz

Als nächstes ist es hilfreich, sich die dargestellten Szenen in einem Satz zusammen zu fassen. Was ist die Kernaussage Ihrer Texte? Wie lautet die Storyline? Was würden Sie erzählen, wenn Sie die Bildergeschichte als Film im Fernsehen oder Kino gesehen hätten? Sich einen groben Überblick zu verschaffen, wo die erzählerische Reise hingehen soll, erleichtert das Schreiben zu Beginn ungemein.

Wer? Was? Wo?

Als Einleitung empfiehlt es sich, zuerst die handelnden Personen, Tiere etc. zu beschreiben. Wer ist auf dem Bild zu sehen? Wie sieht sie oder er aus? Kann man vielleicht auch schon erkennen, ob die Person: wütend, fröhlich, nachdenklich usw. ist? Im nächsten Schritt betrachtet man den Ort der Handlung. Wo findet die Szene statt? Benutzen Sie auch hier bereits möglichst starke Adjektive. Ein schönes Haus kann zum Beispiel den Betrachter noch viel mehr ansprechen, wenn es ein wunderschönes, märchenhaftes oder – für Kinder – supertolles Haus ist. Spielt die Handlung im Freien, kann das Wetter mit einbezogen werden, die Landschaft, die Tiere.

Wichtig ist, dass den dargestellten Orten Leben und Charakter eingehaucht wird. Die Leserin/der Leser findet so schneller in die Geschichte und möchte dem Handlungsfaden lieber folgen, als wenn die Beschreibung rein plakativ und langweilig ist. Wenn Personen und Orte abgehandelt sind, gilt es, die Frage nach dem „Was?“ zu beantworten. Auch hier helfen starke Wörter, das Bild und seine Botschaft besser zu transportieren. So kann man Fußball spielen zum Beispiel auch fröhlich, verbissen, kämpferisch, locker, gelangweilt und so weiter. Die Fragen „Wer?“, „Was?“ und „Wo?“ müssen für jedes Bild zufriedenstellend beantwortet werden.

Fantasie mit Maß und Ziel

Wie überall kann man seine Ambitionen auch beim Erzählen einer Bildergeschichte übertreiben. Wenn beim Schreiben die kreativen Pferde mit einem durchgehen, muss sich das nicht zwangsläufig positiv auf die Qualität der Erzählung auswirken. Sinn einer Bildergeschichte ist, das Visuelle in Worte zu fassen bzw. genau das zu erlernen. Kinder sollen dadurch besser imstande sein, Eindrücke, Gefühle und Situationen in Worte zu kleiden. Ganz nach dem Motto: „Ich schreibe, was ich sehe, nicht, was ich sehen möchte.“ Was unserer Meinung nach dem Bild noch gut tun würde, hat mit einer Bildergeschichte an sich nichts zu tun. Die Strategie: „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist hier eindeutig nicht gefragt!

Direkte Rede & Dialog

Im nächsten Schritt beginnen Sie damit, die handelnden Charaktere auf jedem einzelnen Bild aktiv werden zu lassen. Eine lebendige Sprache mit starken Wörtern und fantasievollen Redewendungen macht sofort Lust darauf, bis zum Ende der Geschichte zu lesen. Bauen Sie unbedingt Dialoge ein. Dabei ist es völlig egal, ob sich auf den Bildern Menschen, Tiere, Pflanzen oder Möbelstücke unterhalten.

Denken Sie daran, wie erfolgreich Zeichentrickserien sind, in denen zum Beispiel ein Schwamm der Hauptakteur ist. Die Leserichtung geht in der deutschen Sprache von links nach rechts, genau so sollten auch die Dialoge geschrieben werden. Wie viel Sie Ihren Handlungsreisenden in den Mund bzw. in die Sprechblase legen, bleibt Ihrer Fantasie und Ihren zeitlichen Ressourcen überlassen. Manchmal natürlich auch den Vorgaben, die mit der Erstellung einer Bildergeschichte einhergehen.

Wenn Ihnen zu einzelnen Szenen spontan nicht allzu viel einfällt, gehen Sie einfach weiter zum nächsten Bild. Der Handlungsbogen muss nicht unbedingt linear nachgezeichnet werden. Und manchmal ergeben sich die fehlenden Teile beim Schreiben wie von selbst zu einem späteren Zeitpunkt. Wichtig: In diesem Teil entsteht die Botschaft, die das Gezeichnete seinen Betrachtern mit auf den Weg geben möchte. Eine Bildergeschichte muss kein moralisches oder gesellschaftliches Exempel statuieren. Aber wenn sie am Ende zumindest für eine kurze Diskussion oder ein Reflektieren über die Handlung sorgt, hat man eigentlich schon alles richtig gemacht.

Das Beste kommt zum Schluss

Das letzte Bild ist der Höhepunkt der Geschichte, hier wird die Pointe erzählt. Wie bei jedem guten Schluss empfiehlt es sich, das vorab Geschriebene noch einmal Revue passieren zu lassen. Wird die Kernaussage der Bilder auf den Punkt gebracht? Ist der Schluss logisch, oder fehlt für sein Verständnis noch eine Information, die bei der Beschreibung der vorherigen Bilder übersehen wurde? Lieber noch einmal drüber schauen! Der perfekte Abschluss einer Bildergeschichte entlockt der Leserin/dem Leser Emotionen. Oder das Erzählte schafft es zumindest, sein Publikum, wenn vielleicht auch nur für einen kurzen Moment, zum Nachdenken zu bringen. Jede Art von Reaktion stellt einer Bildergeschichte auf jeden Fall schon mal ein (sehr) gutes Zeugnis aus! Und so werden Ihre Klassenarbeiten zu diesem Thema kein Hindernis mehr für Sie sein.

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