Briefkastenfirma in BWL leicht erklärt + Beispiel

Mit Hilfe einer Briefkastenfirma wird häufig eine wirtschaftliche Aktivität vorgetäuscht, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Dazu wird sie wie eine gewöhnliche Firma mit dem entsprechenden Datum, einem Namen sowie einem Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen. An der entsprechenden Anschrift der Briefkastenfirma ist jedoch lediglich ein Briefkasten oder ein Postfach anzutreffen. Die meist als Kapitalgesellschaften auftretenden Briefkastenfirmen sind in Europa vor allem in der Schweiz, Liechtenstein oder in den Niederlanden angesiedelt. Grundsätzlich gilt, dass sie ihren Sitz häufig im Ausland haben und im lokalen Firmenregister eingetragen sind.

Aufbau einer Briefkastenfirma

Die Geschäftsführung von Briefkastenfirmen erfordert keine der gängigen Qualifikationen und wird oftmals von Strohmännern oder in Personalunion übernommen. Briefkastenfirmen verfügen in der Regel über keine für Unternehmen typische Merkmale wie:

  • Immobilien, Grundstücke, Liegenschaften
  • Mitarbeiter
  • Büroräume, Geschäftsausstattung
  • Kommunikationsmittel

Zwecke einer Briefkastenfirma

Obwohl Briefkastenfirmen häufig für illegale Zwecke wie Geldwäsche oder der Vermögensverwaltung von unrechtmäßig akkumuliertem Kapital eingesetzt werden, ist auch eine vollkommen legale Nutzung möglich. Beispielsweise bieten Briefkastenfirmen die Möglichkeit, unternehmerische Aktivitäten vor Konkurrenten geheim zu halten. Eine andere Verwendung ist die Ausnutzung eines niedrigen Steuersatzes in einer Steueroase. Dabei ist es nicht illegal, wenn der Inhaber der Briefkastenfirma seinen Wohnort in das entsprechende Land verlegt und auf diese Weise von dem Steuervorteil profitiert.

Briefkastenfirmen mit illegalem Vorsatz

Experten sprechen davon, dass rund 95% aller Briefkastenfirmen zu illegalen Zwecken eingerichtet wurden. 70% davon werden der organisierten Kriminalität bzw. der Geldwäsche und Verwaltung von illegal zustande gekommenen Vermögen zugerechnet. Ein geringer Anteil entfällt auf den vorsätzlichen Steuerbetrug, der entsteht, wenn Vermögen oder Einkommen in ausländischen Briefkastenfirmen von deren inländischen Inhabern nicht deklariert werden. Grundsätzlich gilt, dass bei dem Verdacht einer Gründung einer Briefkastenfirma mit verbrecherischen Absichten, die Ermittler zwar tätig werden, aber häufig bei der Betrugsaufdeckung nicht erfolgreich sind.

Rechtsmissbrauch durch Briefkastenfirmen

Die Gründung einer Briefkastenfirma wird dann als Rechtsmissbrauch angesehen, wenn sie als Kapitalgesellschaft lediglich zum Zweck der Steuerersparnis zwischengeschalten wird und die Steuerpflicht ansonsten im Inland besteht. Neben diesem Spruch des Bundesfinanzhofes erklärte auch die Europäische Union, dass alle Mitgliedstaaten ein Register zu führen haben, in dem sämtliche wirtschaftliche Eigentümer von Unternehmen aufgelistet sein müssen. Betrugsfälle und Rechtsmissbrauch können somit erschwert werden, da Briefkastenfirmen als solches leichter zu erkennen sind.

Briefkastenfirma – Übersicht

 

  • Häufig im Ausland gegründet
  • Lediglich Firmenanschrift, keine unternehmerische Tätigkeit
  • Großteils aus kriminellen Gründen eingerichtet: Geldwäsche, Steuerbetrug etc.

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