BWL: Was ist ein Leerverkauf? – Definition, Beispiel

Der Leerverkauf wird auch als short selling bezeichnet. Hier wird einem Käufer etwas zum Kauf angeboten, in dessen Besitz der Verkäufer sich noch gar nicht befindet.

Meist werden short sellings bei Wertpapieren abgeschlossen. Solche Wertpapiere können Aktien oder Anleihen sein. Leerverkäufe können nur für Rechte getätigt werden, die immer durch den Verkäufer besorgt werden können. Der Leerverkäufer muss jederzeit in der Lage sein den Leerkaufvertrag zu erfüllen. Die Strategie von Leerverkäufen spekuliert vor allem auf sinkende Preise und fallende Kurse.

Es kann sein, dass sich ein Leerverkäufer bereits Wertpapiere leiht, bevor er den Kaufvertrag über den Leerkauf abschließt. Diese ist beispielsweise bei Fonds gegen die Entrichtung einer Gebühr möglich. In diesem Fall ist die Rede von einem gedeckten Leerverkauf. Die ausgeliehenen Wertpapiere müssen dem Verleiher zu einem bestimmten Zeitpunkt wiedergegeben werden. Der Verleihende ist der Leihgeber, er hat den Vorteil, dass er die Wertpapiere in dieser Weise lange halten kann und trotzdem mit der Gebühr Geld verdient.

Wenn der Leerverkäufer sich vor dem Abschluss des Kaufvertrages keine Wertpapiere von einem Leihgeber leiht, handelt es sich um naked short sellings. Dieser Begriff bezeichnet ungedeckte Leerverkäufe.

In Deutschland sind nicht alle Arten von Leerverkäufen erlaubt. Verboten sind ungedeckte Leerverkäufe, die in Aktien oder öffentliche Schuldtitel gemacht werden und bei denen der Verkäufer nicht im Besitz der Wertpapiere ist. Er hat sie also weder selbst noch hat er sie geliehen.

Beispiel:

  • Leerverkäufer leiht sich im Juli 10.000 Wertpapiere eines Unternehmensfonds
  • Leerkäufer verkauft Wertpapiere für 100 EUR pro Stück an der Börse
  • Leerverkäufer erhält insgesamt 1.000.000 EUR für die Wertpapiere
  • Die Leihfrist läuft bis November
  • Der Leerverkäufer muss zwischen im Zeitraum Juli-Oktober verkaufte Wertpapiere wieder besorgen, um sie zurückgeben zu können
  • Er spekuliert auf fallende Kurse von 80 EUR pro Wertpapier im August, zu diesem Preis kauft er dann die Wertpapiere ein und gibt sie an den Leihgeber zurück
  • Ist der Plan erfolgreich, bekommt der Leerverkäufer für jedes Wertpapier einen Gewinn in Höhe von 20 EUR
  • Er hat 200.000 EUR Gewinn gemacht, hier wird nur noch die Leihgebühr abgezogen

Der Leerverkäufer muss die Kurse genau im Auge behalten, denn während der laufenden Leihfrist muss er die verkauften Wertpapiere wieder besorgen. Er muss also einen möglichst günstigen Zeitpunkt für den Ankauf neuer Wertpapiere wählen und darf sich nicht verspekulieren. Will der Leerverkäufer im Beispiel auf noch niedrigere Kurse warten, damit er einen höheren Gewinn erzielt, kann es sein, dass die Kurse stattdessen wieder steigen. In diesem Fall müsste er zu teuren Kursen Wertpapiere beschaffen und im schlimmsten Fall droht dann ein Verlustgeschäft.

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