BWL: Was ist eine Bürgschaft? – Definition, Beispiele

Ein Bürge verpflichtet sich bei der Bürgschaft gegenüber dem Gläubiger einer dritten Person. Der Bürge steht dabei für die Pflichten des Dritten ein.

Bei der Inanspruchnahme der Bürgschaft, kann der Bürge dem Dritten gegenüber einen Regressanspruch geltend machen. Der Dritte muss für Ersatz des entstandenen Schadens gegenüber dem Bürgen aufkommen.

Beispiel:

  • Unternehmensgründung durch Tochter
  • Bankkredit über 100.000 EUR ist nötig
  • Es sind auf Seiten der Tochter keine Sicherheiten vorhanden
  • Die Mutter bürgt deswegen bei ihrer Hausbank für einen Kredit der Tochter

Es gibt einfache Bürgschaften nach § 765 BGB und selbstschuldnerische Bürgschaften.

Damit sie gültig ist, muss die Bürgschaftserklärung schriftlich erfolgen (§ 766 BGB). Ist der Bürge ein Unternehmer und bürgt in diesem Rahmen, kann auf die Schriftform verzichtet werden. Für den Bürgen ist die Bürgschaft dann ein Handelsgeschäft und es gilt § 350 HGB. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Einzelunternehmer für einen Kunden bürgt.

Sind die Bürgen Unternehmen, gilt für sie § 251 HGB. Sie müssen die übernommenen Bürgschaften somit als Eventualverbindlichkeiten dokumentieren.

Die Akzessorietät

Für Bürgschaften gilt die Akzessorietät. Eine Bürgschaft ist nach § 767 BGB auf die verbürgte Hauptschuld bezogen und auf deren Höhe begrenzt.

Sind die Pflichten und Verbindlichkeiten vom Schuldner erfüllt, ist damit auch die Bürgschaft beendet.

Beispiel: Bürgschaftshöhe

  • Von 500.000 EUR Darlehen wurden 400.000 zurückgezahlt
  • Der Schuldner kann nun nicht mehr tilgen, es verbleibt ein offener Restbetrag von 100.000 EUR
  • Bürge haftet für restliche 100.000 EUR

Stellt sich nach Abgabe der Bürgschaft heraus, dass das zugrundeliegende Rechtsgeschäft nicht rechtswirksam abgeschlossen wurde, kann der Bürge Einwände gegen Nutzung der Bürgschaft erheben.

Die Bürgschaftsarten

Die Ausfall- oder gewöhnliche Bürgschaft

Dem Bürgen steht die Einrede zur Vorausklage zur Verfügung. Der Gläubiger muss dann zuerst in das Schuldnervermögen vollstrecken. Nur wenn dies nicht erfolgreich ist oder nicht in vollem Umfang der offenen Schuld, muss der Bürge für restlichen Betrag aufkommen.

Die selbstschuldnerische Bürgschaft

Der Bürge verzichtet beim Abschluss einer selbstschuldnerischen Bürgschaft auf die Einrede der Vorausklage nach § 771 BGB.

Diese Art der Bürgschaft ist sehr vorteilhaft für den Gläubiger, der zügig die Schuld erfüllt bekommt. Er muss sich bei Nichterfüllung der Schuld nicht zur Zwangsvollstreckung gegen den Schuldner wenden sondern kann sofort den Bürgen beanspruchen.

Die Rückbürgschaft

Mit der Rückbürgschaft kann sich der Bürge absichern. Tritt der Fall ein, dass die Bürgschaft in Anspruch genommen wird, kann der Schaden dem Rückbürgen gegenüber geltend gemacht werden. Dazu muss ein Rückbürge vorhanden sein, also eine entsprechende Rückbürgschaft vorliegen und der eigentliche Schuldner darf nicht in der Lage sein, seine Schulden gegenüber seinem Bürgen selbst zu begleichen.

Der Kreditauftrag

Ein Kreditauftrag ist eine Bürgschaft, die gemäß § 778 BGB entsteht. Hier wird die Gewährung eines Kredits gegenüber einem Dritten an jemanden in Auftrag gegeben. Der Kreditgeber vergibt das Darlehen bzw. die Finanzierungshilfe in eigenem Namen und auf seine eigene Rechnung. Kann der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, haftet der Auftraggeber gegenüber dem Kreditgeber als Bürge.

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