Den perfekten Praktikumsbericht schreiben – Aufbau & Gliederung tz22

Wenn das Praktikum sich dem Ende neigt, ist es höchste Zeit, sich über den abschließenden Bericht Gedanken zu machen. Denn nicht nur am Semesterende im Studium oder beim Abschluss des Bachelor oder Master-Grades ist ein Bericht nötig. Wie man einen guten Praktikumsbericht anfertigt, worauf es ankommt und was der Verfasser dabei über seine berufliche Zukunft erfahren kann? Hier gibt’s die Antworten!

Dokumentation von Anfang an

Wenn ein Praktikum nach 8 oder 12 Wochen oder gar 6 Monaten plötzlich vorbei ist und man sich dann erst Gedanken darüber macht, was nun verfasst werden soll, ist das mit enormem Stress verbunden. Die Erinnerungen sind getrübt und kaum einer kann sich noch daran erinnern, was in der ersten oder zweiten Wochen gelernt wurde. Ein guter Praktikumsbericht lebt von einer regen Dokumentation von Anfang an. Lieber sollte etwas zu viel notiert werden als am Ende wegen fehlender Inhalte echte Probleme zu bekommen.

Das bedeutet aber, dass man von Anfang an mitschreiben muss, am besten sogar nach jedem einzelnen Arbeitstag. Es reicht bereits aus, wenn lediglich in Stichworten dokumentiert wird, was an diesem Tag gemacht wurde, welche Termine anstanden und welche Aufgaben gemacht wurden. Arbeitsergebnisse sollten außerdem immer festgehalten werden. Auch eine Art Tagebuch ist keine schlechte Idee: Dabei kann der Student oder der Schüler notieren, womit er heute konfrontiert war und welche Gefühle dabei aufgetreten sind. Ein Praktikumbericht darf durchaus mit Emotionen angereichert werden und auch einmal darauf hinweisen, wenn eine schwierige Situation auftrat.

Denn es gibt nichts Schlimmeres als dann plötzlich eine Woche vor der Abgabe noch rein gar nichts aufs Papier gebracht zu haben und dann von Erinnerung zehren zu müssen, die vielleicht schon längst verblasst sind. Dabei kommt fast jeder in Zeitnot und die ist absolut nicht förderlich. Notizen während der Praktikumsphase können dieser Zeitnot am Ende vorbeugen. Wer weiß, dass ein Bericht geschrieben werden muss, sollte möglich früh damit beginnen. Im schlimmsten Fall ist man dann eben eine Woche zu früh fertig – Damit lässt sich aber gut leben!

Welche Form sollte der Praktikumsbericht haben?

Das hängt vor allem davon ab, was überhaupt gefordert ist. Manchmal genügt bereits eine Präsentation in Power-Point, die lediglich das Wichtigste zusammen fasst – Andere Dozenten wünschen sich hingegen ein umfangreiches Dokument mit Inhaltsangabe, Kapiteln und wenigstens einem Umfang von 10 Seiten.

Bevor mit der Anfertigung begonnen wird, muss sich jeder vorab damit befassen, wer die Leser sein werden und welchen Hintergrund diese haben. Ist der Praktikumsbericht für Menschen gedacht, die die Branche und das Arbeitsumfeld bereits gut kennen? Dann darf die Form auch abweichen, denn an dieser Stelle ist die Erklärung eines jeden Fachbegriffes wohl eher nicht mehr nötig.

Ob nun eine Präsentation angefertigt werden muss oder nicht: Ein Dokument muss immer vorliegen. Das sollte ein Deckblatt mit einem Titel haben und den Verfasser und dessen Position (Schüler, Student, etc.) nennen. Eine Inhaltsangabe ist außerdem auch üblich. Sei leitet durch den Bericht und sorgt für eine klare Strukturierung. Von der profitiert der Autor übrigens auch selbst am meisten, denn an dieser kann man sich lang hangeln. Die Idee, die Inhaltsangabe als erstes zu erstellen und sie als Gliederung zu nutzen, ist sicherlich gut. Das genaue Vorgehen ist aber Geschmackssache.

Je nach Studiengang darf es aber auch gerne etwas moderner sein. Weshalb nicht einen Blog verfassen oder Video-Clips anfertigen? Je konservativer das Umfeld, desto weniger kreativ darf man hier natürlich auch sein. Außerdem darf es am Inhalt niemals mangeln, völlig egal welches Form gewählt wurde.

Wie detailliert muss ein Praktikumbericht sein?

Es ist sicherlich nicht nötig, derart ins Detail zu gehen, dass jede einzelne Arbeitsstunde erläutert wird. Niemand möchte wissen, was es zum Mittagessen gab oder wie häufig das Telefon geklingelt hat. Viel wichtiger ist dass prägnante und wichtige Arbeitsschritte und -prozesse erwähnt werden. Ein Projekt kann beispielsweise sehr ausgedehnt beschrieben werden – von der reinen Idee bis hin zur Entwicklung oder gar bis zum Projektende.

Ein Praktikumsbericht lebt davon, dass die Leser etwas darüber erfahren, was der Praktikant gelernt und erfahren hat. Das heißt, dass nicht zwingend ein Ziel vorhanden sein muss, es muss nichts Greifbares erreicht werden. Gibt es allerdings etwas, das während der Zeit erreicht wurde, so sind auch Zwischenziele festzuhalten.

Der Bericht muss keinesfalls wie ein Tagebuch verfasst sein. Das heißt: Nicht relevant ist, wie sich explizit Tag 1, Tag 2 und so weiter gestaltet haben. Das ist auch schlicht langweilig und erinnert eher an eine Art Berichtsheftwährend der Ausbildung. Da ist so etwas nämlich explizit gewünscht. Der Praktikumsbericht dient zum Abschluss einer Erfahrung im Allgemeinen.

Wie soll der Praktikumsbericht geschrieben sein?

Ein Praktikumsbericht ist kein Roman und auch kein Drama. Natürlich erlebt der Praktikant selbst das völlig anders. Die Praktikanten sind mit Emotionen bei der Sache und haben natürliche auch Gefühle wie Wut, Enttäuschungoder Freude über ein erreichtes Ziel. Trotzdem: Das alles hat nichts im Praktikumsbericht zu suchen. Dieser soll und muss stattdessen neutral geschrieben werden.

Er muss also so geschrieben sein, als wäre man selbst eher als Zuschauer dabei gewesen und beschreibe nun einen Sachverhalt von außen. Probleme dürfen dabei durchaus als „Herausforderung“ beschrieben werden. Aber Sätze wie „Die Aufgabe war langweilig und mein Vorgesetzter nervte mich.“ sind absolut nicht angebracht. Außerdem ist eine derartige Formulierung nicht professionell.

Wo es also geht, bleiben Emotionen außen vor. Wenn die aber der Beschreibung eines Sachverhaltes dienen und eingebunden werden müssen, sind sie zwingend so zu formulieren, dass sie nicht negativ aufgefasst werden. Schließlich soll für die Lesenden keinesfalls der Eindruck entstehen, das Praktikum sei minderwertig gewesen. Schlechte Erfahrungen gehören aber absolut auch in den Berufsalltag und die werden auch gemacht – Man muss sie eben gut verkaufen und sollte sich nicht dastehen lassen wie die eigenen Fehler. Wer zwischenmenschliche Probleme hat, behält die ohnehin lieber für sich. Sie haben in einem guten Bericht nämlich einfach nichts verloren.

Weshalb der Bericht auch den Praktikanten nutzt

Keine Frage: Wenn ein Praktikumsbericht in einem Umfang von zehn oder gar noch mehr Seiten formuliert werden muss, entsteht dabei vorweg durchaus auch mal wenig Lust. Die Aufgabe wirkt fordernd und unnötig, schließlich hat man selbst ja während des Praktikums bereits so viel gelernt. Weshalb also alles noch einmal aufschreiben? Ganz einfach: Der Bericht hilft den Praktikanten auch selbst!

Denn meist lässt man das Erlebte erst dann Revue passieren, wenn man sich damit noch einmal intensiv befasst. Und stellt sich dann auch Frage wie: Was das wirklich etwas, das mir Freude gemacht hat? Kann ich mir mein Berufsleben so vorstellen? Woran bin ich gewachsen? Ist ein kleines, mittelgroßes oder großes Unternehmenwirklich etwas für mich?

Das heißt eben auch, dass der eigene Berufswunsch viel konkreter wird. Vielleicht wollte jemand immer Tierpfleger werden, hat während des Praktikums aber feststellen müssen, dass die hauptsächliche Arbeit darin besteht, die Ställe zu reinigen und kaum echte Zeit mit den Tiere verbracht werden kann. Dann ist das eine wichtige Erkenntnis. Es wäre jedenfalls wesentlich tragischer, dies erst zu erfahren, wenn bereits eine Ausbildung begonnen wäre. Daher wäre es eigentlich viel besser, während der Schul- und Studienzeit so viele Praktika wie nur möglich zu absolvieren. Auf diese Weise erfährt nämlich jeder, was so gar nicht der eigene Fall ist und wo ie berufliche Reise hingehen soll.

Was gehört zwingend in den Praktikumsbericht?

Das Unternehmen bzw. der Träger muss den Lesern unbedingt vorgestellt werden. Völlig egal, ob das Unternehmen nun bekannt ist oder überhaupt nur zwei oder drei Mitarbeiter hat: Der Leser möchte wissen, was hier hergestellt oder vertrieben wird und aus welchen Menschen die Geschäftsführung bzw. der Vorstandbesteht. Die Vorstellung des Unternehmens ist außerdem immer ein sehr gelungener Einstieg in den Bericht. Aber keinesfall muss jeder einzelne Mitarbeiter vorgestellt werden, wenn das Praktikum in einem Konzern stattfand, das hunderte von Beschäftigte hatte. Sind die aber an einer Hand abzählbar, können sie und ihre jeweilige Tätigkeit ruhig erwähnt werden.

Nach und nach kann dann detaillierter geschrieben werden: Anschließend wird die Abteilung und ihre Aufgaben genauer beschrieben, schließlich geht es an die eigene Tätigkeit: In welchem Berich war das Praktikum ausgeschrieben und was waren die zuvor beschriebenen Aufgaben (bspw. in der Stellenausschreibung)?

Danach geht es darum, das vorzustellen, was getan wurde. Also eine tatsächliche Tätigkeitsbeschreibung. Diese darf dann im dritten Teil auch bewertet werden, denn es ist durchaus üblich, auch selbst kritisch zu hinterfragen, ob die Tätigkeit einen nun weiter gebracht hat oder nicht. Niemand sollte den Fehler machen und formulieren, dass alles toll und wunderbar war, wenn dies eben nicht so ist und man selbst kaum etwas dazu gelernt hat. In diesem Fall sollte aber auch direkt ein Verbesserungsvorschlag mitgeliefert werden.

Korrektur lesen: Ist das nötig?

Meist wird ein Praktikumsbericht benotet. Das heißt, dass es wichtig ist, dass er einen guten Eindruck macht: Und Schreibfehler machen nun einmal keinen Eindruck. Man selbst kann einen selbst verfassten Text oft hunderte Male lesen und findet kleine Fehler einfach nicht, weil man sie überliest.

Rechtschreibprüfungen tun zwar ihr Übriges, erkennen aber auch nicht jeden Fehler. Insofern ist es durchaus empfehlenswert, den Bericht vor der Abgabe an jemanden weiter zu geben, der der Deutschen Sprache mächtig ist und ein oder zwei Stunden Zeit hat. Der Inhalt ist dabei gar nicht zu bewerten und für Außenstehende ohnehin kaum zu beurteilen. Die Rechtschreibung und die Grammatik müssen allerdings noch einmal geprüft werden. Bedanken kann man sich dafür mit einem kleinen Gutschein oder einer Tafel Schokolade. Das Korrekturlesen ist schnell erledigt und kann auch auf dem ausdruckten Papier vorgenommen werden, indem direkt dort Fehler markiert werden.

Beim Bericht sollte außerdem darauf geachtet werden, dass das Inhaltsverzeichnis der wahren Tatsache entspricht. Manchmal verschieben sich hier noch Bereiche und Einrückungen. Das ist vor Abgabe in jedem Fall zu prüfen!

Viele stellen sich außerdem die Frage, ob ein Praktikumsbericht professionell gebunden werden muss. Das ist sicherlich eine nette Idee, kommt bei den meisten Prüfern allerdings nicht so gut an, da das eher bei gewichtigen Abschlussarbeiten gemacht wird. Für einen Praktikumsbericht reicht ein hochwertiger farbiger Ausdruck. Danach sollte er gut zusammen gebunden in eine Klarsichtfolie gelegt werden. Das genügt für die Abgabe völlig. Andere Vorgaben hierzu machen die Dozenten sichtlich im Voraus.

Muss ein Praktikumsbericht selbst verfasst werden?

Eindeutig ja! Schließlich muss jeder selbst den eigenen Namen unter den Bericht schreiben und gibt sich damit auch als Autor aus, denn meist erfolgt eine Note, die unmittelbar einfließt in einen Abschlussgrad. Niemand darf vorgeben, einen Bericht selbst verfasst zu haben, wenn das nicht der Wahrheit entspricht. Erst recht darf nirgendwo abgeschrieben werden.

Das aber lohnt sich auch alles nicht, denn von einem guten Praktikumsbericht profitiert vor allem der Autor selbst. Hilfe darf man sich übrigens immer suchen. Eben in dem Rahmen, in welchem sie noch zulässig ist. Natürlich darf ein guter Freund den Bericht lesen und seine Meinung hierzu äußern oder auch ganze Texte umschreiben. Auch das Unternehmen selbst darf den Bericht nach eigenen Wünschen umgestalten. Im Gesamtbild aber muss es sich um einen selbst verfassten Text handeln, der sich keiner fremden Inhalte bedient.

Was für die meisten selbstverständlich klingt, mag andere überraschen. Aber keine Sorge: Der Bericht wird sich Seite für Seite füllen und was zunächst noch wie extrem viel Arbeit wirkt, ist schon bald erledigt: Ein guter Praktikumsbericht lebt eben auch von echten Erfahrungen.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert. Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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