Die Materialaufwandsquote in BWL leicht erklärt + Beispiel

Definition der Materialaufwandsquote

Die Materialaufwandsquote bildet ein Verhältnis zum in der GuV ausgewiesenen Materialaufwand und der Gesamtleistung eines Unternehmens.

Diese Kennziffer ist auch als Materialintensität bekannt und hilft Unternehmen zu erkennen, ob andere Unternehmen ihre Leistung mit weniger Materialaufwand erbringen können.
Die Materialaufwandsquote ist je nach Branche sehr unterschiedlich. Industrieunternehmen weisen hierbei häufig die höchsten Quoten auf, während die niedrigsten Sätze in der Regel bei Dienstleistungsunternehmen zu finden sind.

Handelsunternehmen definieren auch eine Wareneinsatzquote. Beträgt diese Quote im Beispiel 40%, so hat das Unternehmen 40 Euro Kosten auf 100 Euro Umsatz. Die Handelsspanne wäre in diesem Beispiel bei einem Wert von 60%.

Formel zur Berechnung der Materialaufwandsquote

Die Materialaufwandsquote berechnet sich mit folgender Formel:

Materialaufwandsquote = Materialaufwand / Gesamtleistung.

In der GuV nach Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 Nr. 5 HGB) lässt sich der Materialaufwand direkt entnehmen, bei einer vorliegenden GuV nach Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) findet sich die nötige Berechnungsgröße im Anhang (§ 285 Nr. 8 a) HGB).

Für die Ermittlung der Gesamtleistung können die Umsatzerlöse, die Summe aus Umsatzerlösen und die Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie andere aktivierte Eigenleistungen (Posten § 275 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 HGB des Gesamtkostenverfahrens) benutzt werden.

Beispiel für die Berechnung der Materialaufwandsquote

Ein Unternehmen weist in der GuV Umsätze in Höhe von 10 Millionen Euro, eine Bestandserhöhung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen von 2 Millionen Euro und anderen aktivierten Eigenleistungen von 1 Million Euro auf.
Die Materialaufwandsquote berechnet sich nun folgendermaßen im Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB):

Berechnung der Materialaufwandsquote in der GuV nach dem Gesamtkostenverfahren

1. Umsatzerlöse 10.000.000
+/- 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen 2.000.000
+ 3. andere aktivierte Eigenleistungen 1.000.000
= Gesamtleistung 13.000.000
+ 4. sonstige betriebliche Erträge 200.000
5. Materialaufwand
– a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene
Waren 3.000.000
– b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 200.000
6. Personalaufwand
– a) Löhne und Gehälter 4.000.000
– b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für
Unterstützung 1.000.000
7. Abschreibungen
– a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen 1.000.000
– b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der
Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 0
– 8. Sonstige betriebliche Aufwendungen 2.000.000
= Betriebsergebnis (EBIT) 2.000.000
+ 9. Erträge aus Beteiligungen 100.000
+ 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens 150.000
+ 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 100.000
– 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
50.000
– 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 800.000
= 14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 1.500.000
+ 15. Außerordentliche Erträge 200.000
– 16. Außerordentliche Aufwendungen 100.000
= 17. Außerordentliches Ergebnis 100.000
– 18. Steuern vom Einkommen und Ertrag 400.000
– 19. Sonstige Steuern 0
= 20. Jahresüberschuss 1.200.000

Laut den vorliegenden Zahlen beträgt der Materialaufwand 3,2 Millionen Euro.

Berechnung der Materialaufwandsquote auf Basis der Gesamtleistung

Die Materialintensität berechnet sich nun folgendermaßen:

Materialaufwandsquote = 3,2 Mio. € / 13 Mio. € = 24,6 % (gerundet)

Berechnung der Materialaufwandsquote auf Basis der Umsatzerlöse

Für die alternative Berechnung auf Basis der Umsatzerlöse lautet die Formel:

Materialaufwandsquote = 3,2 Mio. € / 10 Mio. € = 32 %.

Interpretieren der Materialaufwandsquote

Die Bedeutung der Materialaufwandsquote

Die Materialintensität gibt Aufschluss über die Produktivität und die Effektivität eines Betriebes.
Als Beispiel nehmen wir nun zwei Unternehmen in vergleichbaren Branchen, deren Materialaufwandsquoten 50% für Unternehmen A betragen und 40% für Unternehmen B.
Dies bedeutet, dass Unternehmen B seine Materialien entweder günstiger einkauft oder teurer verkauft.
Es gilt allerdings zu bedenken, dass der in der GuV aufgeführte Materialaufwand ebenfalls vom angewandten Bewertungsverfahren der Lagerhaltung abhängig ist (FiFO oder LiFo).

Vergleiche

Der Vergleich der Kennziffer Materialintensität ist nur sinnvoll, wenn beide Unternehmen in vergleichbaren Brachen tätig sind.
Dies lässt sich daran erklären, dass ein Industrieunternehmen vollkommen andere Materialaufwände hat als ein Handelsunternehmen, wodurch der Vergleich nicht mehr repräsentativ wäre.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere