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Die Stadt von Theodor Storm – Beispiel Gedichtanalyse/Interpretation

  • by Anatoli Bauer

Hans Theodor Woldsen Storm wurde im Jahre 1877 geboren und wurde 70 Jahre alt. Das Gedicht “Die Stadt” wurde von ihm im Jahre 1851 erfasst. Die Zeilen des Gedichts entsprangen der Epoche des Realismus. Die Grundstimmung trägt eine Schwere in sich. Storm beschreibt eine Stadt am Meer. Das Gesamtbildnis ist düster, doch tritt die emotionale Verbundenheit genauso zutage.

Der Aufbau des Gedichts

Das Gedicht besteht aus drei Strophen. Jede Strophe besitzt fünf Verse. Ein optisch auffälliges Merkmal besteht in der Großschreibung am Beginn eines jeden Verses. Einige Reime wiederholen sich identisch. In der ersten Strophe wird die Lage der Küstenstadt beschrieben. Zudem wird vor allem die damit verbundene Stimmung ausgedrückt. Das Bildnis der heutigen Stadt soll dem Leser vermittelt werden.

Eine Großstadt und ihre Industrialisierung wird in starken und klaren Emotionen ausgedrückt. Durchaus könnte es sich um eine Stadt am Meer in Großbritannien handeln. Möglich wäre ebenso eine Stadt in den USA sein. Doch gemeint ist Husum. Theodor Strom wurde in der Nähe von Husum geboren, genau genommen in Hanerau-Hademarschen.

Seine Kindheit sowie die Jugend verbrachte er in Husum. Nach seinem Studium war Theodor Storm als Rechtsanwalt elf Jahre lang vor Ort tätig sowie als Amtsrichter sowie als Landvogt weitere vierzehn Jahre. Gestorben ist er in Hanerau-Hademarschen. Beerdigt wurde er in Husum.

Die Mischung zwischen Realität und Vergangenheit wird Zeile für Zeile sicht- und spürbar für den Leser.

Darauf folgt eine genauere Beschreibung der tristen und umliegenden Umgebung. Die Umgebung wirkt alleine schon dadurch trostlos, dass so keine Abschnitte mit grüner Natur vorzufinden sind. Mit der dritten Strophen wendet sich das Blatt. Die Gedanken gehen zurück in die Jugend. Mit dieser Zeit verbindet den Erzähler viel Positives.

Die Eintönigkeit zieht sich durch wie ein roter Faden

Der Strand ist nicht weiß, sondern der Strand ist grau. Das Meer ist nicht blau, das Meer ist grau. Ein düsteres Bild wird zu Beginn an beschrieben, welches mit keiner Silbe weichen möchte. Beim Lesen der Zeilen zeichnet sich bildhaft in der eigenen Fantasie die durchzogene Trieste auf.

Grau ist eine unscheinbare Masse für den Leser. Die Farbe wird zumeist in Verbindung gebracht mit trüben Novembertagen und allgemein kalter Jahreszeit. Die Farbe ist kühl und versprüht keine Wärme. Sie steht oft für das Aufziehen des schlechten Wetters und der damit verbundenen kalten Jahreszeit. Graues Wetter und graue Fassaden verhindern den Sonnenschein und die damit verbundene Leichtigkeit.

In dem Zuge wird das Adjektiv “schwer” eingebunden und unterstreicht das finstere Bild, welches kein Wohlbehagen auslöst. Dabei wird der Nebel beschrieben, wie dieser die Dächer umgibt. Der Nebel an sich drückt noch nicht die Schwere aus, da dieser oft mit Leichtigkeit assoziiert wird.

Die Leblosigkeit der Stadt zieht sich mit wenigen Worten durch die Zeilen. Inmitten dieser Stille liegt das Meer. Mit der zweiten Strophe wird die Umgebung der Stadt genauer beschrieben.

Die Gegend ist karg ohne Natur

Die zweite Strophe geht inhaltlich auf die Umgebung der finster liegenden Stadt. Sie ist freudlos. Ihr fehlt die Natur. Es ist kein Wald vorhanden. Kein Zwitschern eines Vogels ist zu hören. Die ganze Tierwelt scheint nicht vorhanden zu sein. Doch ein starker Schrei der Wandergans ist zu vernehmen. Sie fliegt vorbei. Doch scheint sie nicht vor Ort zu leben. Die kärgliche Flora und Fauna wirkt trostlos und ist nicht der Rede wert.

Das Blatt wendet sich mit der dritten Strophe. Für den Leser stellt dies eine Überraschung dar. Die überraschende Wende wird mit einem “doch” eingeleitet. Der Leser wird neugierig. Plötzlich fühlt sich der Erzähler mit der Stadt verbunden. Sein gesamtes Herz liegt an dieser Stadt. Denn unerwartet fängt er an zu lächeln und erinnert sich an seine Jugend.

Die Gemütsfassung ist vollständig gegensätzlich zur ersten und zur zweiten Strophe. In seiner Seele fühlt er sich tief verbunden mit der Stadt. Die Stadt bekommt plötzlich eine große Bedeutung für den Erzähler. Die emotional positive Stimmung verändert das Bild.

Theodor Strom hat mit dem Verlauf der dritten Strophe ein antithetisches Gedicht verfasst. Er benennt kritische, tatsächliche Aspekte und verbindet diese mit emotionalen Jugendereignissen. Die objektive Beschreibung ist für den damaligen Realismus typisch.

Die Gedichtsinterpretationen im Vergleich

Nicht nur Theodor Storm schildert in wenigen Strophen die Eindrücke einer Stadt und deren Veränderungen über wenige Jahre. Ein weiteres Beispiel für Städte in Gedichtsform ist von Hugo von Hofmannsthal mit seiner Sichtweise “Siehst du die Stadt”. Eindrücklich dichtet Georg Heym mit “Der Nebelstädte winzige Wintersonne” die Stimmung in der kalten Jahreszeit. Theodor Strom schafft es in wenigen Zeilen seine Eindrücke über die Veränderung seiner geliebten Heimatstadt zu beschreiben. Der Leser wird unweigerlich tief in seine Gefühlswelt hineinkatapultiert.

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