Einbeziehungswahlrechte in BWL leicht erklärt + Beispiel

Für einen Konzernabschluss ist grundsätzlich davon auszugehen, dass alle Tochterunternehmen einbezogen werden. Im § 296 Abs. 1 HGB sind jedoch drei Ausnahmefälle beschrieben, die als Einbeziehungswahlrecht gelten, faktisch jedoch eher ein Einbeziehungsverbot darstellen.

Tochterunternehmen sind nicht in den Konzernabschluss einzubeziehen, wenn:
– Das Mutterunternehmen seine Rechte in Bezug auf Geschäftsführung und Vermögen andauernd oder zumindest erheblich nicht ausüben kann. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn gegenüber dem Tochterunternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet wurde.
– Die erforderlichen Informationen und Daten, die für die Aufstellung des Konzernabschlusses notwendig sind, nur mit hohen Kosten oder extremen Verzögerungen zu erhalten sind. Dies kann beispielsweise vorkommen, wenn Datenverluste aufgrund einer Überschwemmung o. ä. vorliegen.
– Die Anteile an ein Tochterunternehmen werden nur zur zum Zweck der Weiterveräußerung gehalten. Denkbar ist zum Beispiel, dass der Konzern eine Unternehmensgruppe erworben hat, von der nur Teilunternehmen in den Konzern integriert werden sollen. Andere Teilunternehmen passen, z. B. durch eine andere Geschäftsausrichtung, nicht in die Konzernstruktur und ein Weiterverkauf ist geplant. In diesem Fall werden die Anteile im Umlaufvermögen, da sie nur vorübergehend (kurzfristig) gehalten werden.

Sofern ein Tochterunternehmen aus einem der o. g. Gründe nicht in den Konzernabschluss einbezogen wird, gilt dies für ein Jahr. Im nächsten Jahr ist erneut eine Einbeziehung bzw. ein Fortbestehen der Gründe für das Wahlrecht zu prüfen.

Eine weitere Ausnahme, die in der Praxis sehr häufig vorkommt ist in § 296 Abs. 2 verzeichnet. Demnach braucht ein Tochterunternehmen nicht in den Konzernabschluss einbezogen werden, wenn es von untergeordneter Bedeutung ist und somit die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns nicht wesentlich beeinflusst.

Sollte diese Bedingung auf mehrere Tochterunternehmen zutreffen, sind diese Tochterunternehmen in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Wenn sie in der Gesamtheit eine wesentliche Veränderung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bewirken, sind sie in den Konzernabschluss einzubeziehen.

Sofern das Einbeziehungswahlrecht in Anspruch genommen wird, ist dies im Konzernanhang zu begründen. (§ 296 Abs. 3 HGB)

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