Eine Reizwortgeschichte schreiben – Anleitung und Tipps

In der Grundschule und auch in weiterführenden Schulen wird häufig das Schreiben einer Reizwortgeschichte gefordert. Weil es am Anfang ganz schön schwierig sein kann, eine solche Geschichte zu verfassen, ist es hilfreich, einige Tipps und Tricks zu kennen. Auch das regelmäßige Üben des Schreibprozesses ist eine große Erleichterung und kann den Druck aus der Prüfungssituation nehmen. In diesem Ratgeber wird erklärt, was genau eine Reizwortgeschichte eigentlich ist, wie man sie aufbaut, welche Regeln es zu beachten gibt, wie man am besten mit dem Schreiben beginnt und wie man den Schreibprozess trainieren kann.

Was ist eine Reizwortgeschichte?

Eine Reizwortgeschichte ist eine Erzählung, in der bestimmte Begriffe vorkommen müssen. Es sind zum Beispiel fünf Nomen vorgegeben, die dann in den Text eingebaut werden sollen. Je nach Vorgabe der Lehrkraft können die Wörter grammatikalisch verändert oder angepasst werden. Es kann sein, dass die Wörter alle in der vorgegebenen Reihenfolge verbaut werden sollen oder, dass die Reihenfolge beliebig verändert werden kann. Deshalb ist es wichtig, immer genau auf die Angabe der Lehrkraft zu achten.

Reizwortgeschichten können Fantasieerzählungen sein, es können aber auch Erlebnisberichte oder realitätsnahe Geschichten sein, die bestimmte Begriffe verbauen sollen. Das wichtigste bei so einer Erzählung ist, dass sie spannend aufgebaut ist und die äußeren sowie inneren Vorgaben erfüllt.

Wie wird eine Reizwortgeschichte aufgebaut?

Eine Reizwortgeschichte besteht immer aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Dieser Aufbau wird oft mit der sogenannten Erzählmaus erklärt. Diese symbolisiert, wie die Erzählung zum Höhepunkt hinführen soll.

Man zeichnet dabei einen Mausekörper auf. Dieser zeigt, wie die Erzählung langsam beginnt und sich die Spannung steigert bis zum Höhepunkt. Danach fällt die Spannung relativ schnell ab und die Erzählung kommt zum Schluss. Für Kinder kann diese Erklärung hilfreich sein, damit sie nicht zu schnell zum Höhepunkt der Geschichte kommen.
In der Einleitung werden die bekannten W-Fragen beantwortet. Diese klären die Rahmenbedingungen der Geschichte und beantworten somit die wichtigsten Fragen. Die Fragen lauten Wer erlebt was? Wann wie und warum erlebt er oder sie das? Auch weitere Fragen dieser Art können in der Einleitung beantwortet werden. Sie führt langsam zum Hauptteil der Erzählung hin.

Der Hauptteil ist der wichtigste Part einer Erzählung. Deshalb sollte man auch nicht zu viel Zeit auf Einleitung und Schluss verwenden. Hier wird kontinuierlich die Spannung der Erzählung aufgebaut. Viele Adjektive und Beschreibungen sowie sinnvolle Abwechslungen und Synonyme helfen, die Geschichte spannender zu gestalten. Etwa im letzten Viertel des Hauptteils sollte der Höhepunkt der Spannung erreicht sein. Danach fällt die Spannung nämlich schnell wieder ab und es folgt nur noch der Schluss.

Im Schluss wird nur noch die Geschichte abgerundet, zum Beispiel, indem man einen Ausblick in die Zukunft gibt oder ein Mysterium auflöst. Er sollte der kürzeste Part der Geschichte sein, eine Erzählung aber ordentlich abrunden. Es sollte nicht so wirken, als hätte der Verfasser oder die Verfasserin keine Zeit mehr für den Schluss gehabt.

Welche Regeln gibt es zu beachten?

In einer Reizwortgeschichte müssen unbedingt alle Reizwörter verbaut werden. Wird eines der Wörter vergessen, kann das zu beträchtlichem Punktabzug führen. Es muss auch darauf geachtet werden, ob die Wörter in vorgegebener Reihenfolge und genau dieser grammatikalischen Flexion eingebaut werden sollen, oder ob dies keine Rolle spielt.
Diese Erzählungen sollten stets im Präteritum, bzw. Imperfekt verfasst werden. Ein Zeitwechsel in der Geschichte ist nicht erwünscht, außer es handelt sich um eine wörtliche Rede.

Um die Erzählung spannender zu gestalten, hilft es, viele abwechslungsreiche Adjektive einzubauen. Man sollte darauf achten, dass die Geschichte unterhaltsam und nicht zu sachlich ist. Wörtliche Rede einzubauen, kann die Erzählung ebenfalls lebhafter gestalten, dabei sollte dieses Stilmittel aber auch nur in einem gesunden Maße verwendet werden.
Gedanken und Gefühle ausführlich zu beschreiben gehört ebenfalls zu einer gelungenen Reizwortgeschichte.

Am Schluss sollte man sich eine passende Überschrift überlegen, die Lust macht, die Geschichte zu lesen und noch keine inhaltlichen Informationen vorweg nimmt.

Gibt es Tipps für den Anfang?

Mit einer Reizwortgeschichte zu beginnen, kann teilweise ganz schön schwierig sein. Man benötigt gute Ideen und steht dabei meist noch unter Zeitdruck. Es gibt aber einige Tipps und Tricks, die den Anfang erleichtern und den Einstieg in diese Erzählgattung vereinfachen.

Sobald Sie Ihre Wörter erhalten haben, kann es sinnvoll sein, eine Ideensammlung anzufertigen. Vielleicht hilft es Ihnen, all Ihre Assoziationen zunächst in einer Mind Map zu sammeln und diese im Anschluss zu ordnen. Sie können dann den Bereichen Einleitung, Hauptteil und Schluss zugeordnet werden. Man sollte sich immer überlegen, inwiefern die einzelnen Begriffe zusammenhängen könnten und somit eine einzelne Erzählung ergeben können. Die Geschichte sollte nämlich keinesfalls in mehrere Untererzählungen aufgeteilt werden. Schülerinnen und Schülern empfiehlt man außerdem, einen Schreibplan anzufertigen. Hier wird für jeden Erzählschritt – also Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss – kurz aufgeschrieben, was genau passiert und was unbedingt in die Geschichte soll. Diese Stichpunkte werden in der eigentlichen Hauptarbeit dann nur noch ausformuliert und ausgeschmückt.

Sie sollten sich gründlich überlegen, aus welcher Perspektive Sie die Geschichte erzählen. Wenn nicht anders vorgegeben, kann sie aus der Er- oder Ich-Perspektive verfasst werden. Beide Aspekte haben Vor- und Nachteile und nehmen Einfluss auf die Spannung der Erzählung. Da es sich meist um sehr kurze Erzählungen handelt, sollten nicht zu viele Hauptpersonen eingeführt werden, um nicht für Verwirrung zu sorgen und die Hauptcharaktere auch treffend beschreiben zu können.

Es kann helfen, die Punkte der Ideensammlung oder des Schreibplans abzuhaken, um zu überprüfen, ob auch alle wichtigen Informationen verarbeitet worden sind.
Nachdem die Geschichte verfasst wurde, gibt man der Reizworterzählung noch eine treffende Überschrift. Dieser Schritt kommt deshalb erst nach dem Verfassen der Geschichte, damit ein möglichst treffender Titel gewählt werden kann und keine Informationen vorweg genommen werden.

Zuletzt kommt das äußerst wichtige Korrekturlesen. Es empfehlen sich mehrere Durchgänge. Beim ersten Durchgang sollte man auf den inhaltlichen Zusammenhang der Geschichte achten. Ist sie logisch aufgebaut? Werden alle W-Fragen beantwortet? Fehlen Informationen. Führt man gut zum Höhepunkt hin und wird die Geschichte sauber mit dem Schluss abgerundet?

Das zweite Korrekturlesen konzentriert sich auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Außerdem sollte die Zeitform überprüft werden: Wurde alles im Präteritum verfasst?

Wie übt man das Schreiben einer Reizwortgeschichte?

Gerade für die ersten Versuche einer Reizwortgeschichte, ist es wichtig, vorher zu üben. Das sorgt dafür, dass man in der eigentlichen Prüfung nicht mehr so nervös ist und dass man leichter Ideen für die Geschichte findet.

Um den Ideenreichtum anzuregen, kann es helfen, aus vorgegebenen Wörtern kurze mündliche Erzählungen zu verfassen. Mit der Zeit wird man immer schneller vollständige Geschichten erfinden können.

Es hilft natürlich auch, selbst viele Bücher zu lesen, das diese die Fantasie anregen und oft auch Anreize für eigene Geschichten bieten.

Wer sich schwer tut mit abwechslungsreichen Begriffen, kann speziell trainieren, Synonyme für Substantive oder Adjektive zu finden oder Umschreibungen für Gedanken und Gefühle zu nutzen. Es hilft immer, eine Liste mit spannenden Adjektiven oder anderen Wortarten parat zu haben.

Ansonsten gilt der Tipp: Schreiben Sie möglichst viele Reizwortgeschichten zu Übungszwecken und befolgen Sie dabei die Schreibtipps und die richtige Reihenfolge. Nutzen Sie die zahlreichen Vorlagen aus dem Internet, um mit verschiedenen Reizwörtern und Vorgaben zurecht zu kommen. Im Internet finden Sie auch bereits fertige Reizwortgeschichten, die der ersten Orientierung dienen können.

Fazit

Eine Reizwortgeschichte zu schreiben ist eigentlich gar nicht so schwer, sofern man sich an die äußeren und inneren Vorgaben hält. Der Aufbau mit Einleitung, Hauptteil und Schluss ist unbedingt zu beachten. Mit ein wenig Übung zur Ideenfindung und zum Nutzen von Synonymen wird diese Erzählgattung recht schnell erarbeitet sein. Da es sich um eine lebhafte und fantasievolle Arbeit handelt, macht das Verfassen solcher Geschichten auch vielen Schülerinnen und Schülern Spaß.