Einkommensteuerpflicht laut Steuergesetz – Erklärung

Wer gilt als Einkommenssteuerpflichtig?

Die Einkommensteuerpflicht gliedert sich in die unbeschränkte und die beschränkte Steuerpflicht.

Unbeschränkte Steuerpflicht

Nach § 1 Abs. 1 EStG sind sämtliche Steuersubjekte. Dabei handelt es sich um jede natürliche Person, die im Inland der Bundesrepublik Deutschland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat, sofern ein Einkommen vorhanden ist.
Der Wohnsitz wird in § 8 AO als Ort definiert, wo eine Person eine Wohnung besitzt und nutzt und es somit als gewöhnlicher Aufenthalt gilt.

Der gewöhnliche Aufenthalt ist nach § 9 AO definiert und beschreibt einen zeitlich zusammenhängenden Aufenthalt von mehr als sechs Monaten Dauer, wobei kurzfristige Unterbrechungen unberücksichtigt bleiben. Folgendes Beispiel verdeutlicht die unbeschränkte Steuerpflicht:

Wohnsitz

Ein 14-jähriges Mädchen mit russischer Staatsbürgerschaft lebt mit ihren Eltern in Essen. Aus einem vom Großvater geerbten Mietshaus erzielt sie Mieteinnahmen in Höhe von 1.200 € monatlich. Da sie ihren Wohnsitz im Inland hat, ist sie unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Gewöhnlicher Aufenthalt

Ein niederländischer Händler, dessen fester Wohnsitz in Amsterdam ist, reist geschäftlich in den Monaten März bis Oktober durch alle deutschen Großstädte. Damit hält er sich mehr als 6 Monate in Deutschland auf, hat seinen gewöhnlichen Aufenthalt somit im Inland und ist folgerichtig in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Abhängig von den Steuersystemen in Russland, respektive den Niederlanden, kann es sein, dass die 14-jährige Russin oder der niederländische Händler auch in ihren Mutterländern Russland und der Niederlande steuerpflichtig sind. Solche Fälle werden üblicherweise in Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und diesen Ländern geregelt.

Welteinkommensprinzip

Die unbeschränkte Steuerpflicht bedeutet, dass das gesamte Einkommen des Steuerpflichtigen (auch das aus dem Ausland stammende, z.B. Mieterträge aus einer vermieteten Wohnung in Spanien – das sog. „Welteinkommen“) der Einkommensteuer unterliegt.

Beschränkte Steuerpflicht

Wenn eine Person weder einen Wohnsitz noch den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland besitzt, ist sie nach § 1 Abs. 4 EStG dennoch beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG hat.

Beispiel für beschränkte Steuerpflicht

Ein Pole lebt und arbeitet in Krakau, besitzt allerdings eine Wohnung in Berlin, die er vermietet. Er ist mit seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gemäß § 1 Abs. 4 i.V.m. § 49 Abs. 1 Nr. 6 EStG in Deutschland beschränkt einkommensteuerpflichtig.
Im Gegensatz zur unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen nur die Vermietungseinkünfte in Deutschland der Einkommensbesteuerung, nicht jedoch sein Gehalt in Polen.
Da beschränkt Steuerpflichtige für den deutschen Fiskus schwer greifbar sind, wird die Einkommensteuer in bestimmten Fällen im Wege des Steuerabzugs nach § 50a Abs. 1 EStG erhoben und pauschal mit 15 % bzw. 30 % der gesamten Einnahmen vorgenommen (§ 50a Abs. 2 EStG).

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here