Einkünfte aus Gewerbebetrieb leicht erklärt + Beispiel

Grundlegende Informationen zu Einkünften aus Gewerbebetrieben

§ 15 EStG definiert Einkünfte aus Gewerbebetrieb als eine der 7 Einkunftsarten. § 15 Abs. 2 EStG nennt die Merkmale, die in Summe erfüllt sein müssen, um eine gewerbliche Tätigkeit zu definieren. Dabei handelt es sich, um eine selbstständige, nachhaltige, nicht nur einmalige wie z.B. der Verkauf eines Gebrauchtwagens, Betätigung, die mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird und eine Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt.

Folgendes Beispiel soll den Sachverhalt erläutern:

Frau Meier vermietet gelegentlich ihren Rasenmäher gegen Geld an ihre Nachbarin Frau Schmidt. Dabei mangelt es an einer Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr.

Das entgeltliche Verleihen des Rasenmähers fällt vielmehr unter die Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG (sonstige Einkünfte), für die es eine (Steuer-)Freigrenze gibt.
Anders wäre der Sachverhalt jedoch, wenn Frau Meier nachhaltig und öffentlich (z.B. Facebookwerbung) den Rasenmäherverleih anbieten würde. Dann würde es sich um eine gewerbliche Tätigkeit handeln.

Da diese Kriterien auch bei einem Landwirt oder Freiberufler (z.B. Steuerberater) erfüllt sein können, wird noch als Bedingung hinzugefügt, dass es weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung einer freiberuflichen oder sonstigen selbständigen Tätigkeit anzusehen ist. Ein Steuerberater ist Freiberufler und erzielt nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG Einkünfte aus selbständiger Arbeit (sofern er nicht eine GmbH betreibt, die nach § 2 Abs. 2 GewStG per Definition eine gewerbliche Tätigkeit ausübt).

Zudem muss die Tätigkeit über eine private Vermögensverwaltung hinausgehen, um als gewerblich eingestuft zu werden.
Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind z.B. die Einkünfte eines Second-Hand Ladens (Einzelunternehmer) oder die Gewinnanteile eines OHG-Gesellschafters einer Schreiner-OHG. Diese Einkünfte unterliegen dann sowohl der Einkommensteuer als auch der Gewerbesteuer.

Private Vermögensverwaltung vs. Gewerblichkeit

Gewerblicher Grundstückshandel

Gewerblicher Grundstückshandel: 3-Objekt-Grenze
Herr Meier verkauft innerhalb von 6 Jahren 6 Immobilien. Dabei stellt sich nun die Frage, ob es sich noch um eine private Vermögensverwaltung oder bereits um eine gewerbliche Tätigkeit in Form eines Immobiliengeschäfts handelt.

Die Rechtsprechung hat zu diesem Zweck die sog. Drei-Objekt-Grenze eingeführt: werden innerhalb von 5 Jahren bis zu 3 Immobilien (unbebaute Grundstücke oder Gebäude) veräußert, wird noch von privater Vermögensverwaltung ausgegangen.
Wird diese Grenze jedoch überschritten, geht die Rechtsprechung von einer gewerblichen Tätigkeit bzw. von einem gewerblichen Grundstückshandel aus.

Wertpapierhandel

Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren wie Aktien wird in den meisten fällen der privaten Vermögensverwaltung zugeordnet. Handelt eine Person wie ein Aktienhändler, z.B. indem er fremdes Geld anlegt oder im Auftrag dritter handelt, kann in solch einem Fall eine Gewerbstätigkeit vorliegen.

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Veräußerung des Betriebs (§ 16 EStG)

Nach § 16 Abs. 1 Nr. 1 EStG gehören auch Gewinne aus der Veräußerung des ganzen Gewerbebetriebs oder eines Teilbetriebs zu den (außerordentlichen) Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Für den Veräußerungsgewinn wird

• nach § 16 Abs. 4 EStG unter bestimmten Umständen (Alter ab 55 oder dauernd berufsunfähig) ein Freibetrag gewährt sowie
• die Tarifbegünstigung für außerordentliche Einkünfte nach § 34 EStG gewährt.
Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften (§ 17 EStG)

Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gehören auch Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft (v.a. Aktien, GmbH-Anteile, Genussscheine, § 17 Abs. 1 Satz 3 EStG) zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb, wenn der Veräußerer innerhalb der letzten 5 Jahre am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt war (ansonsten handelt es sich um Einkünfte aus Kapitalvermögen).

Der Veräußerungsgewinn ist hierbei der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten die Anschaffungskosten übersteigt (§ 17 Abs. 2 Satz 1 EStG). § 17 Abs. 3 EStG sieht für den Veräußerungsgewinn einen Freibetrag vor.
Beispiel: Veräußerungsgewinn berechnen
Herr Meier hat im Jahr 2016 GmbH-Anteile in einer Beteiligungshöhe von 10 % für 20.000 € erworben. Im Jahr 2017 veräußert er seine Beteiligung für 40.000 €. Dabei fallen keine Veräußerungskosten an.

Der Veräußerungsgewinn beträgt somit 20.000 €. § 17 Abs. 3 Satz 1 EStG gewährt im Grundsatz einen Freibetrag in Höhe von 20 % von 9.060 € = 1.812 €. Allerdings ermäßigt sich der Freibetrag nach § 17 Abs. 3 Satz 2 EStG um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn (20.000 €) den Teil von 36.100 € übersteigt, der dem veräußerten Anteil an der Kapitalgesellschaft (20 % von 36.100 € = 7.220 €) entspricht: 20.000 € – 7.220 € = 12.780€. Der Freibetrag wird somit auf 0 € reduziert. Der Veräußerungsgewinn von 10.000 € hingegen unterliegt in voller Höhe der Besteuerung.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert.Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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