Einzelbewertung in ReWe leicht erklärt + Beispiel

Die Einzelbewertung gehört zu den Grundlagen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und ist im § 252 Abs. 1 HGB näher beschrieben.

Alle Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens sind einzeln zu bewerten. Ziel der Einzelbewertung ist es, eine Verrechnung nicht realisierter Gewinne und nicht realisierter Verluste zu verhindern. Denn das Niederstwertprinzip verlangt zwar die Ausweisung drohender Verluste, verbietet aber die Ausweisung nicht realisierter Gewinne. Würde eine vorherige Verrechnung stattfinden, wäre diese Vorschrift ausgehebelt. Durch die Einzelbewertung kann dies nicht geschehen.

Beispiel

Ein Unternehmen kauft zwei verschiedene Wertpapiere zu je 200 Euro. Während ein Wertpapier zum Bilanzstichtag im Wert um 50 Euro gefallen ist, ist das andere Wertpapier um 20 Euro im Wert gestiegen. Der Einzelbewertungsgrundsatz verlangt nun die getrennte Betrachtung der Wertpapiere. Somit wird Wertpapier A nach dem Niederstwertprinzip im 50 Euro abgewertet und mit 150 Euro bilanziert, während Wertpapier B nach dem Anschaffungskostenprinzip weiterhin mit 200 Euro bilanziert wird. Der Gewinn von 20 Euro ist noch nicht realisiert und wird nicht in der Bilanz berücksichtigt.

Ausnahmen von der Einzelbewertung

Verbrauchsfolgeverfahren wie FiFo oder LiFo, Gruppenbewertung mit gewogenem Durchschnitt, Festwertmethode

Durch diese Bewertungsvereinfachungen werden beispielsweise gleichartige Vermögensgegenstände (z. B. Nägel) zusammengefasst.

Die Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden erfolgt nach dem Stichtagsprinzip, das heißt alle Bilanzpositionen sind zu einem festgelegten Abschlussstichtag zu bewerten. Tritt eine wertbeeinflussende Tatsache kurz nach dem Stichtag ein, z. B. ein Erdbeben zerstört in der Silvesternacht eine Produktionshalle, die zum Stichtag 31.12. mit 50.000 Euro bewertet wurde, dann bleibt dieser Wert bestehen und wird erst im Folgejahr als Verlust berücksichtigt.

Im Gegensatz dazu führt eine wertaufhellende Tatsache, beispielsweise die Anmeldung der Insolvenz eines Kunden am 02.01. dazu, dass die Forderungen rückwirkend zum 31.12. per Einzelwertberichtigung abgeschrieben werden.

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