Einzelunternehmen in BWL leicht erklärt + Beispiel

Das Einzelunternehmen kommt in Deutschland am häufigsten vor. In einem Einzelunternehmen hat eine Person das Handelsgewerbe im alleinigen Besitz. Der Inhaber führt und vertritt das Unternehmen nach innen und außen und haftet alleine mit seinem Privat- und Geschäftsvermögen. Er kann Mitarbeiter einstellen und Prokura und Handlungsvollmachten erteilen. Eine Eintragung ins Handelsregister ist nicht erforderlich, jedoch kann der Inhaber sich als Kaufmann in das Handelsregister eintragen lassen und somit den Zusatz e. K. = eingetragener Kaufmann führen.

Kapital:

Das Kapital wird ausschließlich vom Inhaber aufgebracht. Es gibt kein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital zur Gründung eines Einzelunternehmens.

Haftung:

Der Einzelunternehmer trägt allein das gesamte Geschäftsrisiko und haftet unbeschränkt und persönlich, das heißt er allein haftet mit seinem Privat- und Geschäftsvermögen.

Geschäftsführung und Vertretung:

Als Einzelunternehmer obliegt dem Inhaber die alleinige Entscheidungsgewalt und Geschäftsführungsbefugnis. Er vertritt das Unternehmen nach außen und ist für alle Verpflichtungen zuständig. Der Einzelunternehmer darf seinen Mitarbeitern Prokura oder Handlungsvollmacht erteilen.

Gewinnverteilung:

Als alleiniger Inhaber, hat der Einzelunternehmer alleine Anspruch auf den Gewinn. Allerdings muss er auch alleine eventuelle Verluste tragen.

Gründung:

Das Einzelunternehmen entsteht durch Gewerbeanmeldung. Gründungsaufwand und Gründungskosten sind daher gering. Eine Eintragung ins Handelsregister ist nicht erforderlich.

Steuern:

Der Einzelunternehmer zahlt auf den Gewinn des Unternehmens Einkommenssteuer (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, § 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG) und ab einem gewissen Ertrag (Stand 06.17 24.500 Euro) auch Gewerbesteuer (wobei die geleistete Gewerbesteuer teilweise angerechnet werden kann, vgl. § 35 EStG).

Kaufmannseigenschaft: Wer ist Kaufmann?

Es werden folgende Kaufmannsarten unterschieden:

Kaufmann kraft Betätigung = Istkaufmann

Wer ein Handelsgewerbe betreibt ist gemäß § 1 Abs. 1 HGB Kaufmann. Dieser sogenannte Istkaufmann hat kein Wahlrecht, ob er Kaufmann sein möchte, sondern ist es in jedem Fall, in dem Moment, wo er ein Handelsgewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anmeldet.

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Als Handelsgewerbe wird jedes angemeldete Gewerbe verstanden, das einen kaufmännischen Geschäftsbetrieb erfordert.

Ist kein kaufmännischer Geschäftsbetrieb erforderlich und die Umsätze und Erträge liegen unter bestimmten Schwellenwerten handelt es sich um ein Kleingewerbe. Der Unternehmer ist entsprechend Kleingewerbetreibender.

Kaufmann kraft Eintragung = Kannkaufmann

Diese Kaufmannseigenschaft entsteht durch Eintragung ins Handelsregister. § 2 Abs. 1 HGB sieht diese Möglichkeit vor. Ins Handelsregister eingetragene Kaufleute unterliegen den Rechten und Pflichten des HGB, z. B. entfällt die Möglichkeit der einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung, dafür gilt nun die Bilanzierungspflicht.

Spezialfall Land- und Forstwirtschaft

Sofern der land- und forstwirtschaftliche Betrieb eine kaufmännische Organisation benötigt, können die Land- und Forstwirte durch Eintragung ins Handelsregister Kannkaufmann werden. Istkaufmann werden sie nie.

Firma / Unternehmensname eines Einzelkaufmanns

Die Firma ist sozusagen ein anderes Wort für den Namen des Unternehmens. Je nach Kaufmannseigenschaft ergeben sich laut HGB unterschiedliche Voraussetzungen für die

Firmierung (=Namensgebung)

Die Firma eines Einzelunternehmens trägt auf jeden Fall den Namen des Kaufmanns, Zusätze wie eingetragener Kaufmann (e. K.) sind zulässig, sofern eine Handelsregistereintragung stattgefunden hat.

Beispiel: Firma eines Einzelkaufmanns

Dieter Müller Catering eingetragener Kaufmann
Karl Koller e. K.

Buchführungspflicht

Der Kaufmann unterliegt der Buchführungspflicht gemäß § 238 HGB Abs. 1. Es muss einen Jahresabschluss aufstellen, der aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung besteht. Ausnahmen bieten die Schwellenwerte, denn wenn Unternehmen unter 600.000 Euro Umsatzerlöse (Stand 06.2017) und unter 60.0000 Euro Jahresüberschuss (Stand 06.2017) liegen, entfällt die Buchführungspflicht. Dann reicht eine Einnahme- Überschussrechnung.

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