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Exilliteratur – Merkmale, Werke, Autoren

  • by Anatoli Bauer
Exilliteratur

Die Exilliteratur umfasst in erster Linie all jene literarischen Werke von Schriftstellern und Autoren, die aus religiösen, ideellen wie politischen Gründen gezwungen waren, wurden und  worden sind, ihr Heimatland zu verlassen. Doch bei dieser Definition gilt es eine kleinere Einschränkung zu machen. Denn Menschen, die aufgrund ihrer politischen, religiösen und gesellschaftskritischen Einstellung aus ihrer Heimat fliehen müssen, gab es seit Menschengedenken und gibt es auch aktuell noch heute in zahlreicher Form. Einer der wohl aktuell bekanntesten Exil-Flüchtlinge ist der Dhalai Lama.

Spricht man aber explizit von Exilliteratur, dann bezieht man sich auf die literarische Epoche, die über den Zeitraum des zweiten Weltkrieges von 1933 bis 1945 als eben jene definiert wurde. Dies mag vor allem daran liegen, dass besonders in dieser Kriegsepoche mehr Schriftsteller und Künstler besonders vor dem NS-Regime fliehen mussten, als zu anderen Zeiten. Auch wenn das Verfolgen und Zensieren von heute bekannten und geschätzten Autoren in der Geschichte der Menschheit leider zur Realität gehörte. Ovid, Hipponax und Dante Aligheri sind u.a. Exilautoren. Auch im 16. Jahrhundert zu Zeiten des Barock und der Religionskriege flohen viele protestantische Dichter aus ihren meist katholischen Heimatländern. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Exilliteratur zunehmen politisiert und Schriftsteller wie Heinrich Heine, Victor Hugo und auch Georg Büchner flohen aus ihrer Heimat aufgrund ihrer politischen und gesellschaftskritischen Schriften. In Deutschland aber gilt die Zeit des Zweiten Weltkriegs als die Epoche der deutschen Exilliteratur und auf dieser soll der nun folgende Beitrag auch seinen Schwerpunkt legen.

Einordnung der Epoche ins historisch zeitliche Geschehen

In der Epoche der deutschen Exilliteratur dominieren politische wie religiöse Motive als Flucht aus dem Heimatland und der Angst vor Verfolgung und Tötung. Schon bereits vor der offiziellen Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland existierten Schwarze Listen, die jene Autoren und Werke als verboten zu lesen einstuften, die antideutsche und nicht-arische Inhalte publizierten. Es wurde extrem ausgemustert. Die Meinungsfreiheit wurde auf ein drastisches Minimum eingeschränkt. Alles was nicht in die nationalsozialistische Ideologie passte, wurde verboten. Autoren, die zuwider der propagierten Ideologie schrieben, wurden versucht durch diskriminierende Propaganda und Hetzte mundtot zu machen. Diese ganze Dramatik verschärfte sich mit der Machtübernahme Hitlers 1933 noch um ein Vielfaches. Werke, die als nicht-arisch eingestuft wurden, wurden schlicht und einfach verbrannt.

Autoren, deren Werke verbrannt wurden flohen zunächst ins benachbarte Ausland: Österreich, Frankreich und die Niederlande waren die häufigsten Anlaufstellen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges allerdings mussten diese bereits vertriebenen Autoren erneut die Flucht ergreifen. Russland, die USA und auch Südamerika waren nun die Ziele jener vertriebenen Menschen. Doch es gab auch Autoren, die sich in eine innere Emigration zurückzogen und im Heimatland blieben. So u.a. Erich Kästner, Gottfried Benn und Frank Thiess.

Thematische Schwerpunkte und Merkmale der Epoche

Die Themen, mit denen sich die Schriftsteller der damaligen Zeit verstärkt auseinandersetzen waren (a) die Sehnsucht nach ihrer Heimat, (b) der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und (c) der Versuch der Aufklärung über den in Deutschland herrschen Nationalsozialismus.

Versucht man bestimmte Merkmale im Bereich formaler Gestaltung herauszuarbeiten, so ist das für die Exilliteratur gar nicht so einfach. Denn ihr Kennzeichen ist es vielmehr, dass es sich eben nicht an eine spezifische formale Struktur und Form hält. Es waren die Themen, Sorgen, Probleme und politischen wie gesellschaftlichen Schieflagen, die die Autoren berührten und interessierten. Sie wollten sich mitteilen und durch ihre geografische Getrenntheit fand auch wenig Austausch untereinander statt. Bemerkenswert ist jedoch, dass viele der Autoren dem zuvor bestehenden Stil, der “Neuen Sachlichkeit” treu blieben und versuchten in möglichst realistischer und objektiver Weise die Wirklichkeit dem Leser nahezubringen.

Bevorzugt wurde Literatur in Prosaform, explizit der Roman. Hier knüpften die Autoren an den Bedürfnissen ihrer Leserschaft an, denn diese mochten am liebsten Romane lesen. Hier lassen sich unterschiedliche Arten heraus definieren: (a) der klassische Exilroman, wie z.B. Anna Seghers “Transit”, (b) der Zeitroman, (c) der historische Roman, wie z.B. “Der falsche Nero” von Lion Feuchtwanger und (d) utopische Romane, wie Hermann Hesses “Das Glasperlenspiel”.

Gedichte aus der Zeit der Exilliteratur wurden tatsächlich verstärkt erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges veröffentlich. Hier sind vor allem Namen wie Berthold Brecht und Else Laska-Schüler als bekannte Dichter zu erwähnen. Vermutlich aber auch nur deswegen, weil sie bereits vor 1933 einen gewissen Grad an Bekanntheit hatten.

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