Gläubiger in VWL leicht erklärt + Beispiel

Bei einem Schuldverhältnis gibt es immer zwei Parteien, den Schuldner und den Gläubiger. Der Gläubiger fordert eine spezielle Leistung vom Schuldner. Diese Leistung kann unterschiedlicher Natur sein:

  • Finanzielle Leistung
  • Warenlieferung
  • Dienstleistung

Das Recht definiert den Gläubiger im BGB, dem Bürgerlichen Gesetzbuch, in § 241. Betrachtet man das wirtschaftliche Leben, scheint es nur aus einem ständigen Wechsel zwischen Gläubiger und Schuldner zu bestehen. Hier können sowohl natürlichen als auch juristische Personen jeweils die eine oder andere Partei sein.

Schuldverhältnisse

Es gibt eine Unmenge an Schuldverhältnissen. Diese bestehen aus Forderungen, die ein Gläubiger gegenüber einem Schuldner hat. Schuldverhältnisse gibt es in vielen verschiedenen Formen:

  • Kredit: Forderung einer Bank gegenüber Kreditnehmer zur Begleichung der Raten zu vereinbartem Zeitpunkt
  • Kaufvertrag: Gläubiger hat gegenüber Käufer Recht auf Zahlung der vereinbarten Summe zu festem Termin
  • Kaufvertrag: Käufer hat gegenüber Verkäufer Anspruch auf Übergabe der Ware in vereinbartem Zustand

Geltendmachung von Ansprüchen

Wenn der Schuldner im Rahmen eines Schuldverhältnisses seinen Pflichten nicht nachkommt, kann der Gläubiger seine berechtigten Ansprüche rechtlich geltend machen.

Handelt es sich bei der Schuld um eine Geldforderung geht der Gläubiger folgendermaßen vor:

Außergerichtliches Mahnverfahren:

  • Eröffnung des außergerichtlichen Mahnverfahrens
  • Setzen von Fristen zur Zahlung
  • In der Regel fallen Mahngebühren an
  • Viele Unternehmen beauftragen Rechtsanwälte oder Inkassobüros, dadurch fallen für den Schuldner zusätzliche Kosten an

Gerichtliches Mahnverfahren:

  • Gläubiger oder beauftragter Vertreter beantragt Mahnbescheid
  • Schuldner kann innerhalb von Frist widersprechen
  • Erfolgt kein Widerspruch und keine Zahlung, kann das Gericht einen Vollstreckungsbescheid ausstellen

Handelt es sich bei der ausbleibenden Schuld um andere Leistungen, zum Beispiel Waren oder Dienstleistungen, gibt es verschiedene Möglichkeiten für den Gläubiger.

Eine Leistungsstörung liegt vor, wenn eine Leistung geschuldet wird:

  • Frist zur Erfüllung wird gesetzt
  • Nach Verstreichen der Frist kann geklagt werden
  • Abhängig von Leistung kann ein Rücktritt vom Vertrag oder eine Schadensersatzforderung erfolgen

Minimierung des Risikos

Wer eine Ware oder eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch nimmt, versucht Verträge nur mit Anbietern zu schließen, die vertrauenswürdig scheinen und minimieren so das Risiko von nicht erfüllten Forderungen.

Beispiele:

  • Gütesiegel, Rezensionen und Bewertungen bei Online-Händlern
  • Zahlung per Paypal, Vorkasse und Sofortüberweisung

Bei lang andauernden Verträgen, in denen Forderungen regelmäßig erfüllt werden müssen, ist die Minimierung des Risikos eines Forderungsausfalls schwieriger. Beispiele für solche Verträge sind Mietverträge, Mobilfunkverträge oder Kredite. Die Vertragsanbieter prüfen in diesen Fällen daher meist vor Vertragsabschluss die Bonität des potentiellen Vertragspartners. Neben der Schufa-Auskunft werden oft Gehaltsnachweise und Vormieterbescheinigungen verlangt.

Forderungsverzicht

In Insolvenzverfahren kommt es oft vor, dass Gläubiger am Ende nur einen Teil des ihnen zustehenden Anspruchs vom überschuldeten Schuldner erfüllt bekommen. Dies gilt für die private Insolvenzverfahren genauso wie für die Insolvenzverfahren von Unternehmen.

Um überhaupt einen Teil der Forderung im Rahmen des Insolvenzverfahrens zu erhalten, verzichten viele Gläubiger aus freien Stücken auf einen Teil der Forderung. Entscheiden die meisten Gläubiger bzw. das Gericht im Insolvenzverfahren zu Gunsten des Schuldners entsprechend, kann ein Gläubiger auch zu einem Verzicht verpflichtet werden.

Zusammenfassung

Der Gläubiger kann eine spezielle Leistung vom Schuldner fordern, diese besteht aus einer Geld-, Sach-, oder Dienstleistung. Die Geltendmachung der Forderung kann durch ein gerichtliches und außergerichtliches Mahnverfahren geschehen. Für den Gläubiger ist es wichtig, dass Risiko der Forderungsausfall bereits vor Vertragsabschluss zu minimieren. Im Falle einer Insolvenz des Schuldners muss häufig auf einen Teil der Forderung verzichtet werden.

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