Gläubigerversammlung in VWL leicht erklärt + Beispiel

Gerät ein Unternehmen in die Situation Insolvenz anmelden zu müssen, so entscheiden die Beteiligten der Gläubigerversammlung über die Details der Abwicklung des Unternehmens. Diese Gläubigerversammlung setzt sich aus allen Gläubigern zusammen, denen gegenüber der Konzern noch offene Forderungen hat.

Als Entscheidungsgremium vertritt die Gläubigerversammlung die Rechte aller Gläubiger gegenüber dem Konzern, dem Verwalter des insolventen Unternehmens und dem Gericht im Insolvenzverfahren. Jeder Gläubiger hat das Recht an der Gläubigerversammlung teilzuhaben. Das Insolvenzgericht benachrichtigt die Gläubiger entsprechend zu Beginn des Verfahrens.

Ladung zur Gläubigerversammlung und Inhalte

Die Gläubigerversammlung wird möglichst zügig nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens durchgeführt. Bei einer ersten Versammlung wird vom Insolvenzverwalter detailliert Bericht über die Wirtschaftssituation des insolventen Unternehmens erstattet. Diese erste Gläubigerversammlung soll den Gläubigern, dank zahlreicher Informationen, die Grundlage für eine Entscheidung zur Abwicklung verschaffen.

Ist der Bericht des Insolvenzverwalters beendet, findet eine formale Entscheidung über das Insolvenzverfahren statt. Nach dieser Entscheidungsfindung wird über die Zukunft des Konzerns beratschlagt.

Entscheidungen der Gläubigerversammlung

Ein Insolvenzverfahren muss nicht sofort das Ende des betroffenen Konzerns bedeuten. Entscheidet die Gläubigerversammlung in Form eines mehrheitsfähigen Beschlusses für die Weiterführung des Unternehmens, kann sich der Betrieb vielleicht wieder erholen. Als Grundlage für eine solche Entscheidungsfindung ist eine genaue Berichterstattung durch den Insolvenzverwalter. Dem zugrunde liegen meist strenge Streichungen und Auslagerungen von Teilen des Produktionsbetriebes.

Die Gläubigerversammlung kann auch einen neuen Insolvenzverwalter bestellen und den vom Insolvenzgericht beauftragten Verwalter überstimmen.

Die Gläubigerversammlung hat außerdem Entscheidungsgewalt in folgenden Angelegenheiten:

  • Beauftragung des Insolvenzverwalters zur Erstellung eines Insolvenzplans
  • Bestellung eines Gläubigerausschusses, der sich mit Abwicklungsfragen beschäftigt, Vorschläge unterbreitet und Entscheidungen treffen kann
  • Wahl der Mitglieder für einen Gläubigerausschuss
  • Zustimmungen zu speziellen Handlungen des Insolvenzverwalters, z. Bsp. Unternehmensverkauf

Teilnehmer der Gläubigerversammlung

Im Gegenteil zur gerichtlichen Verhandlung des Insolvenzverfahrens, findet die Versammlung der Gläubiger unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zur Teilnahme sind daher nur direkt beteiligte Personen berechtigt. Allerdings kann eine Vertretung von Beteiligten über eine spezielle schriftliche Vollmacht erfolgen.

Folgende Beteiligte gibt es im Insolvenzverfahren eines Unternehmens:

  • Vorrangige Gläubiger
  • Nachrangige Gläubiger
  • Absonderungsberechtigte Gläubiger
  • Insolvenzverwalter
  • Mitarbeiter des Insolvenzverwalters
  • Rechtspfleger und Gerichtspersonal
  • Sonstige vom Gericht zugelassene Teilnehmer

Zusammenfassung

Alle Gläubiger eines insolventen Unternehmens können sich zur Gläubigerversammlung zusammenschließen. Diese Versammlung stimmt ab über die Fortführung des Unternehmens oder den Verkauf. Jeder Gläubiger kann an der Versammlung teilnehmen, es ist auch möglich, sich vertreten zu lassen.

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