GOB – Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung leicht erklärt

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung stellen Regeln für die Buchführung und Bilanzierung in Unternehmen dar. Obwohl sie in verschiedenen handels- und steuerrechtlichen Zusammenhängen genannt werden, sind sie in keinem Gesetz exakt definiert.

Zu den allgemeinen Anforderungen gehört, dass sich ein sachverständiger Dritter in einem angemessenen Zeitraum einen Überblick über die Vermögenslage und die Geschäftsvorfälle des Unternehmens verschaffen kann.

Es gelten gewisse Rahmengrundsätze:

Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit

(§ 239 Abs. 2 HGB)
Der Jahresabschluss ist nach gültigen Regeln zu erstellen, wobei die Ansätze und Werte nachvollziehbar sein müssen und aus den ordnungsgemäßen Belegen abzuleiten sind. Die Positionen müssen den Tatsachen entsprechen. Sind Positionen zu schätzen, muss die Schätzung willkürfrei erfolgen.

Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit

(§ 238 Abs. 1 HGB, § 243 Abs. 2 HGB)
Buchführung und Jahresabschluss müssen klar und übersichtlich sein. Dieser Grundsatz wird als erfüllt betrachtet, wenn die Unterlagen für einen sachverständigen Dritten verständlich sind. Wichtige Anhaltspunkte für die Gliederung der Bilanz liefert der § 266 HGB und für die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) der § 275 HGB.

Grundsatz der Einzelbewertung

(§ 252 Abs. 1 HGB)
Alle Vermögensgegenstände und Schulden sind unabhängig voneinander zu bewerten. Eine Verrechnung von Wertsteigerungen und Wertminderungen soll durch die Einzelbewertung ausgeschlossen werden. Es entsteht allerdings vereinzelt das Problem, entscheiden zu müssen, was als eigenständiger Vermögensgegenstand gilt.

Ausnahmen

Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, wenn sie regelmäßig ersetzt werden und ihr Gesamtwert für das Unternehmen von nachrangiger Bedeutung ist, dürfen mit einer gleichbleibenden Menge und einem gleichbleibenden Wert angesetzt werden. (§ 240 Abs. 3 HGB)
Gleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens sowie andere gleichartige Vermögensgegenstände und Schulden dürfen jeweils zu einer Gruppe zusammengefasst und mit dem gewogenen Durchschnittswert angesetzt werden. (§ 240 Abs. 4 HGB)
Beim Wertansatz gleichartiger Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens darf unterstellt werden, dass die zuerst angeschafften oder hergestellten Vermögensgegenstände zuerst oder in einer sonstigen bestimmten Folge verbraucht oder veräußert worden sind. (LiFo-, FiFo-Prinzip) (§256 HGB)

Grundsatz der Vollständigkeit

(§ 239 Abs 2 HGB, § 246 Abs. 1 HGB)
Ohne Ausnahme alle buchungspflichtigen Geschäftsvorfälle sind im Jahresabschluss zu erfassen. Zusätzlich müssen in der Buchhaltung und im Jahresabschluss auch solche Veränderungen erfasst werden, die nicht als Geschäftsvorfall erkennbar sind, wie z. B. Schwund und Verderb. Für derartige Fälle sind Ersatzbelege zu erstellen. Risiken, die bis zum Bilanzstichtag noch nicht in der Buchführung berücksichtigt wurden, sind zu erfassen und Rückstellungen sind zu bilden.

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Grundsatz der Wertaufhellung

(§252 Abs. 1 HGB)
Der Grundsatz der Wertaufhellung besagt, dass Informationen über die der Kaufmann erst nach dem Bilanzstichtag Kenntnis erwirbt, trotzdem den Jahresabschluss betreffen. Dabei ist Wertaufhellung von Wertbegründung zu unterscheiden.
Wertaufhellung liegt vor, wenn ein Sachverhalt vor dem Bilanzstichtag eingetreten ist, aber erst nach dem Bilanzstichtag bekannt wird. Sofern die Bilanzerstellung noch nicht erfolgt ist, muss der Wert in die Bilanz des alten Jahres einfließen.
Wertbegründung liegt vor, wenn Informationen über Sachverhalte eingehen, die erst nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind. Diese dürfen nicht in der Bilanz berücksichtigt werden.

Neben den Rahmengrundsätzen gelten vereinzelt im Gesetz genannte Grundsätze, beispielsweise
– Änderungen müssen erkennbar sein (§ 239 HGB).
– Es muss eine lebende Sprache verwendet werden (§ 239 HGB).
– Der Jahresabschluss ist in deutscher Sprache und in Euro aufzustellen (§ 244 HGB).
– Die vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen sind einzuhalten (§ 239 HGB).
– Alle erforderlichen Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden (§ 239 HGB) (chronologische und zeitnahe Verbuchung).
– Keine Buchung ohne Beleg! Jedem Geschäftsvorfall muss ein Beleg zugrunde liegen. Für Geschäftsvorfälle, für die keine Fremdbelege vorliegen, sind Eigenbelege zu erstellen.
– Die Belege müssen sachlich und rechnerisch richtig sein.

Zu den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung gehören auch die Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung
– Grundsatz der Bilanzwahrheit
– Grundsatz der Bilanzklarheit
– Grundsatz der Bilanzübersichtlichkeit
– Grundsatz der Bilanzkontinuität
– Prinzip der Vorsicht und des Gläubigerschutzes
Grundsatz der Vorsicht (Aus einer Bandbreite von Wertansätzen ist auf der Aktivseite grundsätzlich der niedrigere und auf der Passivseite grundsätzlich der höhere Wert anzusetzen. Nicht realisierte Gewinne werden nicht ausgewiesen. Nicht realisierte Verluste sind auszuweisen.)
– Abgrenzungsgrundsätze (periodengerechte Erfolgsermittlung)

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