Halbschatten von Uwe Timm – Inhaltsangabe / Zusammenfassung

In dem 2008 erschienenen Roman „Halbschatten“ von Uwe Timm greift der Autor die preußische Geschichte bis hin zur deutschen Wiedervereinigung auf und begibt sich dabei nicht nur an europäische, sondern auch an nordafrikanische und asiatische Handlungsschauplätze.

Innerhalb einer Rahmenhandlung besucht der Ich-Erzähler eines 40-jährigen Schriftstellers in den 1990er Jahren den Berliner Invalidenfriedhof und vernimmt dort von einem Stadtführer die Schicksale der hier Begrabenen. Darunter sticht vor allem die deutsche Sportfliegerin Marga von Etzdorf heraus, welche im Alter von 25 Jahren im syrischen Aleppo Selbstmord begeht.

Die Lebensgeschichten der anderen Verstorbenen, unter ihnen Scharnhorst, ein Gefallener der Befreiungskriege, Heydrich, ein NS-Verbrecher, und namenlose Opfer des Zweiten Weltkrieges, dienen Timm dabei nicht nur dazu, einen zeitlichen Bogen vom Preußenkönig Friedrich II. bis hin zur deutschen Wiedervereinigung zu spannen. Aus der Zusammensetzung all jener Geschichten lässt sich zudem auch die Figur der Marga besser verstehen und Erklärungsansätze für ihren Selbstmord ableiten.

Die Collage als literarische Erzählmethode in „Halbschatten“

Timm bedient sich in seinem Werk „Halbschatten“ der Collage als literarische Erzählmethode. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Margas Lebensgeschichte nicht durchgängig erzählt, sondern immer wieder von den Schicksalen der anderen Verstorbenen unterbrochen wird. Auch für jene Figuren gilt wiederum das gleiche Prinzip, nämlich dass auch sie ihre Geschichte nur bruchstückhaft erzählen können. Der Leser ist somit dazu angehalten, die einzelnen Lebensschicksale zusammen zu kleben, um ein vollständiges Bild zu erhalten – wie dies das Wort „Collage“ abgeleitet vom französischen Verb „coller“, zu deutsch: „kleben“ bereits verheißt. Doch Timm bedient sich dabei nicht nur der einzelnen Lebensschicksale, sondern fügt zusätzlich dokumentarische Materialien in seine Romanhandlung ein.

Die historische Figur der Marga von Etzdorf

Die Figur der Marga von Etzdorf, die um 1930 als Sportfliegerin mit Langstreckenflügen Aufsehen erregte, ist historisch belegt. Vor allem der Titel „Kiek in die Welt“, der 1933 posthum veröffentlicht wurde, diente Timm dabei wohl als Recherche ihrer Flüge. Dabei fokussiert sich Timm in „Halbschatten“ insbesondere auf Margas Flug von Europa nach Japan im Jahre 1931.

Die erzählerische Handlung um die Figur der Marga von Etzdorf

In Japan lernt Marga den Schauspieler Anton Miller sowie den Diplomaten und Ex-Kampfflieger Christian von Dahlem kennen. Während erster erfolglos um Margas Aufmerksamkeit buhlt, gelingt es Dahlem Marga in das Haus eines japanischen Freundes einzuladen. Hier übernachten sie durch einen Vorhang getrennt im selben Zimmer mit ihm. Im Halbschatten unterhalten sie sich über ihre Lebens- und vor allem Flugerfahrungen. Während Dahlems Flugbegeisterung dabei vor allem auf dem technischen Fortschritt beruht, vertritt Marga eher eine romantische Verklärtheit zum Fliegen, die Dahlem in seinen Bann zieht. Trotz dieser Bewunderung bewegen sich Dahlems Gefühle für Marga auf einer freundschaftlichen Ebene, während sie ihn begehrt.

Bis zu ihrer Abreise verbringt Marga nicht nur ihre Zeit mit Dahlem, sondern auch mit Miller, mit dem sie schließlich eine enge Freundschaft verbindet. Als es zur Verabschiedung kommt, überreicht Miller Marga ein Zigarettenetui. Da es im Ersten Weltkrieg ein Geschoss aufgehalten hat, verdankt Miller diesem Etui sein Leben.

Nach ihrer Rückkehr in Berlin plant Marga den nächsten Flug nach Australien, wofür ihr jedoch das Geld fehlt. Als Dahlem ein Jahr später überraschend vor ihrer Tür steht, schlägt er ihr zur Lösung ihrer finanziellen Probleme, den Einstieg in den Waffenschmuggel vor. Hauptmann Heymann wird dabei zu einer Schlüsselfigur, der sich Margas Flüge gleichsam für NS-Propagandazwecke und Spionageakte zu Nutze machen will. Mit Hilfe einer Kamera soll Marga während ihrer Flüge englische und französische Militäranlagen fotografieren.

Marga bricht am 28. Mai 1933 zu ihrem Flug nach Australien auf. In Aleppo schießt sie bei der Landung dabei zu weit über die Piste hinaus und zieht sich daraufhin im syrischen Flughafengebäude zurück. Von hieraus schickt sie Miller sein Zigarettenetui zurück und begeht anschließend mit zwei Kopfschüssen Selbstmord.

Miller wird hingegen aufgrund eines Hitler-Witzes in den letzten Kriegstagen erhängt. Dahlem erteilt nach dem Krieg in Berlin zunächst Japanischunterricht und wandert dann später nach Chile aus, wo sich seine Spur verliert.

Möglicher Interpretationsansatz

Mit den Protagonisten Marga von Etzdorf und Christian von Dahlem erschafft Timm einen Zwiespalt zwischen Liebe und Verrat auf der einen Seite und Leidenschaft und Rationalismus auf der anderen Seite.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here