Handlungsvollmacht in BWL leicht erklärt + Beispiel

Die Handlungsvollmacht einer Person gibt Auskunft darüber, wozu diese Person im Geschäftsleben ermächtigt wird. Das HGB unterscheidet im § 54 unterschiedliche Arten von Handlungsvollmachten:
– allgmeine Handlungsvollmacht, die zum Betrieb eines Handelsgewerbes ermächtigt
– Artvollmacht, die zur Vornahme einer bestimmten zu einem Handelsgewerbe gehörenden Art von Aufgaben bevollmächtigt
– Einzelvollmacht, die zur Vornahme einzelner zu einem Handelsgewerbe gehöriger Geschäfte ermächtigt.

Im § 54 Abs. 2 HGB wird die Handlungsvollmacht beschränkt. Diese Beschränkung besagt, dass ein Handlungsbevollmächtigter
– die Veräußerung oder Belastung von Grundstücken
– die Eingehung von Wechselverbindlichkeiten
– die Aufnahme von Darlehen
– die Prozessführung
nur vornehmen darf, wenn ihm eine besondere Befugnis dafür erteilt wurde.

Der Umfang der erteilten Handlungsvollmacht kann vom Kaufmann selbst bestimmt werden, im Gegensatz zur Prokura, deren Umfang gesetzlich geregelt ist.

Beispiel

Ein Bankangestellter erhält eine Artvollmacht, die ihn dazu bemächtigt über Kredite bis zu einer Höhe von 30.000 Euro selbst zu entscheiden. Höhere Kredite müssen dem Filialleiter zur Entscheidung vorgelegt werden.
Die Artvollmacht gibt in diesem Falle Auskunft über die Art der Aufgabe, nämlich Kredite bewilligen und die Höhe der Entscheidungsfreiheit, hier 30.000 Euro.

Arten der Handlungsvollmacht

Es werden verschieden Handlungsvollmachten unterschieden:

Artvollmacht

(§ 54 Abs. 1 HGB) bevollmächtigt für eine bestimmte Art von Geschäften.

Beispiele

In einem Unternehmen ist der Personalleiter dazu befugt Einstellungen vorzunehmen, der Vertriebsmitarbeiter darf Verhandlungen mit Kunden führen und Verkäufe tätigen.

Ladenvollmacht

(§ 56 HGB) bevollmächtigt zu den in einem Laden oder Warenlager gewöhnlichen Geschäften

Beispiel

Die Verkäuferin in der Boutique Z darf Kunden Beraten, Kleidung verkaufen, die Kasse bedienen, die Bezahlung der Waren annehmen etc.

Einzelvollmacht

(Spezialvollmacht, Sondervollmacht)
Eine Einzelvollmacht wird für eine einmalige Aufgabe gewährt.

Beispiel

Der Kaufmann bevollmächtigt seinen Auszubildenden einmalig die Zahlung des Kunden anzunehmen und die Kasse zu bedienen.

Zeichnung der Handlungsbevollmächtigten

In Geschäftsbriefen ist die jeweilige Handlungsvollmacht am Zusatz zur Unterschrift (§ 57 HGB) zu erkennen.

i. V. = in Vollmacht (in Vertretung)
i. A. = im Auftrag

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Autor(in) des Artikels:

mm

Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert.

Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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