Homosexuell & Homophil – was ist der Unterschied?

Homosexuell & Homophil - was ist der Unterschied

Homosexuell und homophil werden oft als Synonym verwendet. Tatsächlich sind sie sich sehr ähnlich. Es gibt jedoch auch Unterschiede. Beides wird im folgenden Text verständlich dargestellt.

Wenn ein Mann schwul ist, dann liebt er Männer. So weit, so gut. Das versteht jeder, und die meisten Menschen akzeptieren auch, dass ein solcher Mann weder geheilt werden muss noch kann. Das Verständnis dafür ist heutzutage höher als noch zu früheren Zeiten, da §175 homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte.

Bereits 1987 entkriminalisierte das Oberste Gericht der DDR homosexuelle Handlungen, indem es sie mit heterosexuellen Handlungen als Variante des Sexualverhaltens auf eine Stufe stellte. Seit 1994 gilt das für das gesamte deutsche Bundesgebiet. Homosexuelle Menschen müssen sich nun nicht mehr verstecken, sondern treten offen für ihre Rechte ein. Was wiederum andere Menschen irritiert, die mit den vielfältigen, nun sichtbaren Lebensentwürfen überfordert sind.

Was bedeuten die Begriffe homosexuell und homophil?

Das Wort homosexuell ist eine zweigliedrige Wortneubildung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die jedoch bis heute mehrdeutig ist und damit zuweilen falsch verstanden und verwendet wird. Das größte Missverständnis rührt daher, dass das Wort eine Zusammensetzung aus dem griechischen „homós“ = gleich und dem lateinischen „sexus“ = Geschlecht darstellt. Da der Bestandteil „homo“ auch auf das lateinische „homine“ für Mann hindeuten kann, wäre eine Wortschöpfung, die vollständig aus dem Lateinischen stammt, logischer.

Das führt heutzutage oft dazu, den Begriff homosexuell nur auf Männer zu beziehen und ihn gleichzeitig auf die sexuelle Anziehung zu beschränken, weil Sex im Deutschen, anders als in englischsprachigen Ländern, nicht Geschlecht bedeutet. Der zweite Namensbestandteil von homophil stammt daher auch aus dem Griechischen. „Philía“ bedeutet Liebe oder Zuneigung und beschränkt den Begriff damit nicht auf den Paarungsakt.

Wie werden die Begriffe homosexuell und homophil heute verwendet?

Homosexuell und homophil bedeuten also das Gleiche, nämlich die Zuneigung zum gleichen Geschlecht, egal ob weiblich, männlich oder divers. Da homosexuell jedoch ein mehrdeutiger Begriff ist, wird er heutzutage in einer sehr engen Begrifflichkeit aufgefasst. Zuweilen gilt schwul als Synonym für homosexuell, bezieht sich jedoch nur auf Männer. Dagegen steht lesbisch für sich liebende Frauen, ohne jedoch automatisch als Synonym für homosexuell zu gelten.

Was mit dem Begriff homosexuell zudem einhergeht, ist das Vorurteil, homosexuelle Männer seinen primär an Sex interessiert. Das liegt erneut an der Vieldeutigkeit des deutschen Begriffs. Hier könnte der Begriff homophil das Verständnis und die Akzeptanz bei heterosexuellen Menschen vergrößern, weil er den Fokus auf Zuneigung und Liebe legt, während die Lust zwar mitgedacht wird, jedoch nicht als Triebfeder erscheint.

Homophil und homophob – wie passt das zusammen?

Der Begriff homophob ist das Gegenteil von homophil. Der zweite Begriffsbestandteil „phobía“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Angst oder Furcht. Tatsächlich scheint es genau dieses Gefühl zu sein, dass homophobe Menschen gegenüber homosexuellen Menschen verspüren. Offen zugeben würden sie das jedoch kaum. Stattdessen verstecken sie sich vor dem Scheinargument der Widernatürlichkeit.

Dennoch kann es passieren, dass ein Mensch sowohl homophil als auch homophob ist, nämlich dann, wenn er oder sie sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt, sich dieser Tatsache jedoch schämt. Eine Ursache dafür kann darin liegen, dass dieser Mensch in seinem familiären Umfeld starke Ablehnung gegen homosexuelle Menschen gespürt hat. Er hat vielleicht Angst davor, ebenso abgelehnt zu werden. Daher tritt er offen homophob auf, um seine eigene Homosexualität zu verstecken.

Haben homosexuell und homophil etwas mit pädophil zu tun?

Noch immer hält sich das Vorurteil, dass homosexuelle Menschen auch pädophil seien. Das stimmt jedoch nicht. Denn die Pädophilie gehört nicht zu den Varianten des Sexualverhaltens. Die Pädophilie ist eine psychische Störung. Der Begriff ist erneut griechischen Ursprungs und zusammengesetzt aus „pais“ = Kind und der bereits bekannten „philía“ = Liebe, Zuneigung. Pädophile Menschen haben also ein sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät. Dabei ist das Geschlecht zweitrangig.

Obwohl der Begriff homophil das Wesen der gleichgeschlechtlichen Zuneigung und Liebe besser beschreibt als der Begriff homosexuell, kann es wegen der begrifflichen Ähnlichkeit zu pädophil zu anderen Missverständnissen kommen, die kontraproduktiv sind und der Akzeptanz homosexueller Menschen zuwiderlaufen. Die Begriffe haben sich in der Wissenschaft durchgesetzt. Doch in der Gesellschaft haben sich ihre Bedeutungen verschoben. Homosexuell und homophil sind zwar Synonyme, werden jedoch zuweilen anders verwendet oder falsch verstanden.

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