Hungergürtel der Erde – Bedeutung, Länder, Gründe & Erklärung

Hungergürtel der Erde

Die Versorgungslage der Bevölkerung in der Sahelzone ist dramatisch

Mit dem Hungergürtel der Erde ist die geographische Zuordnung eines afrikanischen Gebietes gemeint, in dem die Bevölkerung von großen Teilen nebeneinander liegender Länder hungert. Der Bereich erstreckt sich südlich der Sahara quer über den gesamten Kontinent vom Atlantik im Westen bis zum Roten Meer im Osten. Dieses circa 7000 km lange und bis zu 200 km breite Band der Sahelzone bildet den Übergang von Nordafrika nach Zentralafrika. Die klimatischen Bedingungen unterliegen in der Sahelzone einem drastischen Wechsel.

Hungergürtel der ErdeWährend sich in der Regenzeit eine savannentypische Vegetation entwickelt, herrscht in der Trockenzeit Dürre, wobei die meisten Flüsse austrocknen. Da landwirtschaftliche Erzeugnisse zur Ernährung der Bevölkerung ausschließlich in der Regenzeit hergestellt werden können, entstehen zwangsläufig Versorgungsdefizite. Durch klimatische Veränderungen haben sich die Trockenzeiten verlängert und die Dürren ausgedehnt. Neben erhofften Ernten fielen der Dürre auch Nutztiere zum Opfer. Dadurch wurde die ohnehin kritische Versorgungslage zusätzlich destabilisiert. Zum Hungergürtel zählen Teile folgender Länder:

  • Äthiopien
  • Burkina Faso
  • Eritrea
  • Mali
  • Mauretanien
  • Niger
  • Nigeria
  • Senegal
  • Sudan
  • Tschad

Die Not der Sahel-Bevölkerung hat verschiedene Gründe

Die Versorgungsproblematik wird durch mehrere Einflussfaktoren verschlimmert. Aufgrund der globalen wirtschaftlichen Entwicklung können landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem betroffenen Bereich kaum noch existenzsichernd verkauft werden. Besonders Überproduktionen von Getreide in Ländern außerhalb Afrikas drücken die Marktpreise. Infrastruktur, freier Handel und die Sicherheit sind durch kriegerische Auseinandersetzungen in einigen Ländern erheblich eingeschränkt.

Außerdem kommt es dadurch zu Flüchtlingsströmen in Nachbarländer innerhalb der Sahelzone, die dort nur unzureichend versorgt werden können. Die notwendige internationale Unterstützung ist zu gering und ist durch Verteilungsprobleme vor Ort ineffektiv. In einigen Ländern fehlen die Mittel für eine ausreichende medizinische Versorgung der ohnehin schon durch Nährstoffdefizite geschwächten Menschen. Schätzungsweise 5 Millionen Menschen benötigen in der Sahelzone Hilfe aufgrund mangelnder Ernährung, darunter 1,6 Millionen Kinder.

Zunehmend schwierig wird dabei auch die Versorgung mit trinkbarem Wasser. Das starke Wachstum der Bevölkerung verschärft die Versorgungsproblematik zusätzlich.

Einige Länder im Sahel zählen zu den ärmsten der Erde

Mehr Trockenheit und Wind durch die klimatischen Veränderungen sowie Überforderungen der Böden scheinen zu einem unüberwindbaren Problem zu werden. Das Nomadenverhalten verbunden mit der ständigen Suche nach Vegetation und Wasser nimmt zu. Um das Austrocknen der Böden zu verhindern, fehlen Bewässerungssysteme und Speichertechniken.

Bürgerkriegsmäßige Unruhen, Krankheiten wie Ebola und die Ausdehnung der Wüstenlandschaften verhindern Investitionen ausländischer Unternehmen. Die Sicherheit wird außerdem durch Korruption, zahlreiche Extremisten und aggressive Schmuggler untergraben. Dies erschwert und verhindert oftmals die Arbeit von Hilfsorganisationen. Internationale Hilfsgelder sind häufig nicht zielgerichtet und nicht ausreichend. So überrascht es nicht, dass Länder aus der Sahelzone zu den ärmsten der Welt zählen.

Es gibt derzeit erste Versuche, die Anbaumöglichkeiten zu verbessern. Die Bepflanzung durch widerstandsfähige Bäume zwecks Schattenspendung und wüstenresistente Pflanzen gehören dazu. Das Ende von Unruhen und die Bildung stabiler, demokratischer Regierungen scheint jedoch für lange Zeit ein Wunsch zu bleiben.

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