Inventur in ReWe leicht erklärt + Beispiel, Formel & Definition

Grundlagen der Inventur

Unter einer Inventur versteht man die körperliche Bestandsaufnahme, die für das Inventar als Basis der Bilanzerstellung erstellt wird.

Beispiel für eine körperliche Inventur

Der Bilanzstichtag für ein Bauunternehmen liegt auf dem 31. Dezember. An diesem Tag wird durch Zählungen, Wiegen, Messen und Schätzen, z.B. bei Schüttgut, die Inventur bestimmt. Um den Vorgang zu vereinfachen, da beispielsweise an Silvester, also dem Bilanzstichtag, nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht, sieht § 241 HGB ein Inventurvereinfachungsverfahren vor. Dabei kann der Kaufmann zwischen zeitnaher-, verlegter-, permanenter- sowie der Stichprobeninventur wählen. Diese gelten jedoch nicht für wertvolle Bestände, wie Diamanten oder Gold eines Schmuckanbieters, und Bestände mit unkontrollierbarem Schwund (z.B. durch Verderben).

Bei Vermögenswerten und Schulden, die nicht gezählt werden können, wie Bankguthaben und -schulden, Lieferverbindlichkeiten oder Kundenforderungen, tritt die Buchinventur in Kraft. Dabei erfolgt die Bestandsaufnahme anhand von Belegen, wie Kontoauszügen, Verträgen und Rechnungslisten.

Inventurarten / Inventurverfahren

Im folgenden Abschnitt werden unterschiedliche Arten und Verfahren der Inventur erläutert.

Stichtagsinventur / zeitnahe Inventur

Bei der Stichtagsinventur findet die Bestandsaufnahme einige Tage um den Bilanzstichtag statt. Diese kann auf bis zu 10 Tage ausgeweitet werden, solange die mengen- und wertmäßigen Bestandsveränderungen mit Hilfe von Belegen nachgewiesen werden können. Dann handelt es sich um eine zeitnahe bzw. ausgeweitete Stichtagsinventur.

Die Inventur ist gesetzlich einmal pro Jahr festgelegt. Jedoch bevorzugen zahlreiche Unternehmen regelmäßige Inventuren, da sie ihren Kunden so die gewünschten Liefermengen garantieren können.

Verlegte Inventur

§ 241 Abs. 3 HGB definiert die verlegte Inventur. Demnach ist eine Bestandsaufnahme innerhalb der letzten 3 Monate vor dem Bilanzstichtag (vorverlege Inventur) oder innerhalb der ersten beiden Monaten nach dem Bilanzstichtag (nachgelagerte Inventur) möglich. In diesem Fall muss jedoch durch ein entsprechendes Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren die Bewertung zum Bilanzstichtag wertmäßig erfolgen.

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Permanente Inventur

Voraussetzung für eine permanente Inventur ist ein entsprechendes Material- oder Lagerwirtschaftssystem, das eine Rückrechnung und Fortschreibung ermöglicht. Darin werden sämtliche Artikel einmal jährlich zu einem beliebigem Zeitpunkt erfasst.

Stichprobeninventur

Dieses nach § 241 Abs. 1 HGB erlaubte Verfahren, ermöglicht die Bestandsaufnahme mit Hilfe anerkannter mathematisch-statistischer Methoden, die auf Basis von Stichproben ermittelt werden kann.

Vorgehen bei Inventurdifferenzen

Wenn der Wert der Lagerbuchführung vom tatsächlichen Wert abweicht, handelt es sich um eine Inventurdifferenz. In diesem Fall müssen die Buchbestände angepasst werden, sodass Inventar und Bilanz den gleichen Vermögenswert aufweisen. Inventurdifferenzen werden in der Buchhaltung als Bestandsveränderung bzw. Materialeinsatz deklariert und mindern den Jahresüberschuss. Ursachen hierfür können Diebstahl, falsche Kommissionierung oder fehlerhafte Lagerbuchführung sein.

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