„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Woher kommt dieser Spruch

Ist das Kunst oder kann das weg

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Seit Jahrzehnten geistert dieser Satz immer wieder durch die Medien. Was weiß man über die Hintergründe?

Wer hat den Satz geprägt?

Soweit bekannt, ist der Urheber dieses Zitats leider nicht mehr feststellbar. Es ist mittlerweile ein geflügeltes Wort geworden – und unter diesem Titel ist sogar ein Buch erschienen.

Wie kam es zu dem Spruch?

Wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht, kam es zu dem Bonmot im Zusammenhang mit einem Kunstwerk von Joseph Beuys. Danach hatte der Künstler Ende der 1960-iger Jahre aus einer Säuglingsbadewanne durch Verarbeitung von Mullbinden, Heftpflaster, Kupferdraht und Fett ein Objekt gefertigt, das im Rahmen der Wanderausstellung „Realität – Realismus – Realität“ an mehreren Orten in namhaften Museen gezeigt wurde. 1973 wurde die Ausstellung nach Leverkusen ins Schloss Morsbroich transportiert, aber dort zunächst nur gelagert, weil sie erst später aufgebaut werden sollte.

Der regionale Ortsverband einer politischen Partei feierte im Museum zuvor aber ein Fest – und es ergab sich die Notwendigkeit, benutzte Gläser zu spülen. Zwei Parteigenossinnen suchten daraufhin einen Behälter, in dem sie die Gläser abwaschen konnten. Sie entdeckten die Badewanne, befanden sie für geeignet, aber im aktuellen Zustand für zu verschmutzt. Nach einer gründlichen Reinigung wurde das Beuys-Kunstwerk also zur Abwaschschüssel. Eine andere Version lautet, dass die Wanne gereinigt und auf dieser Party zur Kühlung von Bierflaschen verwendet wurde. Der künstlerische Wert der „Fettwanne“ wurde seinerzeit auf 80.000 DM bis 165.000 DM geschätzt.

Dem Hörensagen nach war nach diesem Eklat das erste mal die bewusste Frage zu hören bzw. zu lesen.

Wann und warum wurde das Zitat immer wieder gebraucht?

Als Klassiker unter den Kommentaren zu ahnungsloser Zerstörung von Kunst wurde die Frage gern in entsprechenden Fällen zitiert, denn seitdem hat es noch andere Gelegenheiten gegeben, in denen aus Unwissenheit Kunst mit nicht unbeträchtlichem Wert ruiniert worden ist.

Selbst im Rahmen der Documenta, bei der doch klar sein müsste, dass es bei einer so konzentrierten Ansammlung zeitgenössischer Kunst auch ungewöhnliche Erscheinungen geben kann, wurde 2007 eine künstlerische Gestaltung im öffentlichen Raum zerstört: Die Aktionskünstlerin Lotty Rosenfeld aus Chile hatte Fahrbahnmarkierungen auf den Straßen Kassels zu Kreuzen umgeformt. Sie wollte damit auf ungerechte Machtstrukturen aufmerksam machen. Die Kasseler Straßenreinigung entfernte aus Unwissenheit diese nicht normgerechte “Straßenmalerei”.

Ein anderer bekannter Fall aus dem Jahr 2011 betraf eine Installation des Künstlers Martin Kippenberger im Dortmunder Museum Ostwall: Das Objekt bestand aus einem Trog aus Gummi unter einer Holzkonstruktion. In dem Trog befand sich ein Kalkfleck, wichtig für die Aussage des Kunstwerks mit dem Titel “Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen”. Eine besonders verantwortungsbewusste Putzfrau entfernte den Fleck im Zuge ihrer Tour durch das Museum. Das Werk war übrigens mit 800.000 Euro versichert.

Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.

Fazit:

Das Zitat erscheint also in der Regel im Zusammenhang mit Ausstellungen bildender Kunst. Meist gibt es dann ein Exponat, das besonderes Aufsehen erregt – oder gleich mehrere dieser Art. Überwiegend handelt es sich dabei um Gemälde, Kollagen, Plastiken und Skulpturen der sogenannten „modernen Kunst“, deren Aussage sich dem Betrachter nicht sofort erschließt. Speziell die „Installation“ ist eine Kunstform, die für diese Frage „anfällig“ ist, wenn zum Beispiel die verwendeten Materialien nicht ohne Weiteres erkennen lassen, dass es sich hier um ein (fertiges) Kunstwerk handelt oder um eine Ansammlung von Dingen, die in einer Kunstausstellung fehl am Platze sind.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Man kann zweifellos erkennen, dass die oder der Fragende einem Ausstellungsobjekt ratlos gegenüber steht.

Aber auch eine geradezu vernichtende Kritik steckt schon in dem Bonmot: Wie kann die Arbeit eines Künstlers wertvoll sein, wenn nicht erkennbar ist, ob das Endprodukt nun ein Kunstwerk ist oder auf den Müll gehört?

Es ist sicher der Entwicklung moderner Kunst geschuldet, dass sich dies nicht immer zweifelsfrei feststellen lässt. Die Sehgewohnheiten der Besucher von Museen und Galerien, selbst wenn es sich um Kunstliebhaber handelt, halten mit den – zum Teil immer abstrakter wirkenden – Aussagen der Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler möglicher Weise nicht Schritt. Deshalb sollte man wohl insbesondere den Mitarbeitern dieser Einrichtungen, die gegebenenfalls keine ausgesprochenen Kunstkenner sind, nicht unbedingt einen Vorwurf machen, wenn sie unwissentlich ein Objekt beschädigen.

Und Künstler, deren Arbeiten ein Missgeschick widerfährt wie zum Beispiel Beuys‘ Badewanne, können sich vielleicht damit trösten, dass ihr Werk ohne den Eklat einer Zerstörung gar nicht erst so bekannt geworden wäre.

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