Was bedeutet Euphemismus?

Als Euphemismus wird ein Stilmittel bezeichnet, welches dazu verwendet wird, einen Sachverhalt, Gegenstand oder eine Person sprachlich abzumildern – also zu verschönern. Oft ist es sinnvoll, dass man nicht immer das sagt, was man sich gerade denkt sondern diese Worte etwas beschönigt, um z.B. unangenehme Wahrheiten etwas positiver und schöner klingen zu lassen. Man findet den Euphemismus in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens, wie z.B. in politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher, religiöser oder auch in körperlicher und sexueller Hinsicht. Gesellschaftliche Tabuthemen wie Krankheit und Tod stehen auch im Zusammenhang mit Euphemismus. So wird der Umstand des Todes als Beispiel mit der Phrase “friedlich entschlafen” oder “für immer eingeschlafen” beschönigend umschrieben.

Der Begriff Euphemismus kommt ursprünglich aus dem Griechischen, ist jedoch die latinisierte Form davon und bedeutet “Worte von guter Bedeutung”.

Funktionen von Euphemismen

Es gibt viele verschiedene Arten von Euphemismen. Zum einen gibt es die Aufwertung von eher unangenehmen Wörtern. Statt der eigentlichen Bezeichnung einer Person, Sache oder Angelegenheit werden beschönigende Ersatzausdrücke verwendet, um den Umstand aufzuwerten. Diese Form hat etwas mit Höflichkeit und Wertschätzung zu tun und ist positiv anzuerkennen. So verhält es sich z.B. beim Euphemismus “Bettgeschichte”. Der Umstand eines sexuellen Verhältnisses wird beschönigt, da es sich um nichts ernstes handelt und es in der Gesellschaft als unsittlich angesehen werden kann.

Auch Wortspiele oder die Verwendung von Fach- und Fremdwörtern sind sehr verbreitet und haben den Sinn, aufzuwerten. Mit Abkürzungen, wie z.B. BH für “Busenhalter” versucht man gezielt peinliche Wörter zu vermeiden.

Die ursprüngliche Bezeichnung wird durch Euphemismus ersetzt

Abwertende Bezeichnungen von bestimmten Dingen wie z.B. den Beruf “Putzfrau” ist heute bereits durch das Wort “Raumpflegerin” ersetzt und zu einer neutralen Bezeichnung geworden.

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Das bedeutet, dass Wörter, denen eher ein negativer Sinngehalt zugeschrieben wird, nun einen positiven, beschönigenden Sinngehalt erhalten haben bzw. als neutrale Bezeichnungen angesehen werden und so in Umlauf gebracht wurden.

Euphemismus im täglichen Sprachgebrauch

Euphemismen gibt es heute schon fast in jedem Bereich, über den Menschen nicht gerne sprechen bzw. es ihnen unangenehm ist. Krankheit, Tod und Sexualität, sowie der eigene Körper werden hier sehr großgeschrieben. Überall existieren gewisse Tabus, welche hinsichtlich bestimmer Dinge eine kaschierende oder zumindest mildernde Ausdrucksweise verlangen, um gewissen Rede- und Verhaltensvorschriften gerecht zu werden und um nicht als unsittlich zu gelten. Viele Bezeichnungen werden daher auch nur in privaten Raum verwendet.

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Der literarische Gebrauch von Euphemismus

In der Literatur findet man den Euphemismus zumeist nur in Dialogen, wobei ihn eher gehemmte, nicht sichere Personen verwenden. Selbstbewusste Personen nämlich reden nicht um den heißen Brei herum, sondern nennen die Dinge lieber direkt beim Namen. Indem eine handelnde Person sich dem Euphemismus bedient, kann man ihre Persönlichkeit und ihre Tabus sofort feststellen und sich ein Bild von jener machen.

Das führt dazu, dass auch schlechte Charaktermerkmale zum Vorschein kommen, wie Heuchelei, Schleimerei und Unehrlichkeit. Es kann auch ein Versuch sein, andere Menschen zu manipulieren.

Der politische, wirtschaftliche und mediale Gebrauch von Euphemismus

Vor allem in der Politik ist es ein gängiges Phänomen, wenn man unbeliebte Maßnahmen ergreifen muss oder unangenehme Tatsachen mitteilen muss, dass man sich den Euphemismus bedient. So werden diese Dinge mit schönen Worten umschrieben, um dem Bürger das Gefühl zu vermitteln, dass alles gar nicht so schlimm sei.

Ähnlich verhält es sich in der Wirtschaft, wenn es sich um Angelegenheiten wie Arbeitsplätze oder Preise geht – also solchen Sachen, welche die Existenz eines Menschen betreffen und emotional beschäftigen. Das erkennt man am Beispiel “Freisetzen”. Das Wort frei ist enthalten, somit täuscht man etwas gutes vor, obwohl es darum geht, entlassen zu werden. Man sagt auch “Anpassen von Preisen” statt “Preiserhöhung” um den negativen Aspekt von “Erhöhung” zu vermeiden.

Mit diesen Dingen in Wirtschaft und Politik versucht man sich als Zuständiger besser darzustellen.
In der Werbung verhält es sich nicht anders. Nie werden die negativen Seiten einer Ware beschrieben, sondern immer nur die positiven. Der Euphemismus dient vor allem hier der Manipulation.

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