Was ist Neologismus

Neologismus entstammt aus dem Griechischen und leitet sich aus den Wörtern „neos“ – „neu“ und „logos“ – „Wort“, zu Deutsch, „Neuwort“ oder „neues Wort“ ab.
Wenn man vom Neologismus spricht, so spricht man also von einer Wortneuschöpfung. Dabei werden bereits existente Worte zu einem neuen Wort addiert. Hierbei finden sowohl ganze Wörter als auch Bruchstücke von Wörtern Anwendung. Neologismen treten unabhängig der Sprachkulturen auf und finden weltweit Anwendung.

Beispiele für Neologismen

Um sich dies einmal besser vorstellen zu können, finden Sie nachfolgend ein paar Beispiele für solche Neuschöpfungen:
Enkeltrick – Zusammengesetzt aus den Worten „Enkel“ und „Trick“, diese Bezeichnung verwendet man für das Verhalten von Trickbetrügern, die sich als verschollene Enkelkinder ausgeben, um sich bei Senioren Geld zu erschleichen.

Die Worte werden vollständig, ohne Kürzung verwendet, anders ist dies jedoch bei unserem nächsten Beispiel:
Smombie – das Jugendwort des Jahres 2016, gebildet aus den Worten „Sm“ – von „Smartphone“ und „ombie“ – von „Zombie“. Beschreibt Menschen, die ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Smartphone zu Teil werfen lassen und dabei das Ringsherum nicht mehr wahrnehmen.
Bei dem Begriff „Smombie“ finden wir sowohl das Prinzip der Komposition, zwei Worte werden zu einem neuen Wort addiert, als auch das Prinzip der Tilgung, auf gewisse Bestandteile der Worte wird verzichtet.

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Im Fall „Smartphone“ fällt der Bestandteil „artphone“ und bei „Zombie“ lediglich der Anfangsbuchstabe „Z“ weg. In der Stilistik bezeichnet man solche Tilgungen auch als Elision oder Apokope.
Die oben genannten Beispiele sind solange Neuwörter, bis sie sich eines Tages nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch im Wörterbuch wiederfinden. Der Neologismus verliert sich also mit der Zeit.

Aber wann ist ein Neologismus also „Neu“?

Ein Neologismus versteht sich solange für neu, als es in den Sprachgebräuchen auftritt. Umso länger es sich in der Sprache manifestiert, umso mehr etabliert es sich im Gebrauch und wird später auch in aktuellen Wörterbüchern aufgenommen. Ist das erst einmal passiert, ist der Begriff kaum noch als Wortneuschöpfung zu erkennen.

Auch hierfür gibt es natürlich Beispiele. Wie wäre es mit einem Wort, welches uns heut tagtäglich begleitet, bei dem es jedoch kaum mehr vorstellbar ist, dass es sich dabei einmal um eine Neuschöpfung handelte. Neu, den Menschen fremd und irgendwie lag es einem jeden komisch auf der Zunge; das Wort Laptop!



Laptop entstammt dem Englischen und setzt sich aus den Wörtern „lap“ – zu Deutsch „Schoß“ und „top“ – zu Deutsch „Oberfläche“ zusammen. Wir finden es in jedem aktuellem Wörterbuch, das einst so fremdartige Wort hat sich bei uns durchgesetzt und etabliert.

Neologismus als rhetorisches Stilmittel

Um zu erfahren wie der Neologismus als rhetorisches Stilmittel Anwendung findet, Müssen wir zunächst einmal beleuchten was so ein rhetorisches Stilmittel eigentlich ist.
Im Literaturwissenschaftlichen ist das rhetorische Stilmittel ein Gestaltungsmittel in Texten, das vom eigentlichen Ausdruck abweichen kann.
Wie wirkt sich das in Verwendung bei Neologismen aus?

Nehmen wir unser vorangegangenes Beispiel „Smombie“. Hätte ein Autor Smombie noch vor 2015 in Erzählungen, Texten oder Gedichten verwendet, also noch bevor es sich etabliert hatte, so hätte der Autor sich erfolgreich de Neologismus zu Nutze gemacht. Denn wie wir ja wissen, verfliegen Neologismen mit der Zeit.

Okkasionalismus und Neologismus

Wir Menschen schaffen tagtäglich neue Wörter, dies ist unabhängig von der Kultur, Religion oder dem Wirtschaftsraum. Dies geschieht zumeist durch das Basteln von Kofferwörtern. Kofferwörter sind Kunstwörter die sich aus mindestens zwei Wörtern zusammensetzen. Dies geschieht zum Beispiel um sprachliche Lücken zu schließen.

Okkasionalismen sind Gelegenheitswörter, hierbei handelt es sich ebenfalls um Wortneuschöpfungen. Doch worin liegt nun der Unterschied zum Neologimus? Okkasionalismen entstehen aus der Situation heraus, innerhalb einer bestimmten Gruppe und treten einmalig auf. Neologismen hingegen findet man immer wieder, bis die Häufigkeit ihres Auftretens zur Etablierung führt. Wie Sie sich sicher vorstellen können, schließt das eine das andere aber nicht aus.

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Auch hierfür möchten wir einige Beispiele aufrufen:

Stellen Sie sich eine lustige Runde von Studenten vor. Eine Gemeinschaft bei der vielleicht einer der Teilnehmer zu spät zur Verabredung auftaucht. Er ist ganz außer Atem als er dazu stößt und neckisch fragt ihn einer der Anwesenden: „Du hast wohl extra Runden mit deinem Schlepptop auf dem Campus gedreht?“

Hier finden wir das Wort „Schlepptop“. Gebildet aus den Worten „Schleppen“ und „Laptop“. Aus der Situation heraus entstanden, weil die Person zu spät und so außer Atem war, als hätte sie ganz schön zu Schleppen gehabt, obwohl sie doch nur den Laptop bei sich trägt. Oder denken wir beispielsweise an die alten Laptops zurück, an denen wir tatsächlich ganz schön zu schleppen hatten.

Das Wort ist also in einer bestimmten Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt gefallen, es zählt als Okkasionalismus. Stellen Sie sich nun vor, dass dieses Wortspiel bei den anderen Studenten so einprägend war, dass sie es zu einem anderen Zeitpunkt, in einer anderen Gruppe wiederverwenden. Das Wort wird gestreut, findet immer häufiger Anwendung und schließlich fängt es an sich zu etablieren; Neologismus.

Arten von Neologismen

Jetzt da wir wissen was Neologismen eigentlich sind, möchten wir ihre Arten untersuchen. Hierbei unterscheidet man:

  • Neuwörter Diese Wörter wurden gänzlich neu gebildet und existierenden in keinerlei bekannter Form zuvor, z.B. „Smombie“ (aus „Smartphone“ und „Zombie“)
  • Neubedeutungen Worte die zu unserem alltäglichen Wortschatz gehören, aber eine Neubedeutung hinzu kommt, z.B. „Puma“ (zunächst bekannt als Bezeichnung für eine Katzenart, seit 1948 allerdings auch der Name eines weltweit bekannten Sportartikelunternehmens)
  • Neukombinationen Zwei gebräuchliche Worte die zusammengefügt wurden um etwas Neues zu beschreiben, z.B. Brotbüchse
    Bildung von Neologismen
    Ein paar Möglichkeiten haben wir in dem vorangegangenem Text ja schon kennengelernt, dabei sind die Optionen noch vielfältiger.
  • Komposition Neues wird aus bestehendem kompositioniert, z.B. Brotbüchse, Laptop, Computertasche
  • Tilgung und Zusammenziehen Die neuen Wörter werden aus dem ersten Teil eines und dem letzten Teil des anderen Wortes gebildet. Es kommt zur Tilgung von ganzen Wortteilen, z.B. Smombie
  • Abkürzungen Auch Abkürzungen können sich etablieren, z.B. E-Mail, SMS, iO,
  • Derivationen Affixe können ebenso zur Wortneuschöpfung herangezogen werden, aus dem Affix „Cyber-“ entsteht so z.B. Cybermobbing, Cyberkrieg, Cyberkriminalität
  • Verballhornung Durch Sprachwitze oder Parodien entstandenes Wort das sich durchaus etablieren kann, z.B. „nichtsdestotrotz“

Zusammenfassung

  • – Der Neologismus bezeichnet eine Wortneuschöpfung, die sich durch häufige Verwendung in der Sprache etabliert.
  • – Es handelt sich hierbei um ein rhetorisches Stilmittel.
  • – Das Gegenstück zum Neologismus ist der Archaismus.
  • – Einmalige, situationsbedingte Neubildungen bezeichnet man als Okkasionalismus.
  • – Ein Neologismus bezeichnet ein Wort, das in den Sprachgebräuchen einmal neu war.
  • – Tagtäglich und weltweit entstehen Neologismen, sie beweisen wie wandlungsfähig das uns gegebene Mittel der Sprache ist.

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