Was ist eine Adynation? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Der Begriff Adynaton kommt aus dem Griechischen (adynatos) und bedeutet übersetzt das Unmögliche.
Eine Adynation ist die indirekte Art und Weise, jemandem mitzuteilen, dass etwas nicht eintreffen wird und sozusagen unmöglich ist.
Der Kern dieser Aussage ist ein Vergleich, der aufgrund seiner Übertreibung mit einer gewissen Komik behaftet ist.

Beispiel:

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt.
Anstelle der Aussage: „Ein Reicher wird niemals in den Himmel kommen!“, wird das Wort „niemals“ durch einen ironischen Vergleich ersetzt. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit, dass etwas nicht eintreffen wird einerseits bekräftigt, andererseits ist die Darstellung anschaulicher.

Die Umschreibung für die Worte „nie/niemals/auf keinen Fall“ kann in einigen Fällen sogar motivierend wirken.
Mit der Aussage: „Eher friert die Hölle zu, als das du mal pünktlich bist!“, bringt man zwar zum Ausdruck, dass man die Pünktlichkeit seines Gegenübers für noch unwahrscheinlicher hält als das Zufrieren der Hölle – animiert aber vielleicht gleichzeitig die betreffende Person, das Zeitmanagement neu zu definieren.
Eine Adynation ist nichts anderes als ein sprachlicher Trick und ein rhetorisches Stilmittel.

Eine Hyperbel hat viel mit dem Stilmittel Adynation gemeinsam. Auch hier ist die Grundlage eine Übertreibung oder auch eine Untertreibung. Hier geht es aber weniger um einen Vergleich – die Aussage wird stattdessen durch massive Übertreibung überspitzt dargestellt.

Beispiele:

„Ich weine ein Meer voll Tränen.“
„Ich stehe vor einem Scherbenmeer.“
„Du schaust wie sieben Tage Regenwetter.“
„Ich habe dir schon tausendmal gesagt..“
„Ich stehe vor den Trümmern meiner Ehe.“
„Ich bin blutleer.“

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Einige Personen nutzen Adynation für sich, um dem anderen zu visualisieren, dass er die Hoffnung auf Besserung getrost aufgeben kann.
Mit der Aussage:“Ich zahle meine Schulden bei dir, wenn Weihnachten auf Ostern fällt!“, sagt die Person nichts anderes als:
„Dein Geld kannst du vergessen!“

Während der Kamel/Nadelöhr-Vergleich recht amüsant ist, ist eine solche Aussage eher unverschämt und frech. Der Sprechende rühmt sich letztendlich damit, dass er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird.

Auch das Adynaton führt ein Ereignis an, dass nach den normalen Gesetzen der Natur nicht eintreffen kann.
Dieses rhetorische Mittel wurde bereits in der Antike verwendet. Inzwischen hat sich der Sprachgebrauch zwar drastisch verändert, aber solche übertriebenen Vergleiche werden noch immer gerne benutzt.

Kurzum; Das Adynaton ist ein Vergleich mit etwas Unmöglichem, um die getätigte Aussage zu untermauern und indirekt als wahrscheinlicher darzustellen. Der Empfänger prägt sich eine solche Aussage schneller und nachhaltiger ein, als einen bloßen Vorwurf im Stil von:
„Du wirst niemals pünktlich sein!“

Wie bei allen sprachlichen Mitteln sollte man trotz der bildhaften Ausdrucksform auch beim Adynaton darauf achten, es nicht zu häufig anzuwenden.
Neigt man auch hier zur Übertreibung, verliert es seine Wirkung.
Verarbeitet man in einer Rede ein oder zwei gut platzierte Metaphern, frischt das den Inhakt positiv auf – befindet sich hingegen in jedem kleinen Satz eine Metapher, ist es eher ermüdent und nervig.
Konfrontiert man sein Gegenüber pausenlos mit übertriebenen Vergleichen, wie beim Adynaton üblich, fühlt sich der Angesprochene eher vorgeführt als animiert.

Die gewünschte Wirkungsweise tritt damit ausser Kraft.

Geschickt und gezielt angewendet bereichern solche Stilmittel unsere Sprache enorm; sie wird lebendig und es macht Freude, miteinander zu kommunizieren.
Misst sich jemand damit und behelligt seine Mitmenschen kontinuierlich mit solchen
„Wort-Tricks“, ist es nur noch eine Belästigung für den Zuhörer und das gesprochene Wort verliert seine Kraft.

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