Was ist eine Assonanz? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Was ist eine sogenannte „Assonanz“?

Eine „Assonanz“ (vom Lateinischen abgeleitet: ad = „an, zu“ und sonare = „klingen“) ist ein Stilmittel der Rhetorik und ein vokalischer Reim (also ein Gleichklang zweier oder mehrerer Wörter). Ein vokalischer Reim (also der Gleichklang) entsteht durch eine Wiederholung von Vokalen (tönenden Buchstaben), wobei man die Konsonanten (mitlaute Buchstaben) hierbei völlig unberücksichtigt lassen kann.

Bekannte Assonanzen im alltäglichen Gebrauch sind beispielsweise:

  • Jahr und Tag
  • Rang und Namen
  • Geben und Nehmen

Die Assonanz dient im Grunde der akustischen Gestaltung von Texten, sie stellt (vergleichbar mit der Alliteration) eine Klangfigur dar. Vor allem im Bereich der Lyrik (der Dichtung in Versform) spielen Klangfiguren eine ganz wesentliche Rolle, dies ist aber definitiv nicht der einzige Bereich, in dem eine Assonanz in Erscheinung tritt – in modernen Bereichen wie im Marketing, der Werbung oder auch in ganz einfachen, umgangssprachlichen Redewendungen finden sich sehr häufig Assonanzen wieder.

Die Assonanz in der Lyrik

In Gedichten und Reimen sind Assonanzen dazu gedacht, eine bestimmte klangliche Atmosphäre zu erschaffen. Die Grundstimmung eines Gedichtes kann ausschlaggebend auf die Qualität des gesamten Reimes sein – beispielsweise ob ein Reim düster, hart oder sanft sein soll. Diese essentielle Eigenschaft der Assonanz macht sie zu einem besonders beliebten Stilmittel (dies nicht nur in der Geschichte sondern eben auch in der aktuelleren Lyrik des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts).

Beispiele für Assonanzen in der Lyrik der Moderne:

1. Verbindung der Vers-Enden zweier Strophen durch eine Assonanz:

»er kam aus dem november . der hagel brachte
ihn herab . all das wasser auf den flügeln
die nähte und die grate einer gußform
die im regen hing bis der wind sie kappte
und er dann an die scheibe schlug wie ein bügel
der aus seinem schloß schnappt . der ahorn«
Raoul Schrott, Physikalische Optik I, 1996

2. »ia«-Assonanz innerhalb eines Verses:

»Doch hosianna, ihr Börsianer!«
Kurt Drawert, Idylle rückwärts, 2011

3. »ä«-Assonanz in der Versmitte, »u«-Assonanz am Versende:

»das nächtliche um uns:
ein specht schlägt eine tanne wund«
Sina Klein, kokon, 2014

Die Assonanz in der Literatur

In der deutschen Literatur bezeichnete man die Assonanz lange als „unreinen“ bzw. „unvollständigen“ Reim, da die klangliche Übereinstimmung der Vers-Enden ausschließlich durch Vokale bewirkt wird und somit die Erzeugung eines Reims nur durch einen Halb-Reim (durch die Assonanz) keine grobe Herausforderung darstellt.
In der romanischen Literatur ist die Assonanz hingegen wesentlich alltäglicher, da romanische Sprachen besonders viele Vokale enthalten. Beispielsweise in der spanischen Literatur ist die Assonanz schon längst dem „reinen“ Reim gleichgestellt, dies eben im Unterschied zum germanischen Sprachraum.

Neubewertung der Assonanz in der Romantik

Ein Umdenken bzw. Einbürgern in die Welt der „reinen“ Reime der Assonanz fand in der deutschen Literatur erst seit der Epoche der Romantik statt. Auslöser dafür waren vorwiegend zahlreiche Übersetzungen bedeutender Dichter aus der romanischen Literatur ins Deutsche. Ein bekanntes Beispiel dafür lieferte Ludwig Tiek, der die Assonanz als Gestaltungsmittel für solche Übersetzungen entdeckte und sie bei der Beschäftigung mit Calderón ins Deutsche übertrug.

Beispiel für ins Deutsche übertragene Assonanzen:

»O mein Sohn, wie gräßlich heulend
Klagt herauf vom Moor die Unke!
Hörst du wohl die Raben krächzen?
Die Gespenster in dem Sturme?«
Ludwig Tieck, Die Zeichen im Walde, 1801

Auch in der Volksliedsammlung »Des Knaben Wunderhorn« (1805–1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano wurde die Assonanz in die deutsche Literatur „eingebürgert“, da sie in mündlich tradierten Liedtexten häufig vorkommt.
Nicht zwangsläufig muss der harmonische Gleichklang der Vokale am Vers-Ende erscheinen. Im „Jägerlied“ aus 1838 von Eduard Mörike taucht die Assonanz zum Beispiel in der Zeilenmitte auf, besonders auffällig sticht dies im dritten Vers heraus.

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Ein Beispiel für eine Assonanz in der Zeilenmitte eines Gedichtes:

»Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee,
Wenn er wandelt auf des Berges Höh‘:
Zierlicher schreibt Liebchens liebe Hand,
Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land.«
Eduard Mörike, Jägerlied, 1838

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Die Assonanz in der Rap-Musik

Durch ihre Einfachheit findet sich die Assonanz sehr häufig als Stilmittel in Musikrichtungen wieder. In gesungener Form entfalten Assonanzen besonders gut ihre Klangwirkung (viel besser als im reinen Schrifttext), da Vokale den gesungenen bzw. betonten Teil eines Wortes darstellen. In vielerlei Volksliedern fällt die Häufung von diesen vokalischen Halbreimen deutlich auf. Auch in einer moderneren Musikrichtung – dem Rap bzw. Sprachgesang – wird sehr häufig mit Assonanzen gearbeitet .

Beispiel für Assonanzen im Rap:

»Und er so: Rap ist doch nur ‘ne Modedroge
So ‘ne Berg- und Talfahrt, so ‘ne Toblerone
Dreh ‘n Clip mit zehn Bitches oben ohne
Und halt dazu ‘n paar homophobe Monologe.«
Dendemann, Ersoichso Lyrics

Im obigen Beispiel zitiert Rapper Dendemann die Haltung eines Plattenbosses. Fabian Wolbring behauptet, dass Dendemann bewusst einen Kontrast zwischen Form und Inhalt herstellen wollte mit dieser Textgestaltung. Der Plattenboss ist wohl der Meinung, es handele sich beim Rap um eine oberflächliche Modeerscheinung, jedoch beweist die Reimkonstruktion mit diesen zahlreichen, gehäuften und raffiniert gestalteten Assonanzen das absolute Gegenteil. Sie unterläuft mit dieser Gestaltung die Aussage, die durch sie transportiert wird – eine virtuose und sehr kunstvolle Art der Entlarvung mithilfe von Assonanzen.

Die Assonanz in der Werbung

Dass gleiche Vokale oder Doppellaute sich in einem Text häufen, machen ihn – gerade bei kurzen Sätzen – ganz besonders prägnant. Deshalb sind Assonanzen in Werbetexten besonders beliebt.

Beispiele für Assonanzen in der Werbung:

  • »Leistung aus Leidenschaft« Deutsche Bank
  • »Wir lieben Kino« CineMaxX
  • »Drei, zwei, eins … meins« eBay
  • »Media Markt. Stark!« Media Markt
  • »Alles andere kann warten« Mumm
  • Verbindung von Assonanz und Alliteration:
  • »Bitte ein Bit!« Bitburger
  • »Mit Gutfried geht’s uns gut« Gutfried
  • »Das einzig Wahre: Warsteiner« Warsteiner
  • »Manner mag man eben« Manner
  • »Geiz ist geil« Saturn

Die Assonanz in umgangssprachlichen Redewendungen

Texte lernt man leichter, wenn man eine sogenannte „Eselsbrücke“ verwendet. Viele verwenden dazu einen Reim bzw. eine Melodie. Besonders viele Klangfiguren in einem Text prägen sich hervorragend ins kollektive Sprachgedächtnis ein, deshalb ist es nur logisch, dass viele alltägliche, häufig verwendete Redewendungen des alltäglichen Gebrauchs auch Assonanzen enthalten.

Beispiele für Assonanzen in der Umgangssprache:

  • Mit Brief und Siegel
  • Mein Name ist Hase
  • Wein, Weib und Gesang
  • Herein, wenn’s kein Schneider ist

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