Was ist eine Ellipse? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Die Ellipse – weniger ist mehr

Kurz vorweg die Grundregel: Bei der Ellipse fehlt etwas. Wir sprechen von einer Ellipse, wenn ein Satz nicht ganz vollständig ist. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um einen Fehler. Die Ellipse ist ein bewusst eingesetztes Stilmittel!

Die Ellipse – auf gut Deutsch Auslassung – setzt man ein, um den Text interessanter, lesbarer, lockerer zu gestalten. Was kann man weglassen? Meistens Satzteile, die sich der Leser leicht erschließen kann. (Haben Sie es bemerkt? Der letzte Satz ist eine Ellipse.) Je komplexer der Text und sein Anspruch, desto komplexer können natürlich auch die vielleicht nicht mehr ganz so eindeutigen Auslassungen sein.

Was lässt man aus?

Eine einfache Ellipse wird meist kaum bemerkt. Sie dient dazu, den Satz lesbarer zu machen, nicht etwa aufgrund fehlender Informationen anstrengender. „Ich schreibe gerne mit Ellipsen, du lieber ohne.“ Das ist ein Beispiel dafür, dass im zweiten Satz eine möglichst starke Verkürzung gewählt wird. Das elliptische „du lieber ohne“ ist dennoch ohne weiteres verständlich. Das Verb „schreibst“ ist ebensowenig notwendig wie die Wiederholung der „Ellipse“. Im Gegenteil: Zwei vollständige Sätze wirkten in diesem Fall recht umständlich: „Ich schreibe gerne mit Ellipsen, du schreibst lieber ohne Ellipsen.“

Die Doppelkonjunktion „je – desto“ lädt zu besonders starker Verkürzung ein und zeigt sehr schön, was möglich ist: „Je mehr Stilmittel ich verwende, desto größer ist das Lesevergnügen.“ mutiert leicht zu „Je mehr Stilmittel, desto mehr Lesevergnügen.“ Anderes Beispiel: „Je teurer, desto besser.“

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Dies ist in der Regel sehr klar. Andere Konstruktionen laden zu Interpretationen ein. Was bedeutet „Auspacken und sofort los“? Im entsprechenden Kontext kann dies eine klare Aussage sein. Zum Beispiel kann es sich um Werbung für ein einfach zu bedienendes Elektrogerät handeln: „Nachdem Sie das Gerät ausgepackt habe, können Sie es sofort verwenden, ohne erst die Gebrauchsanweisung lesen zu müssen.“ Ebenso könnte es sich um die kurzangebundene Aufforderung einer Mitreisende handeln, etwa in dem Sinne: „Wenn wir gleich im Hotel ankommen, pack doch bitte schnell deinen Koffer aus und dann gehen wir sofort an den Strand.“ Man sieht: Extreme Verkürzungen müssen sorgfältig im Kontext platziert werden, um verständlich zu sein.

Wozu eine Ellipse?

Die Ellipse ist ein Kunstgriff der gesprochenen Sprache. Oft unterläuft sie ungeplant im Gespräch. Als Stilmittel verwendet man sie häufig, um die geschriebene und vielleicht in einer Rede abgelesene Sprache natürlicher klingen zu lassen. Der Text wird lockerer und natürlicher. Man vermeidet Wiederholungen. Redundante Wörter ergeben keinen stilistischen Mehrwert; durch eine wohlgesetzte Ellipse sind sie zu vermeiden.

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Auch bei Texten, die nicht für den mündlichen Vortrag gedacht sind, ist dies durchaus sinnvoll. Die Werbesprache wurde bereits erwähnt; für das journalistische Schreiben gilt ebenso die Tendenz der Auslassung, um einen lockeren Schreibstil zu kultivieren. Im Zeitalter der Online-Medien werden Texte immer kurzlebiger, Nachrichten immer hektischer. Elliptisches Schreiben passt zu den schnell wieder verschwundenen Nachrichten in Echtzeit.

Noch ein kleiner Exkurs: Manche Zeitgenossen lassen grundsätzlich wesentliche Wörter aus. „Ich geh Hauptbahnhof“ ist (noch) ein Zeichen von Bildungsdefiziten. Als soziale Einordnung des Sprechers werden derartige Verkürzungen auch bewusst eingesetzt.

Eine kritische Betrachtung

Wie man die Ellipse auch ansieht, sie ist letztlich immer ein Regelverstoß. Ein korrekter Satz ist vollständig. Kritiker sehen die Auslassung als keinesfalls guten Stil an. Und wenn man die Grammatikregeln zugrunde legt, haben sie auch durchaus recht.

Wer die Grammatik allerdings beherrscht, lässt nur weg, was verzichtbar ist. Bei richtiger Anwendung des Stilmittels lässt sich der eigentlich gemeinte vollständige Satz problemlos rekonstruieren. Sprachpuristen kann man entgegenhalten, dass Sprache lebendig ist und Grammatik immer nur eine annähernde Beschreibung der vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten sein kann. Die Kunst der Beschränkung auf das Wesentliche hat Vorrang. Das Beharren auf Regeln ohne Blick auf die kommunikative Absicht ist nicht zielführend.

Die Ellipse falsch verwendet

Ist der gemeinte Satz nicht mehr erkennbar, ist das Stilmittel der Ellipse nicht korrekt angewendet. Schriftsteller mögen dies absichtlich in Kauf nehmen. Im Normalfall ist aber ein unklarer verkürzter Satz nicht akzeptabel. Verkürzt man etwa das oben bereits genannte Beispiel auf „Ich Hauptbahnhof.“ wird nicht mehr klar, in welchem Verhältnis der Sprecher zum Hauptbahnhof steht. Ist er jetzt da? Geht er hin? Ist es sein Lieblingsbahnhof? – Wir verstehen nur Bahnhof, um hier noch ein anderes Stilmittel einzubringen. Das sollte man bei aller Freude an der Verkürzung unbedingt vermeiden.

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