Was ist eine Personifikation? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Personifikationen sind metapherähnliche Stilmittel in der Rhetorik. Besonders in Lyrik und Epik, aber auch im täglichen Sprachgebrauch werden Personifikationen häufig verwendet. Abgeleitet vom griechischen Wort Prosopopöie sowie dem lateinischen Wort Fictio personae, bedeutet der Begriff so viel wie Vermenschlichung. Mit den Worten persona (Person, Mensch) und ficare (machen) wird deutlich, dass Tieren, Pflanzen oder toten Gegenstände vermenschlicht werden. Das heißt, sie bekommen Eigenschaften oder Handlungen, die menschlicher Natur sind, zugewiesen.

Beispiele:

  • Die Sonne lacht
  • Tanzende Blätter im Wind
  • Mein Herz lacht
  • Glück und Leid gehen Hand in Hand
  • Die Natur erwacht

Die Bildung einer Personifikation

Besonders in der Literatur werden Pflanzen, Gegenstände, Naturerscheinungen und Tiere gern als sprechende oder handelnde Personen dargestellt. Die besten Beispiele hierfür findet man in der Fabel, aber auch in dem Mythos sowie in der Rhetorik der Antike findet man diverse Beispiele für Personifikationen.

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Beispiele:

  • Fabel „Reineke Fuchs“ von Johann W. Goehte
  • Fabel „Der Wolf und der Schäfer“ von Gotthold Ephraim Lessing Johannes Bobrowski lässt ein Erlengebüsch auf verlassenen Straßen gehen (Anthropomorphe Landschaft)

Es ist ebenfalls möglich, dass die Personifikationen in Adjektiven, Substantiven oder auch Verben gebildet werden können. Dabei geht es darum, dass menschliche Eigenschaften, Handlungen und Begriffe auf Gegenstände, tote Dinge oder abstrakte Begriffe übertragen werden. In der Regel handelt es sich bei Personifikationen um Stilmittel, die besonders in Texten sehr leicht zu finden sind.

Beispiele:

  • „Angst besiegt die Hoffnung“
  • „Wenn das Glück winkt“
  • „Mutter Natur“
  • „Väterchen Frost“
  • „ein Strom fressender Fernseher“
  • „der Vergleich hinkt“

Die Wirkung von Personifikationen

Wie bereits erwähnt, finden sich Personifikationen oft in literarischen Werken. Aber auch politische Reden profitieren von dem Stilmittel. Ebenso arbeitet man gern in der Werbung oder im alltäglichen Sprachgebrauch mit Personifikationen. Das liegt vor allem daran, dass dieses Stilmittel besonders Texte und unsere Sprache lebendig und Beschreibungen oft bildlicher darstellen kann. Für den Leser oder den Zuhörer heißt das, dass Inhalte und Absicht von Text oder Rede leichter greifbar werden. Durch Personifikationen können Sprache und Texte anschaulicher gestaltet werden, so dass beides interessanter und die Aufmerksamkeit gesteigert wird.

Personifikationen und die Literatur

In den literarischen Gattungen der Epik und Lyrik sind Personifikationen beliebte Stilmittel. So wurden besonders im alten Griechenland, im antiken Rom aber auch im Mittelalter und in der Barockzeit beispielsweise das Vaterland oder das Gesetz („Justitia“) personifiziert. Bekannte Vertreter dieser Epochen sind zum Beispiel der Philosoph Platon sowie der Schriftsteller und Denker Cicero. Wie bereits erwähnt, erfreut sich die Personifikation gerade in Tierfabeln großer Beliebtheit. Hier bekommen Tiere menschliche Eigenschaften, handeln mit menschlicher Vernunft und können sprechen. Dabei hat jedes Tier ganz bestimmte Eigenschaften, die sonst nur zu Menschen gehören. So kennt jeder den schlauen Fuchs oder den ängstlichen Hasen. Friedrich Schiller nutzte unter anderem die Personifikation für sein Gedicht „Das Mädchen aus der Fremde“. In dem Werk ist die Kunst eine Frau.
Beispiele:

  • Eduard Mörike „Er ist´s“ „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“
  • Anette von Droste-Hülshoff „Die Elemente“ „Luft Wo die Felsenlager stehen, sich des Schnees Daunen blähen, auf des Chimborasso Höhen ist der junge Strahl erwacht; regt und dehnt die ros´gen Glieder, schüttelt dann sein Goldgefieder […]“

Karikaturen und Personifikationen

Auch Karikaturisten arbeiten viel und gerne mit Personifikationen als Stilmittel. Dabei werden oft Nationen und Länder charakterisiert, um ihren Charakter mit Ironie darzustellen. In den Karikaturen können mit Hilfe der Personifikation klischeehafte Vorstellungen bestimmter Völker, Länder und deren Eigenschaften in einer Figur vereint werden.
Beispiele:

  • „Uncle Sam“ für USA
  • „John Bull“ für Großbritannien
  • „Marianne“ für Frankreich
  • „Deutscher Michel“ für Deutschland

Personifikationen in politischen Reden

Besonders Politiker müssen in ihren Reden auf die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer Wert legen. Dabei geht es nicht um trockene Fakten, sachliche Äußerungen und die sture Konzentration auf aktuelle Themen. Politiker nutzen deshalb oft und gerne alle möglichen rhetorischen Stilmittel, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen und die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen. Besonders Personifikationen gehören dabei zu den beliebtesten Stilmitteln in der Trickkiste eines jeden Politikers. In politischen Reden hört man vielfach Personifikationen heraus.
Beispiele:

  • Christa Wolf bei ihrer Rede auf dem Berliner Alexanderplatz:

„Ja, die Sprache springt aus dem Ämter- und Zeitungsdeutsch heraus, in das sie eingewickelt war, und erinnert sich ihrer Gefühlswörter.“

  • Roman Herzog bei seiner Rede im Berliner Bildungsforum:

„Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Wissen ist heute die wichtigste Ressource in unserem rohstoffarmen Land.“

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Wie die Werbung mit Personifikationen arbeitet

In der Werbung geht es darum, Waren und Produkte bekannt zu machen und an den Mann zu bringen. Dabei sollen die Produkte so dargestellt werden, damit ein Wiedererkennungswert entsteht. Hierfür nutzen Werbemenschen alle möglichen stilistischen und rhetorischen Mittel, die die Sprache bereithält. Personifikationen findet man oft in knackigen Werbetexten und Slogans.

Beispiele:

  • „Meister Proper“ (Reinigungsmittel)
  • „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause“ (LBS Bank)
  • „Vernunft sucht Begeisterung – der Nissan Qashqai im Test“ (Autohersteller Nissan)
  • „Albi setzt der Frucht die Krone auf“ (Fruchtsafthersteller)
  • „Baby Bel – der Käse, der aus der Reihe tanzt“ (Käsehersteller)
  • „Dr. Best – die klügere Zahnbürste gibt nach“ (Zahnbürstenhersteller)

Personifikationen im alltäglichen Sprachgebrauch

Oft und gerne werden Personifikationen auch im alltäglichen Sprachgebrauch genutzt. Das passiert meistens sogar ganz automatisch, weil personifizierte Sätze im Kopf hängenbleiben und in den täglichen Sprachgebrauch eingehen. Häufig stehen die Personifikationen mit dem Wetter in Verbindung. Personifikationen bei Wetterphänomenen stammen aus Zeiten, in denen ein Gott oder gottesähnliche Gestalten für Wetterphänomene, beispielsweise Blitz und Donner, verantwortlich gemacht wurden.

Beispiele:

  • „Die Sonne lacht“
  • „Der Himmel weint“
  • „Der Wind pfeift“
  • „Die Natur erwacht“
  • „Tobende Stürme“
  • „Die Nacht verabschiedet sich“

Unterschiede zwischen Personifikation, Allegorie und Metapher

Die Personifikation ist mit beiden Stilmitteln verwand. Während sie eine bestimmte Form der Metapher darstellt, zeigt sie außerdem Eigenschaften der Allegorie. Meistens sind die Unterschiede kaum bemerkbar und fließen ineinander. Daher ist eine klare Unterscheidung der drei Stilmittel schwer zu machen. Wenn man Personifizierungen in einem Text prüft, muss gleichzeitig auf Allegorien und Metaphern untersucht werden.

Die Allegorie und die Personifikation
Oftmals spricht man bei Allegorien um eine erweiterte Art der Personifizierung. Bei einer Allegorie handelt es sich um ein Stilmittel, mit dem Abstraktes verbildlicht wird. Diese Verbildlichung passiert durch eine bestimmte Gestalt oder einen Gegenstand.

Beispiele:

„Sensenmann“: Der Begriff ist die Allegorie für den Tod. Dabei wird der Tod, also das Abstrakte, personifiziert. Bereits im Mittelalter wurde der Tod in Form einer Gestalt dargestellt, in diesem Fall als skelettartige, menschliche Gestalt mit einem Leichentuch und einer Sense. Dabei wirkt die Gestalt ebenso furchteinflößend und beängstigend wie der Tod selbst. Die Sense spielt dabei die Rolle, dass damit der Faden zwischen Leben und Tod durchtrennt wird.

„Justitia“: Dieser Begriff steht seit Jahrhunderten für Gerechtigkeit, aus dem sich der heutige Begriff Justiz entwickelt hat. Für die Erstellung dieser Allegorie, muss die Personifizierung genutzt werden. Die Hintergründe liegen in der römischen Mythologie, in der die Gerechtigkeit als Frau dargestellt wurde, die eine Augenbinde trug. Die Augenbinde steht hierbei für Neutralität und Unvoreingenommenheit. In den Händen hält sie eine Waage und ein Schwert, welche für das Abwägen der Sache sowie mögliche notwendige Härte stehen. Seither ist Justitia die Personifizierung für Gerechtigkeit.

Die Metapher und die Personifikation

Wie bereits erwähnt gilt die Personifikation als Abart der Metapher. Eine Metapher ist ein bildhafter Ausdruck für ein Wort. Das heißt, dass das Wort nicht direkt benannt wird, sondern im übertragenen Sinne dargestellt wird. Dabei werden Gegenstände und Tiere oft auch personifiziert und mit menschlichen Eigenschaften behaftet. Somit stehen Personifikation und Metapher in einem direkten Verhältnis zueinander. Aufgrund dessen können beide Stilmittel auch zusammen auftreten.

Beispiele:

„Angst schnürt mir die Kehle zu“: In diesem Satz findet man sowohl die Metapher als auch die Personifikation. Dem Gefühl der Angst wird eine menschliche Handlung zugeschrieben. In diesem Fall handelt die Angst menschlich, in dem sie verletzend und zerstörerisch dargestellt wird. Die Metapher findet sich in der zugeschnürten Kehle. Diese ist eine Metapher für Bedrohung oder große Not.

„Ihm lacht das Glück“: Auch bei diesem Beispiel findet man sowohl Personifikation als auch Metapher. Der Satz steht für eine glückliche Person und eine positive Situation, in der sich diese befindet. Der ganze Satz ist eine Metapher für einen positiven Sachverhalt, beispielsweise Erfolg in der Liebe oder im Berufsleben. Die Personifikation bezieht sich auf das Glück, welches vermenschlicht wird und „lacht“.

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