Jean Anouilh – Biografie & Inhaltsangaben

Der französische Schriftsteller und Regisseur Jean Anouilh. Foto: INTERFOTO / ATV
Der französische Schriftsteller und Regisseur Jean Anouilh. Foto: INTERFOTO / ATV

Das 20. Jahrhundert brachte viele erfolgreiche Dramatiker hervor. Einer davon war der Franzose Jean Anouilh, der am 23. Juni 1910 in Bordeaux geboren wurde. Sein Vater war Schneider und seine Mutter arbeitete als Klavierlehrerin und Pianistin. Durch Letztere hatte er seit seiner Kindheit an Kontakt zum Theaterwesen. Als Jean Anouilh neun Jahre alt war zogen seine Eltern mit ihm nach Paris. In der französischen Hauptstadt war er Schüler eines katholischen Gymnasiums. Dort entwickelte er seine Leidenschaft für Literatur. Er beschäftigte sich mit Werken seiner späteren Vorbilder Paul Claudel, Luigi Pirandello und George Bernard Shaw. Nach dem erfolgreichen Abschluss begann Anouilh ein Jurastudium, das er aber schon bald wieder abbrach.

Bis 1932 arbeitete er in einem Verlagshaus, einer Werbeagentur und sogar bei dem Regisseur Louis Jouvet. Aber mit seinem ersten großen Stück hatte er bereits so viel Erfolg, dass er auch von den Einkünften als Autor leben konnte.

Der Schriftsteller ist ein Vertreter der existentialistischen Philosophie, darin wird die moralische Integrität einzelner Personen in einer Gesellschaft ohne verbindliche Normen in Frage gestellt. Unter anderem schrieb Anouilh eine eigene Fassung der antike Tragödie „Antigone“ von Sophokles.

Außerdem verfasste er Dramen, wie „Das Weib Jesebel“ und „Der Hermelin“. Letzteres Werk wurde 1932 im berühmten pariser Theater „Théâtre de l’Oeuvre“ aufgeführt. Der nächste große Erfolg was das Drama „Der Reisende ohne Gepäck“ im Jahr 1937.
Der Franzose schrieb unglaublich viele Theaterstücke, bis zu seinem Lebensende waren es etwa dreißig Werke. Besonders erfolgreich war Anouilh in der Nachkriegszeit sowie in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Für sein Schaffen wurde Anouilh unter anderem mit dem „Grand Prix mondial Cino del Duca“ 1970, dem „Preis der französischen Theaterkritik“ 1970 und dem „Grand Prix du Théâtre“ der Académie Française 1980 ausgezeichnet. Zudem wurde Jean Anouilh mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert. Außerdem wurden zahlreiche Werke Anouilhs verfilmt, wie zum Beispiel „Der Walzer der Toreros“(1961) und „Beckett“ (1963).

Ein besonderes Interesse Anouilhs galt antiken griechischen Tragödien. Von 1941 bis 1946 schrieb er die Dramen „Euridike“, „Orest“ und „Medea“. Aber der mit Abstand größte Erfolg bei der Adaptation griechischer Dramen war „Antigone“ aus dem Jahr 1942. Dabei bereitete Anouilh das antike Werk Sophokles modern auf, was ein riesiger Erfolg wurde. 1944 wurde „Antigone“ in Paris uraufgeführt und es wurde zum Sinnbild des französischen Widerstands gegen die deutschen Besatzer. Bis heute ist das Werk Schulstoff.

Neben seinen sehr bekannten Tragödien schuf Jean Anouilh auch Werke anderer literarischer Gattungen, zum Beispiel Komödien und satirische Stücke. Trotz diese Vielfalt blieben die Leitgedanken und -themen gleich: von sozialer Ungerechtigkeit über die (vergebliche) Suche nach dem verlorenen Paradies bis hin zur Sinnlosigkeit menschlichen Strebens.

„Jean Anouilh etikettierte seine Werke mit selbstgeschaffenen Genrebezeichnungen wie zum Beispiel:
Pièces noires (= »Schwarze Stücke«, z. B. »Antigone«, 1942);Pièces roses (= »Rosafarbene Stücke«, z. B. »Léocadia«, 1939);Pièces brillantes (= »Glanzvolle Stücke«, z. B. »Colombe«, 1951);Pièces costumées (= »Kostümstücke«, z. B. »Beckett oder Die Ehre Gottes«, 1959).“

Im Privatleben Anouilhs tat sich im Jahr 1932 etwas. Im Jahr seines ersten Theaterstückes nahm er Monelle Valentin, eine Schauspielerin, zur Frau. Gemeinsam hatten sie eine Tochter, Catherine Anouilh. Sie wurde 1934 geboren und nach ihrem Schulabschluss begann sie ebenfalls mit der Schauspielerei. Auch bei der Arbeit etbalierte sich ein enges Vater – Tochter Verhältnis, denn Catherine spielte in vielen Stücken von Jean Anouilh mit. In den 1980er Jahren zog sich Anouilh an den Genfer See zurück. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1987 brachte er noch ein letztes Werk heraus: “ La vicomtesse d’Eristal n’a pas reçu son balai mécanique“ (in deutsch hieß das Werk: „Das Leben ist unerhört“).In diesem Stück veröffentlichte Anouilh seine Jugenderinnerungen. Am 3. Oktober 1987 verstarb Jean Anouilh in Lausanne.

Werke

1932 »Das Weib Jesebel«
1932 »Der Hermelin«
1932 »Der Ball der Diebe«
1937 »Der Reisende ohne Gepäck«
1939 »Léocadia«
1941 »Euridike«
1942 »Antigone«
1945 »Orest«
1946 »Medea«
1951 »Colombe«
1956 »Der arme Bitos oder Das Diner der Köpfe«
1959 »Mademoiselle Molière«
1959 »Beckett oder Die Ehre Gottes«
1970 »Die Goldfische«

Auszeichnungen

1961 Tony Award für »Beckett oder Die Ehre Gottes« (Best Play)
1970 Grand Prix mondial Cino del Duca
1971 Prix du Brigadier für »Die Goldfische«, »Wecken Sie Madame nicht auf« und »Du warst so nett als du klein warst«
1980 Grand Prix du Théâtre der Académie Française

Inhaltsangaben

  • Antigone -Antigone ist ein 1942 geschriebenes Drama des französischen Autors Jean Anouilh. Die Uraufführung fand zwei Jahre später in Paris statt und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Es galt als Sinnbild des Widerstands der Franzosen gegen die Besatzungsmacht Deutschland. Die Veröffentlichung in Buchform dauerte nochmals zwei Jahre und fand erst 1946 statt. … weiter lesen

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