„Jedem das seine“ – ist es schlimm es heute zu sagen?

Diese Phrase entstand in der Antike und handelte von philosophischen Theorien der Moral und des Rechts. Es geht um eine Gerechtigkeitsformel: die Verteilungsgerechtigkeit.

Historischer Ursprung

Bei der gerechten Verteilung handelt es sich um proportionale Verhältnisse, die auf die Entlohnung und den Besitz zurückzuführen sind.
Gemäß Aristoteles bedeutet Ungerechtigkeit, dass Individuen entweder zu viel oder zu wenig haben. Das Problem bei dieser Theorie liegt in der Auffassung der jeweiligen Werte. Während eine Personengruppe die Freiheit als das höchste Gut sieht, ist es für die andere der Reichtum.

Kulturelle Aspekte

In deutscher und lateinischer Sprache wurde die Phrase oft verwendet. Unter anderem war es Kant, der die „Rechtspflicht“ mit diesen drei Worten beschrieb und verdeutlichte. Dabei ging es darum, dass jedes Individuum sich in einer solchen Gesellschaft zu bewegen habe, „in welcher jedem das Seine erhalten werden kann“.
In „Hermann und Dorothea“ beschreibt Johann Wolfgang von Goethe diesen Begriff als eine Verbesserung der allgemeinen Gerechtigkeit durch die Französische Revolution.

Politische Hintergründe

Während Cicero und Platon diese Phrase als eine Pflicht des Bürgers gegenüber dem Staat definierten, war Kaiser Justinian I. der Meinung, dass damit die Rechte jedes Einzelnen gegenüber dem Staat gemeint sind. Diese zu erweitern und zu festigen waren unter anderem seine Ziele.
In der deutschen politischen Geschichte wurde „Jedem das seine“ erstmals in Preußen verwendet. Dort diente dieser einem Wahlspruch.

Zeit des Zweiten Weltkrieges

In der Epoche des Nationalsozialismus wurde ein Konzentrationslager in der Nähe Weimars erbaut. Das Haupttor dieses Lagers trug exakt diesen Spruch. Damit war gemeint, dass jeder das bekommt, was er verdient. Dementsprechend bedeutet es, dass die Lagerinsassen aus diesem Grund leiden und sterben mussten. Im Vergleich zu anderen Torsprüchen beinhaltet dieser keinerlei Zurückhaltung gegenüber der Bevölkerung.

Schlimm oder nicht schlimm?

Wie genau mit dieser Phrase umzugehen ist, kann niemand genau sagen. Kritiker sind der Meinung, dass dieser Spruch so lange nicht verwendet werden darf, bis niemand das Konzentrationslager Buchenwald damit in Verbindung bringt.
Befürworter sagen, dass ein starkes Zitat wie dieses, nicht aufgrund eines Missbrauchs nicht mehr verwendet werden darf.

Letztendlich kommt es auf die Situation und den Gesprächspartner an, ob diese Worte schlimm sind. Im politischen Sinne ist es angebrachter die lateinische Form suum cuique zu verwenden. Bei einer lockeren Unterhaltung mit einer nahestehenden Person sollte die Verwendung allerdings keinen Disput auslösen.

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