Kalkulationsschema in BWL leicht erklärt + Beispiel

Kalkulationsschema Definition

Industrieunternehmen (also Unternehmen, die Waren produzieren) benutzen ein Kalkulationsschema zur Berechnung der Herstellkosten, der Selbstkosten und des Verkaufspreises mithilfe der sogenannten Zuschlagskalkulation.

Handelsunternehmen, die lediglich Waren ein- und verkaufen, verwenden ein eigenes Kalkulationsschema (Handelskalkulation).

Mithilfe des Kalkulationsschemas können die Bestandteile der einzelnen Kosten eines Produktes abgelesen werden.

Alternative Begriffe: Industriekalkulation, Preiskalkulation, Selbstkostenrechnung.

Herstellkosten

Die Herstellkosten umfassen Material- und Fertigungskosten. Das bedeutet, dass sie sämtliche anfallenden Kosten der eigentlichen Herstellung des Produktes umfassen.

Selbstkosten

Die Selbstkosten sind die um Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten erweiterten Herstellkosten und entsprechen gleichzeitig der langfristigen Preisuntergrenze.

Verkaufspreis

Nur wenn der Verkaufspreis höher ist als die Selbstkosten, kann das Unternehmen einen Betriebsgewinn erzielen.

Beispiel

Nachfolgend wird ein Kalkulationsschema anhand eines praktischen Beispiels erläutert:

In diesem Fall handelt es sich um eine sogenannte mehrstufige (differenzierte) Zuschlagskalkulation, da Gemeinkosten auf unterschiedlichen Ebenen (Material, Fertigung, VuV) auf die entsprechenden Einzelkosten aufgeschlagen werden.

Ausgangsbasis

Ein Crêpes-Stand produziert jeden Tag 200 Crêpes der gleichen Sorte her und verkauft diese zu einem Preis von je 3 Euro. Für die Herstellung eines Crêpes wird 100 Gramm Mehl zu 0,10 Euro, 1 Ei zu 0,05 Euro, 100 Milliliter Milch zu 0,10 Euro und 20 Gramm Marmelade zu 0,10 Euro benötigt.

Die Zutaten werden in einem gemieteten Kühlschrank gelagert, der tägliche Kosten in Höhe von 10 Euro verursacht.

Die Fertigung eines Crêpes nimmt 6 Minuten in Anspruch. Dem Crêpes-Bäcker wird ein Stundenlohn von 10 Euro gezahlt.

Folgende weitere Kosten fallen bei der Crêpe-Produktion an:

  • Abschreibung des Crêpe-Herds 5 Euro pro Tag
  • tägliche Standmiete von 20 Euro
  • allgemeine Verwaltungsgemeinkosten für Buchhaltung, Personal etc.: 50 Euro pro Tag
  • Vertriebskosten für Werbe- bzw. Marketingmaßnahmen: 15 Euro pro Tag
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Ermittlung der Herstellkosten und der Selbstkosten

Materialeinzelkosten = Mehl 0,10 + Ei 0,05 + Milch 0,10 + Marmelade 0,10 = 0,35 Euro
Materialkosten = Materialeinzelkosten + Materialgemeinkosten = 0,35 + 14,3% × 0,35 = 0,40 Euro

Fertigungseinzelkosten = 1 Minute 10 / 60 × 6 Minuten = 1 Euro
Fertigungskosten = Fertigungseinzelkosten + Fertigungsgemeinkosten = 1 + 12,5% x 1 = 1,125 Euro

Herstellkosten = Materialkosten + Fertigungskosten = 0,40 + 1,125 = 1,525 Euro

Selbstkosten = Herstellkosten + Verw.-GK + Vertr.- GK = 1,525 + 16,4% × 1,525 + 5% × 1,525 = 1,85 Euro

Berechnung der Gemeinkostenzuschlagssätze

Die Materialgemeinkosten (Kühlschrankmiete) werden als Zuschlagssatz auf die Materialeinzelkosten berechnet: 10 / (200 × 0,35) = 14,3%

Die Fertigungsgemeinkosten (Abschreibung Crêpe-Herd und Standmiete) werden als Zuschlagssatz auf die Fertigungseinzelkosten berechnet: (5 + 20) / (200 × 1) = 12,5%

Die Verwaltungsgemeinkosten und die Vertriebsgemeinkosten werden als Zuschlagssätze auf die Herstellkosten berechnet und betragen 50 / (200 × 1,525) = 16,4% bzw. 15 / (200 × 1,525) = 5%

Betriebsgewinn

Der Unternehmer erzielt immer dann einen Gewinn, wenn er die Crêpes zu einem Preis verkauft, der höher als ist die Selbstkosten von 1,85 Euro.

In diesem Beispiel beträgt der Betriebsgewinn pro Tag: 200 Stück × (3,00 – 1,85) = 230 Euro

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