Maßgeblichkeitsprinzip in ReWe leicht erklärt + Beispiel

Das Maßgeblichkeitsprinzip besagt, dass die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) auch für die Steuerbilanz gelten. Wertansätze der Handelsbilanz werden somit für die Steuerbilanz übernommen. Dies streben insbesondere kleine Unternehmen an.

Vorsicht ist geboten, wenn Handels- und Steuerrecht unterschiedliche Vorschriften vorsehen. So sieht beispielsweise das Handelsrecht verbindlich vor für drohende Verluste Rückstellungen zu bilden, das Steuerrecht hingegen verbietet dieses.

Im Vorfeld der Erstellung ist Folgendes zu überprüfen:

Liegt eine handelsrechtlich verbindliche Vorschrift vor, steuerrechtlich gilt gleichlautendes oder es ist nicht geregelt, dann entspricht die Steuerbilanz der Handelsbilanz

Liegt eine handelsrechtlich verbindliche Vorschrift vor, steuerrechtlich liegt eine anderslautende verbindliche Vorschrift vor dann muss der Ausweis in der Steuerbilanz entsprechend der steuerlichen Vorschrift erfolgen.

Liegt handelsrechtliches Wahlrecht vor, steuerlich eine verbindliche Vorschrift, dann erfolgt die Steuerbilanz entsprechend der Vorschrift. Der Ausweis in der Handelsbilanz kann bei Ausübung des Wahlrechts unabhängig davon sein.

Beispiel Maßgeblichkeit

Für ein laufendes Verfahren, dass erst im nächsten Jahr abgeschlossen wird, rechnet das Unternehmen mit Aufwendungen für Rechtsanwaltskosten in Höhe von 5.000 Euro. Das Unternehmen bildet eine Rückstellung in entsprechender Höhe. Somit wird der Gewinn des Unternehmens um 5.000 Euro gemindert.
In der Steuerbilanz wird diese Rückstellung durch das Maßgeblichkeitsprinzip anerkannt.

Beispiel Durchbrechen der Maßgeblichkeit

Bei schwebenden Geschäften müssen nach § 249 Abs. 1 HGB Drohverlustrückstellungen gebildet werden. Als schwebende Geschäfte sind solche zu verstehen, bei denen die Leistung im ausgewogenen Verhältnis zur Gegenleistung steht. Z. B. Miete für einen Fitnessraum. Sollten nun weniger Fitnesskurse gebucht werden, muss die Miete trotzdem weiterhin in gleicher Höhe gezahlt werden. In diesem Falle sieht das Handelsrecht eine Drohverlustrückstellung (vorweggenommener Verlust) vor. Das Steuerrecht verbietet dies allerdings und durchbricht hiermit die Maßgeblichkeit. Die Steuerbilanz weist den drohenden Verlust nicht aus. Der steuerlich maßgebliche Gewinn ist in der Steuerbilanz also höher als in der Handelsbilanz.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here