Mindestbestand berechnen – Anleitung, Beispiel & Tipps

Mindestbestand berechnen

Gute Lagerhaltung verfolgt immer verschiedene Ziele. Eines der wichtigsten Ziele hierbei ist natürlich die sachgerechte Lagerung der Warenbestände. Dabei soll die Ware gut geschützt, ordentlich verstaut, übersichtlich archiviert und leicht erreichbar sein.
Doch neben diesen physikalischen Ansprüchen wird von einer effektiven Lagerführung auch erwartet, dass Waren stets verfügbar sind. Idealerweise ist die Ware stets schon nachbestellt, bevor sie ausgegangen ist. So wird ein Lieferengpass im Vorfeld vermieden und niemand muss unnötige Wartezeiten in Kauf nehmen.
Um Waren stets verfügbar zu halten, muss natürlich eine Vorplanung durchgeführt werden. Diese Vorplanung wird mittels sogenannter Lagerkennziffern durchgeführt. Solche Kennziffern erfüllen eine große Fülle unterschiedlicher Funktionen. Dieser Text beschäftigt sich mit dem Mindestbestand, einer wichtigen Kennziffer in der Lagerhaltung.

Was der Mindestbestand erreichen soll

Der Mindestbestand ist auch als eiserner Bestand oder Sicherheitsbestand bekannt. Seine Aufgabe ist es, im Falle von Lieferschwierigkeiten oder anderen unvorhergesehenen Ereignissen den Lieferausfall zu verhindern. Solche Schwierigkeiten könnten beispielsweise durch eine verspätete Lieferung verursacht werden. Der Mindestbestand soll solche Verzögerungen abfedern und muss dementsprechend auch immer vorrätig sein und ordentlich gepflegt werden. Gerade bei Waren mit Haltbarkeitsdaten ist hier besondere Sorgfalt geboten.

Wie man den Mindestbestand errechnet

Die Errechnung des Mindestbestandes ist als Formel denkbar einfach.

Mindestbestand = Tagesverbrauch * durchschnittliche Lieferzeit

Dies bedeutet, dass ermittelt werden muss, wie viele Einheiten der jeweiligen Ware täglich verbraucht werden und wie lange die durchschnittliche Lieferung dieser Ware ab Bestellung benötigt. Zur Verdeutlichung hier ein einfaches Beispiel.

Ein Versandhandel verkauft pro Tag 5 Briefbeschwerer. Die Lieferfirma benötigt stets 10 Tage für ihre Lieferung.

Aus diesen Zahlen lässt sich nun ganz einfach ein Mindestbestand ermitteln.

Mindestbestand Briefbeschwerer: 5 (Tagesverbrauch) * 10 (Lieferzeit in Tagen) = 50 Stück

Daraus ergibt sich, dass der Versandhandel aus dem Beispiel stets 50 Briefbeschwerer auf Lager halten muss, um in jedem Falle lieferfähig zu bleiben.

Der Mindestbestand in der Praxis

Das Beispiel hat bereits angedeutet, dass die tatsächliche Menge des Mindestbestandes keine völlig einfach definierbare Größe ist. Der durchschnittliche Absatz und die durchschnittliche Lieferzeit müssen genauestens überwacht und beobachtet werden, um den Mindestbestand auf einer idealen Größe zu halten. Denn letzten Endes handelt es sich bei dem Mindestbestand immer um eine Kennziffer, welche letzten Endes auf Einschätzungen beruht.

Risiken von zu hohen und zu niedrigen Mindestbeständen

Ein zu hoher Mindestbestand bindet unnötig Kapital. Es liegt sehr viel Ware auf Lager. Dies führt zu sogenanntem „toten Kapital“. Dies bedeutet, dass Gelder des Unternehmens in Ware gebunden liegen, welche nicht verkauft wird. Schlimmer noch, auch ein zu hoher Mindestbestand muss ordentlich gepflegt und gelagert werden. Dies erzeugt auch einen Personalaufwand und somit weitere unnötige Kosten.

Der zu niedrig angesetzte Mindestbestand wiederum führt zu einem Lieferausfall. In diesem Fall geht die Ware noch vor Eintreffen der Nachlieferung aus und ein Engpass entsteht. Das bedeutet, dass Kunden auf ihre Ware warten müssen oder betriebsinterne Prozesse still liegen müssen, weil Ware fehlt.

Diese Problematik verdeutlicht die wahre Schwierigkeit hinter dem Mindestbestand. Denn idealerweise ist er so niedrig wie möglich aber so hoch wie nötig. Und dieses Optimum lässt sich leider nicht allein durch eine simple Formel erreichen, sondern ist das Ergebnis von Erfahrung, sorgfältiger Kontrolle und Pflege eines Lagers.

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