Nachkriegsliteratur Epoche – Merkmale, Hintergründe & Literatur/Autoren

Die Literatur von 1945-1950 wird Nachkriegs- oder Trümmerliteratur genannt. Auch unter dem Namen Kahlschlagliteratur ist sie bekannt. Diese Namen kommen von den kahlen und von Bomben völlig zerstörten Städten. Die Werte, die Deutschland einst prägten, waren ebenfalls vollkommen ruiniert. Die extrem negativen Erfahrungen und Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und des damit verbundenen Nationalsozialismus beeinflussten die Literatur ungemein.
Autoren von besonderer Wichtigkeit waren: Bertolt Brecht (1898 – 1956), Heinrich Böll (1917 – 1985), Paul Celan (1920 – 1970), Wolfgang Borchert (1921 – 1947), Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) und Günter Grass (1927 – 2015).

Geschichte der Nachkriegsliteratur

Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos. Danach musste es sich vor der gesamten Welt verantworten und lernen, mit den Konsequenzen des eigenen Handelns zu leben. Besonders dramatische Folgen, an denen Deutschland die Schuld trug, waren der Holocaust und die weltweit über 60 Millionen Toten. Die Selbstwahrnehmung des Landes litt enorm darunter. Danach war Deutschland, verursacht von den vier Besatzungszonen, sowohl literarisch als auch politisch fast fünf Jahrzehnte in zwei Hälften gespalten.

West- und Ostliteratur zur „Stunde Null“

Der Sozialismus und der Antifaschismus waren in der Sowjetischen Besatzungszone, kurz SBZ, prägnante Themen. Drei der Leitfiguren dieser Bewegungen waren beispielsweise Bertolt Brecht, Anna Seghers („Das siebte Kreuz“) und Bruno Apitz („Nackt unter Wölfen“). Allesamt Autoren, die aus dem Exil zurückgekehrt waren.

Wolfgang Borchert, Heinrich Böll oder Günter Eich waren junge Autoren im westlichen Nachkriegsdeutschland. Im Vergleich zum Osten waren hier einige Autoren, wie zum Beispiel Erich Kästner und Hans Fallada, besonders laut, die während der NS-Zeit in Deutschland geblieben waren und der Inneren Emigration angehörten. Diese literarische Bewegung brachte den Essayisten und Dichter Gottfried Benn als großes Idol heraus.

Gruppe 47

Von 1947 bis 1967 gab es in der Bundersrepublik eine Gruppe, die Gruppe 47, bestehend aus Verlegern und Autoren, die einige Schriftstellertalente förderte und bekannt machte. Gründer der Gruppe 47 war Wolfdietrich Schnurre, der unter sich große Namen wie Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Uwe Johnson und Ingeborg Bachmann versammelte. Sinn der Gruppierung war das gegenseitige Lesen und Vorlesen nicht veröffentlichter Texte.

Lyrik

Während der spätere Kulturminister der DDR versuchte, Sonette populär zu machen, die an die alte Lyrik erinnerten, fanden hermeneutisch abgeschlossen wirkende Inhalte von Paum Celan grossen Anklang. Auch Günter Eichs „Inventur“ sorgte mit der Thematisierung seiner Kriegsgefangenschaft für Aufruhr und stieß auf Wohlwollen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Lyrik sehr vielfältig war, da auch die Zeit selbst viele Erfahrungen brachte und jeder andere Varianten nutzte, um sich angemessen auszudrücken.

Epik

Die meisten Autoren verfassten sehr ungern oder einfach gar keine Epik während der Nachkriegszeit, weil sie durch den Krieg und Deutschlands neu gewonnenen schlechten Ruf ihre Erzählstimme als nicht angemessen ansahen, um Prosa zu verfassen. Sie sahen sich als Teil der Täter-Generation. Daher verfassten eher Exilliteraten wie Thomas Mann („Doktor Faustus“, 1947)Prosa.
Die amerikanische „short story“ beeinflusste die deutsche Literatur sehr, weshalb Kurzgeschichten sich als zentrale Prosaform durchsetzten. Viele Autoren, aber besonders Siegfried Lenz und Heinrich Böll, sahen diesen Trend als Chance an, der Epik einen neuen Anstrich zu verpassen.
Wolfgang Borcherts Werke „Die Kirschen“ und „An diesem Dienstag“ sind Beispiele für ganz typische Trümmerliteratur, die sich meist mit Kriegserfahrungen beschäftigte.

Dramatik

Der Großteil der in Westdeutschland aufgeführten Stücke hatte das Ziel, sich von der ideologisch indoktrinierten Dramatik der NS-Zeit abzugrenzen. Spiele, die der Aufklärung und Klassik angehörten waren besonders beliebt. 1947 sorgte das Drama „Draußen vor der Tür“ von Borchert für Aufruhr. Es sprach besonders die entwurzelten, sich im eigenen Land fremd fühlenden Soldaten an, die aus dem Krieg zurückkehrten.
Später dominierten sowohl in der BRD als auch in der DDR ehemalige Exilanten wie Berthold Brecht.

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