Nathan der Weise – Inhaltsangabe / Zusammenfassung

Inhaltsangabe

»Nathan der Weise« ist ein von Gotthold Ephraim Lessing geschriebenes Drama, welches in der Periode des Dritten Kreuzzuges Ende des 12. Jahrhunderts spielt. Nathan, ein jüdischer Kaufmann, ist die Hauptperson. Er ist die Verkörperung von Toleranz, Menschenliebe und Religionsfreiheit und repräsentiert damit die Vorstellung der Aufklärung. Dabei gelingt es ihm, den Streit zwischen dem Christentum, Judentum und dem Islam aus der Welt zu schaffen. Die Uraufführung des Dramas fand 1783 in Berlin statt.

Als der wohlhabende jüdische Kaufmann Nathan von seiner Geschäftsreise nach Hause kommt, erfährt er, daß in seinem Haus ein Brand ausgebrochen war, in welchem ein Tempelherr christlichen Glaubens seiner Tochter Recha das Leben rettete. Der Tempelherr seinerseits war zusammen mit zwanzig anderen Ordensritter vom Sultan gefangen gehalten und wurde als einziger begnadigt, denn er gleicht Assad, dem verschwundenen Bruder des Sultans.

Nathan sendet die christliche Amme seiner Tochter Recha mit einer Einladung zum Tempelherrn, um ihm seinen Dank auszusprechen, Recha gerettet zu haben. Von diesem erfährt er jedoch Ablehnung, weil er sich weigert, mit Juden Beziehungen zu unterhalten. Nathan bleibt aber stur. Als er den Tempelherrn auf der Straße antrifft, spricht er ihn an. Während sich der Ordensritter anfänglich kalt und distanziert gibt, kann er Nathans offenem und tolerantem Charakter mit der Zeit nicht mehr widerstehen.
In der Zwischenzeit überlegt der Sultan sich Möglichkeiten, Christen und Muslime zu versöhnen. Er ist sich bewußt, daß dies ein schwieriges Unterfangen wird. Er besitzt nur wenig Geld, mit welchem er es nicht schaffen kann, die Gegenparteien zum Frieden zu überreden. Als er beginnt, einen Kreditgeber zu suchen, bestellt er Nathan in den Palast und fragt ihn, welche Religion seiner Meinung nach die „Wahre“ sei. Nathan sieht sich einer gefährlichen Falle ausgesetzt, denn die falsche Antwort wird ihn sein Leben kosten. So beginnt er, dem Sultan die uralte Geschichte der „Ringparabel“ zu erzählen.

In der Ringparabel handelt es sich um eine Familie, die im Besitz eines besonderen Ringes ist, welcher von jeder Generation zur nächsten an den Lieblingssohn vererbt wird. Ein Vater von drei Söhnen kann nicht festlegen, wem er den Ring vererben soll, denn er liebt alle drei Söhne in demselben Maße. So fertigt er zwei Duplikate vom Ring an und schenkt den Söhnen die drei ununterscheidbaren Ringe. Als der Vater stirbt, bricht zwischen den Brüdern ein heftiger Streit aus. Sie wenden sich an einen Richter, um den echten Ring zu identifizieren. Der Richter will ihnen keine Antwort geben und schließt sein Urteil damit ab, daß jeder Bruder seinen Ring als den „Wahren“ auffaßen sollte, weil jeder der drei Ringe einen Spiegel der Liebe ihres verstorbenen Vaters verkörpern. Mit den Religionen verhalte es sich ebenso.

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Die Ringparabel überwältigt den Sultan, welcher daraufhin mit Nathan Freundschaft schließen möchte. Zur gleichen Zeit begibt sich der Tempelherr zu Nathans Haus und findet dort Recha und Daja vor. Er merkt, daß sich eine Liebe zu Recha entfaltet, und sondert sich ab.

Als er seine Gefühle für Recha nicht mehr unterdrücken kann, hält er um ihre Hand an, ungeachtet dessen, daß sie nicht derselben Religion angehören. Nathan fragt bei einem der Klosterbrüder nach, woher der Tempelherr kommt. Gleichzeitig verabredet sich Daja mit dem Tempelherrn, um ihm mitzuteilen, daß Nathan nicht Rechas leiblicher Vater ist. Recha ist seine Pflegetochter und gehört überdies dem christlichen Glauben an.
Der Tempelherr und Nathan treffen im Sultanspalast aufeinander. Dabei zeigt Nathan dem Sultan ein Abstammungsbuch, welches ihm ein Klosterbruder gegeben hat. Der Sultan erfährt, daß der Tempelherr Rechas Bruder ist und daß der leibliche Vater der Geschwister sein verschwundener Bruder Assad ist.

Da nun der Sultan muslimischen Glaubens Onkel der Pflegetochter eines jüdischen Kaufmanns und einem christlichen Tempelherrn ist, sind die drei Weltreligionen Teil derselben Familie.

Interpretationsansatz

»Nathan der Weise« zeigt die Spannungen zwischen dem Christentum, Judentum und Islam, welche auch heute aktuell ist. Nathan verkörpert dabei Toleranz und Menschenliebe und veranschaulicht, daß so Konflikte beseitigt werden können. Mit der Ringparabel und dem Ende des Stücks wird ersichtlich, daß die drei Weltreligionen Teil derselben Familie sind und so in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. Sie sind gleichwertig und haben alle dasselbe Recht auf Dasein.

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Autor(in) des Artikels:

mm
studiert Lehramt an Gymnasien mit den Hauptfächern Deutsch und PoWi ( Universität Kassel )

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