Novelle schreiben: Merkmale, Aufbau & Gliederung

Besondere Merkmale einer Novelle

Eine Novelle ist eine Erzählung der besonderen Art. Während sich der Begriff „Novelle“ klar aus dem italienischen übersetzen lässt (Novella = Neuigkeit), gelingt das bei der Definition der Novelle an sich nicht so einfach.
Mit dem Statement;
eine Novelle sei eine Erzählung,
liegt man zwar grundsätzlich richtig, wird ihr aber keineswegs gerecht. Novellen sind sehr komplexe Erzählungen und genauso komplex sollte auch ihre Beschreibung sein. Möchte man es mathematisch zum Ausdruck bringen, könnte man sagen, eine Novelle ist eine Steigerung der klassischen Kurzgeschichte, aber lange nicht so umfangreich wie ein Roman;
Kurzgeschichte < Novelle < Roman.
Kurz zusammengefasst ist eine Novelle also eine Erzählung, die länger ist als eine Kurzgeschichte aber deutlich kürzer als ein Roman. Im Gegensatz zur Kurzgeschichte hat sie keine knappe Einleitung – hier findet sich der Leser schnell im Zentrum der Geschichte wieder.
Die Novelle hingegen nimmt sich Zeit, beschreibt die Hauptfigur intensiv und gibt dem Leser dadurch Gelegenheit, eine Beziehung zum Protagonisten aufzubauen. Sie spielt mit der Sprache und ist bildhaft. Novellen sind Dichterkunst und verfügen über eine gewisse Dramaturgie und Melancholie.

Hinweis:

Durch diesen Beitrag möchten wir Ihnen die typischen Merkmale einer Novelle verdeutlichen und mithilfe einiger Beispiele belegen, wie sich die aufgezeigten Merkmale in der Novelle widerspiegeln.

Die markanten Merkmale einer Novelle

Ein auffälliges Kriterium einer Novelle ist ihr ausgezeichneter Lesefluss.
Novellen lassen sich zügig lesen. Die bildhafte Sprache wirkt zu keinem Zeitpunkt schwer. Dies gelingt vor allen Dingen durch die Tatsache, dass die Novelle aus nur einer Haupthandlung besteht, welche die gesamte Erzählung dominiert und sich irgendwann zuspitzt.
Aus diesem Grunde haben wir die konkreten Merkmale einer Novelle in simpler Listenform erstellt, um eine leichte Übersicht zu gewährleisten und so eine ähnliche Wirkung zu erzielen wie beim Lesen einer Novelle selbst.
Wir haben uns zusätzlich zu den Auflistungen ausführliche Anmerkungen und Hinweise vorbehalten, denn auch das charakterisiert eine Novelle;
eine intensive Ausformulierung!

Merkmale einer Novelle in Stichpunkten

  • – meist nur eine Haupthandlung vorhanden
  • – wenige Protagonisten
  • – in der Regel eine Hauptfigur
  • – die Hauptfiguren sind oft einsame Aussenseiter
  • – eine Begebenheit/ein Konflikt wird beschrieben
  • – Konflikte werden komplett ausformuliert und teilweise hinterfragt
  • – die Begebenheit/der Konflikt wird zum Wendepunkt der Geschichte, der alles verändert
  • – zum Ende hin erfolgt eine dramatische Steigerung
  • – die Handlung ist auf das Wesentliche beschränkt und geschlossen (kein offenes Ende)

Sprachliche Mittel: Metaphern, Vergleiche.
Novellen sind oft in der „Ich-Form“ aus Sicht eines der Protagonisten erzählt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Novelle „Katz & Maus“ von Günter Grass.
Die Haupthandlung ist die Beziehung der beiden Schulkameraden Mahlke und Pilenz zur Zeit des 2. Weltkrieges in Danzig.
Die Protagonisten sind ebenfalls die Schüler Mahlke und Pilenz, von denen Mahlke die Hauptrolle spielt.
Der Schüler Mahlke ist ein Einzelkind und zudem ein Halbwaise. Er fühlt sich oft einsam und gilt als Aussenseiter.
Durch ein spezielles äußeres Merkmal (auffälliger Adamsapfel, den er durch Schmuck zu verdecken sucht, ihn aber dadurch nur hervorhebt) empfindet er sich selbst zusätzlich als Sonderling.

Seiner Aussenseiterrolle versucht Mahlke durch sportliche Höchstleistungen zu entkommen.
Seine ungestillte Sucht nach Anerkennung treibt ihn schließlich als Panzergrenadier in die Schlachten bei Kursk und Charkow.
Der dramatische Höhepunkt der Geschichte ist die Tatsache, dass Mahlke kriegerischen Handlungen gegenüber im Grunde keinerlei Bedeutung beimisst – Krieg an sich steht im direkten Gegensatz zu seiner inneren Einstellung. Er wird zum Jäger, ist aber eigentlich selbst der Gejagte.

Aus einer einfachen Thematik (Zentrales Element: Aussenseiter kämpft um Anerkennung und setzt sich selbst unter Druck) wird eine dramatische Entwicklung. Trotz aller Versuche verändert sich Mahlke im Verlaufe der Geschichte nicht.
Erzählt wird diese Novelle rückblickend von Mahlkes Schulkameraden Pilenz.

Die Symbolik dahinter ist so einfach wie anspruchsvoll:

Du kannst keine Anerkennung erlangen, wenn Du selbst Dich und Deine Herkunft nicht anerkennst – nur wer sich selbst liebt, wird auch geliebt.

Eine Novelle ist niemals eine Erzählung von alltäglichen Situationen. Ihr liegen prinzipiell besondere Begebenheiten zugrunde, die aber wiederum nicht abstrakt, sondern glaubhaft und nachvollziehbar sind. Durch die Schauplätze der Handlungen (Kriegsgebiete/strenge Internate/spartanische Räumlichkeiten) erhält die Erzählung eine hohe Dramaturgie.

Während der Leser wenig Hintergrundinformationen zum Hauptakteur erhält, wird das Seelenleben desselbigen genau durchleuchtet. Nach aussen hin wirkt der Charakter stark und mutig – im Inneren ist er schwach und zerrissen und wird wie ferngesteuert, von dunklen Mächten getrieben (in „Katz & Maus“ versucht Mahlke vermeintliche Defizite durch besondere Verdienste zu kompensieren).

Die Novelle selbst bleibt klar strukturiert und verliert niemals den Hang zur Realität, obwohl manche Entwicklungen unlogisch erscheinen. Untermauert wird die Aussage der Novelle durch starke Bilder und Symbole(Metaphern).

Allgemeine Hinweise zur Novelle und ihrer Einordnung

Zusammenfassend gesehen handelt es sich bei einer Novelle tatsächlich um eine
normale Erzählung (Prosa) mit einem realistischen Ereignis als Handlung. Dieses Ereignis ist dabei zwar durchaus nachvollziehbar, wirkt aber auf den Leser dennoch suspekt und teilweise infarm und skandalös.

Die Schreibweise selbst ist sehr straff und klar strukturiert. Rückblenden und Verweise auf zukünftige Geschehnisse bleiben meist aussen vor. Das eigentliche Geschehen ist der dominante Part und steht klar im Vordergrund. Stationäre Beschreibungen und sich langsam entwickelnde Situationen schließen sich somit quasi aus.
Die Handlung läuft zielstrebig auf einen schicksalhaften Wendepunkt hinaus, welcher trotz einiger Vorankündigungen
(Antizipationen – Vordeutungen) für den Leser überraschend erscheint.
Novellen beschränken sich auf
das Wesentliche – Nebensächlichkeiten haben keinen Platz. Durch diese zügige Erzählform wird der Lesefluss nachhaltig erhöht.

Der Erzähler selbst tritt total in den Hintergrund und nimmt sich vollständig zurück. Er ist eher als das Sprachrohr des Hauptcharakters zu verstehen.
Die Protagonisten charakterisieren sich durch die Figurenrede selbst.

Novellen sind hochgradig moralisierend.

Bei einem Roman oder einer Kurzgeschichte ist die Wahrheit in der Geschichte selbst zu finden – bei einer Novelle hingegen ist die Wahrheit auch ausserhalb dieser Erzählung gültig (Hass säht Hass).
Das hat sie mit einer Parabel, einer Fabel oder einem Märchen gemein.

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