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Pro & contra Argumente für/gegen das Gendern

Pro & contra Argumente für/gegen das Gendern

Das Gendern ist in aller Munde – und spaltet die Gesellschaft wie kaum ein anderes Thema in Befürworter und Gegner. Nachfolgend sollen Argumente gefunden werden, die für beide Seiten möglichst objektiv das Für und Wider des linguistischen Sternchens (*) erörtern.

Das Gendern ist in aller Munde – und spaltet die Gesellschaft wie kaum ein anderes Thema in Befürworter und Gegner. Nachfolgend sollen Argumente gefunden werden, die für beide Seiten möglichst objektiv das Für und Wider des linguistischen Sternchens (*) erörtern.

Pro Gendersprache: Alle Menschen verdienen Respekt und Anerkennung

Der wohl wichtigste Grund für die Anwendung der Gendersprache ist die Würde des Menschen. Diese ist laut Grundgesetz Artikel 1 unantastbar und wird für gemeinhin viel zu oft verletzt. Schluss damit! Frauen und Männer – und jene Menschen, die sich nicht in einer dieser typischen Geschlechterrollen vertreten fühlen, verdienen den nötigen Respekt. Dieser sollte sich möglichst in der Anrede und auf dem Papier widerspiegeln. Anerkennung und Würde eines jeden Menschen finden somit in der Gendersprache Berücksichtigung.

Pro Gendersprache: Alte Klischees und Denkmuster begraben

Zeiten ändern sich. Damit ist klar, dass sich auch die Sprache in einem ständigen Wandel befindet und sich den gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten anpasst. Die Zeiten, in denen sich Vorurteile bis zu einem gewissen Grad auch in der Sprache niederschlugen, gehören der Vergangenheit an. Fußball wird nicht nur von Männern gespielt und wenn einst von ‚Arbeitnehmern‘ die Rede war, wurde eine Hälfte schlicht vergessen, obwohl doch auch Frauen einer Arbeit nachgehen.

Pro Gendersprache: Sprache verbindet Menschen

Unsere moderne Gesellschaft ist bunt und divers. Dieser Aspekt beinhaltet sämtliche Formen des menschlichen Zusammenlebens. Wer Toleranz predigt, muss diese auch nachweisen können – und wo könnte der verbindende Charakter des sozialen Lebens eindrucksvoller zum Ausdruck kommen, als in der Kommunikation? Das Gendersternchen, wahlweise auch der Doppelpunkt oder inkludierende Sprache verbindet Menschen, die bis dato zumindest auf dem Papier nicht dazugehörten. Veränderung beginnt mit Sprache. Dieser Umstand wurde viel zu lange vernachlässigt.

Contra Gendersprache: Verunstaltung der Sprache

Es ist wohl das Hauptargument der Gendergegner. Sobald das ominöse Sternchen in der Zeitung oder beim Surfen im Internet aufblinkt, macht sich eine seltsame Erregung breit. Es ist das Gefühl, die eigene Sprache zu verlieren, sie gar kaum wiederzuerkennen. Sprache ist seit jeher Geschmackssache. Jene, die rein gar nichts mit der Gendersprache anfangen können, sind zumeist im konservativen Bereich einzuordnen und mögen sich ihre Sprache so beizubehalten, wie sie sie erlernt haben. Sterne sind hier nur am Himmel, nicht aber auf dem Papier zu suchen. Aus der Sicht der Gendergegner ist das Gerndern reinste Verunstaltung der deutschen Sprache.

Contra Gendersprache: Dem Geschlecht wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt

Was paradox klingt, ist in Wahrheit kein Widerspruch, denn in der Tat stellt sich beim Gendern die permanente Geschlechterfrage und damit kann die eigentliche Intention der Gleichstellung von Mann und Frau die gegenteilige Wirkung erzielen, nämlich den zwanghaften Fokus auf das Geschlecht der Menschen richten. Genau jenes Geschlecht sollte doch eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielen und Menschen nicht danach ausrichten. Aus diesem Grund erinnert das Gendern permanent an das ursprüngliche Problem und lässt einen ‚Alltag‘ der Geschlechterüberwindung kaum zu. Dieses Paradoxum scheint kaum lösbar zu sein.

Contra Gendersprache: Übertriebene Förmlichkeit

Für Gendergegner spielt nicht nur das aus ihrer Sicht unsympathische Sternchen an sich eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass förmliche Aspekte Überhand nehmen. Ab einem gewissen Grad können Förmlichkeiten als störend, bisweilen sogar nervtötend betrachtet werden. Diese stören nicht nur den Lesefluss, sondern lassen das Leseerlebnis in den Hintergund rücken, besonders dann, wenn häufig von der Gendersprache Gebrauch gemacht wird. Der Fokus liegt dann auf dem Geschlecht der Akteurinnen und Akteure des Texts und nicht länger auf relevanten inhaltlichen Themen.

Abschließend stehen sich die Fürsprecher und Gegner des Genderns wohl unversöhnlich gegenüber. Dies hat mit tiefen inneren Überzeugungen zu tun, wenngleich die oben aufgeführten Argumente durchaus logische Gründe für das Verhalten beider Seiten offenbaren. Letztenendes gibt es bei dieser Thematik kein ‚richtiges‘ oder ‚falsches‘ Argument. Es ist – wie bei vielen anderen Dingen des Lebens – eine Frage des persönlichen Standpunktes. Möglicherweise ist gerade das Beharren auf den jeweiligen Standpunkten das größte Problem auf beiden Seiten. Wenn sich die Gender-Fronten so dermaßen verhärten, kann daraus kaum Einigkeit entstehen. EIn Konsens beginnt stets mit dem Verständnis der jeweils anderen Seite. Bis es soweit kommt, wird noch viel Zeit verstreichen und ganz gewiss werden viele Nerven blank liegen. Das Sternchen ist nun Realität. Für die Gendergegener gibt es nur einen Trost: Die Sterne am Himmel bleiben ihnen trotzdem erhalten.

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Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 5. August 2022 von