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Pro & contra Argumente für/gegen ein Tempolimit

Pro & contra Argumente für/gegen ein Tempolimit

In der Autofahrernation Deutschland führt die Debatte um ein Tempolimit schnell zu Unsachlichkeit und hitzigen Vorwürfen. Dabei gibt es für beide Seiten gute Argumente, die hier sachlich dargestellt werden.

In der Autofahrernation Deutschland führt die Debatte um ein Tempolimit schnell zu Unsachlichkeit und hitzigen Vorwürfen. Dabei gibt es für beide Seiten gute Argumente, die hier sachlich dargestellt werden.

Mit dem Begriff Tempolimit ist meist die zuletzt im Bundestagswahlkampf 2021 vor allem von den Grünen geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h auf Autobahnen gemeint. Das wird im Folgenden den Schwerpunkt bilden. Ein Tempolimit kann sich aber auch auf Landstraßen (80 statt 100 km/h) oder innerstädtische Wege (30 statt 50 km/h) beziehen.

Argumente für ein Tempolimit

Wir wissen seit Jahren, dass der Klimawandel ein ernsthaftes Zukunftsproblem darstellt und sich mit Extremwetterlagen auch schon in der Gegenwart auswirkt. Um noch größeren Schaden zu vermeiden, müssen Maßnahmen zur Reduktion des C02-Ausstoßes ergriffen werden. Während große Reformprozesse in der Industrie und dem Gebäudesektor nicht in wenigen Wochen umsetzbar sind, wäre ein Tempolimit genau das: eine schnelle, sofort wirksame Maßnahme.
Sie hätte große Signalwirkung und könnte zeigen, dass die Zeit des Redens vorbei ist und wir es ernst meinen mit Klimaschutz. Eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2020 zeigt, dass pro Jahr ca. 1,9 Millionen Tonnen C02 gespart werden können. Bei einem Tempolimit auch auf Landstraßen würde sich die Zahl sogar noch erhöhen.

Des Weiteren kommt ein Sicherheitsaspekt dazu: aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts der letzten Jahre geht hervor, dass auf Streckenabschnitten ohne Tempolimit erhöhte Geschwindigkeit eine häufige Unfallursache war – mit Werten zwischen 40 und 45 Prozent nimmt sie die vorderen Plätze bei den Unfalltoten auf Autobahnen ein. Die Schlussfolgerung ist klar: ein Tempolimit kann Menschenleben retten und die Zahl schwerer Unfälle signifikant reduzieren.

Ausgehend vom Sicherheitsgedanken ergibt sich gleich ein weiterer Aspekt: entspannteres Fahren ohne Raser und Drängler. Wer hat nicht schon selbst erlebt, wie ein von hinten schnell heranrauschender Audi oder BMW-Fahrer plötzlich die Lichthupe zieht und sehr dicht auffährt, während wir noch den LKW überholen? Solche Situationen würde es nicht geben, wenn keiner schneller als 130 km/h fährt.

Argumente gegen ein Tempolimit

Aus liberaler Sicht ist das Tempolimit der Ausdruck einer Verbotskultur, die mit Vorschriften und Regeln in die individuelle Freiheit eingreift. Als hohes Gut unserer Verfassung kann Freiheit nicht einfach beschränkt werden, sondern jeder Eingriff muss verhältnismäßig sein.

Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit ist ein Schlüsselgedanke, aus dem sich die Gegenargumente zu den oberen Aspekten bezüglich Sicherheit und Klimaschutz ableiten lassen.

Der Klimawandel ist ein globales Problem und es wäre vermessen, zu glauben, Deutschland könnte allein einen Beitrag zu dessen Schutz leisten. Das ganze Land hat einen Anteil von 2% am globalen CO2-Ausstoß, davon entfällt nur ein Teil auf den Verkehrssektor und davon wiederum nur ein Teil auf den Autoverkehr auf Autobahnen. Die 1,9 Millionen Tonnen gespartes CO2 sind der bekannte Tropfen auf dem heißen Stein (nach Angaben des ADAC 3% im Verkehrssektor) und damit so unerheblich für das Weltklima, dass ein Eingriff in die Freiheit unverhältnismäßig wäre.

Außerdem gibt es durch technologischen Fortschritt Alternativen zu Verboten. Die Digitalisierung ist eine große Chance, mit intelligenten Leitsystemen und vernetzter Infrastruktur die Bildung von Staus zu reduzieren, denn das spart ebenso C02.

Auch beim Sicherheitsaspekt muss im Sinne der erwähnten Verhältnismäßigkeit differenziert werden: Autobahnen sind selbst ohne Tempolimit sicherer als Landstraßen, denn auf letzteren gibt es die meisten Unfalltoten. Das ist plausibel, denn auf Autobahnen ist überholen wesentlich sicherer als auf Landstraßen mit Gegenverkehr und Bäumen am Straßenrand. Daher stünde es in keiner Relation, auf nahezu leeren Autobahnen am frühen Morgen oder späten Abend jemandem vorzuschreiben, dass er nicht schneller als 130 km/h fahren darf, wenn die größte Gefahr mittags bei 80 km/h auf der Landstraße von einem gefährlichen Überholmanöver ausgeht.

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Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 5. August 2022 von