Profitcenter in BWL leicht erklärt + Beispiel

Profitcenter Definition

Als Profitcenter (Profit Center) wird eine interne Organisationseinheit bezeichnet, die unabhängig und dezentral gesteuert wird. Ein Profitcenter kann einerseits innerbetrieblich (z.B. als Profitcenter „Logistik“) oder auch extern am Markt (z.B. Profitcenter „Verkauf Skandinavien“) aktiv sein.

Ein wichtiges Merkmal des Profitcenters ist seine selbstständige Verantwortung hinsichtlich der Erreichung von Rentabilitäts- oder Gewinnzielen (Ergebnisverantwortung).

In den meisten Fällen ist das Profitcenter rechtlich unselbständig und wird nur rechentechnisch abgegrenzt.

Einteilung in Profitcenter

Das Unternehmen wird beispielsweise anhand folgender Kriterien in Profitcenter aufgeteilt:

  • Produkte, Geschäftszweige, Sparten, Segmente
  • Funktionen wie Herstellung, Vertrieb
  • Unternehmensstandorte, Niederlassungen, Länder

Die Bestimmung eines Profitcenters kann auch durch mehrere der erwähnten Merkmale erfolgen (z.B. „Vertrieb Deutschland“).

Der Leiter eines Profitcenters ist nicht nur für die anfallenden Kosten, sondern auch für die Erlöse verantwortlich (bzw. der Differenz).

Ziele einer Profitcenter-Organisation

Die Einteilung in Profitcenter ermöglicht es, für eigenständige Verantwortungsbereiche Ergebnisse zu ermitteln. Auf diese Weise wird die Konzernführung auf kleine, rechtlich unabhängige Einheiten innerhalb des Unternehmens („Unternehmen im Unternehmen“) delegiert.

Dies erlaubt ein Controlling der einzelnen Verantwortungseinheiten, die jeweils ein eigenes Betriebsergebnis ermitteln.

Verrechnung von Leistungen

Um Leistungen zwischen Profitcenters verrechnen zu können, legt das Unternehmen bestimmte Verrechnungspreise fest (z.B. zwischen dem Produktions- und Abfüllwerk einer Brauerei)

Dabei können diese auf folgenden Größen basieren:

Leistungsverrechnung auf Basis des Marktpreises

Voraussetzung für eine Verrechnung auf Basis von Marktpreisen ist, dass die jeweilige Leistung innerbetrieblich bezogen wird. Dies geschieht klarerweise nur dann, wenn ein externer Bezug teurer ist.

Beispiel: Ein Automobilwerk orientiert sich bei der Entscheidung über den Bezug des Getriebes vom Profitcenter Getriebewerk oder einem externen Lieferanten am Preis (und gegebenfalls an der Qualität).

Leistungsverrechnung auf Basis der Vollkosten

Werden für Verrechnung die kompletten Kosten des bereitstellenden Profitcenters berücksichtigt, spricht man von Verrechnung auf Vollkostenbasis. Der Nachteil dieser Verrechnungsmethode ist, dass im Vergleich zu Verrechnung auf Marktpreisbasis ein geringer Anreiz zum sparsamen Wirtschaften (Kosteneinsparung, Prozessoptimierung etc.) besteht.

Beispiel: Das Automobilwerk kauft das Getriebe vom Profitcenter Getriebewerk zum Preis der gesamten angefallenen Kosten in Höhe von 5.000 Euro. Nach der Verrechnung beträgt das Ergebnis des Profitcenters Getriebewerk 0 Euro.

Leistungsverrechnung auf Basis der Grenzkosten

Bei der Verrechnung auf Basis von Grenzkosten werden nicht sämtliche Kosten des bereitstellenden Profitcenters abgegolten. Das aufnehmende Profitcenter erstattet dabei nur die Grenzkosten bzw. die variablen Kosten. Das zuliefernde Profitcenter erzielt somit einen Verlust in Höhe der Fixkosten.

Beispiel: Das Automobilwerk kauft das Getriebe vom Profitcenter Getriebewerk zum Preis der Grenzkosten in Höhe von 3.000 Euro. Nach der Verrechnung beträgt das Ergebnis des Profitcenters Getriebewerk -2.000 (Verrechnungspreis 3.000 – Vollkosten 5.000).

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Autor(in) des Artikels:

mm

Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert.

Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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