Redeanalyse zu Barack Obamas „Yes we can“

Die nachfolgend analysierte Rede bezieht sich auf Barack Obamas Siegesansprache nach seinem ersten Wahlsieg bei der US-Präsidentschaftswahl am 9. November 2008. Nach der Präsidentschaft George W. Bushs sehnten sich die USA nach einem Neuanfang. Der Krieg im Irak beschädigte das Ansehen der USA und die Folgen der Weltfinanzkrise wurden gerade erst sichtbar. Mit einer Kampagne der Hoffnung, die die starke Polarisierung im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ verringern sollte, wurde Obama mit einer eindrucksvollen Mehrheit als Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Wie er dies geschafft hat, verrät auch seine Siegesansprache vor seinen Anhängern in Chicago. Wir analysieren in diesem Beitrag, was seine Rede ausmachte.

Erinnerung an die Gründerväter und Einbeziehung aller gesellschaftlicher Gruppen

Zu Beginn seiner Rede erinnert Obama an die Gründerväter der Vereinigten Staaten. Er verbindet dies damit, dass der amerikanische Traum, wonach jeder in Amerika die Chance hat, etwas aus seinem Leben zu machen, nach wie vor möglich ist. Er verbindet es mit einer Danksagung, wonach die Wähler teilweise bis zu vier Stunden warten mussten, um Ihre Stimme abgeben zu können.

Er betont, dass alle Menschengruppen in Amerika die Antwort, ob der amerikanische Traum noch möglich ist, gegeben haben. Er bezieht dabei Demokraten und Republikaner, Schwarze und Weiße, Junge und Alte und Reiche und Arme, um nur einige Beispiele zu nennen, gleichermaßen mit ein. Diese Gruppen bilden nicht nur eine eigene gesellschaftliche Gruppe, sondern sind gleichzeitig Teil der amerikanischen Gesellschaft und werden dies auch immer sein.

Dank an seine Gegner, seinen Vize und seine Frau

Er berichtet, dass ihm sein Gegner, Senator John McCain, am Abend zu seinem Wahlsieg gratuliert habe. Er würdigt McCain als einen amerikanischen Helden, der lange für das Land gekämpft hat, das er liebt. Er bietet McCain und seiner Kandidatin für das Vizepräsidentschaftsamt, der Gouverneurin von Alaska Sarah Palin an, gemeinsam für das Wohlergehen des Landes zu kämpfen und dankt Ihnen für den langen, aber fairen Wahlkampf.

Nach dem Dank an seinen Gegner richtet Obama ebenfalls dankende Worte an den zukünftigen Vize-Präsidenten Joe Biden und seine Frau Michelle Obama. Vor allem seiner Frau dankt er für die lange Unterstützung und bezeichnet Sie als die Liebe seines Lebens.

Dank an seine Unterstützer und Skizzierung der großen Herausforderungen der Zukunft

Anschließend preist Obama die Anfänge seiner Kampagne und vor allem die Unterstützung der vermeintlichen „einfachen Leute“. Er beschwört die Nation, dass die anstehenden Aufgaben das Land verändern werden. Vor allem die Bewältigung der Finanzkrise, die erst wenige Monate vorher Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, werde eine enorme Herausforderung für die Vereinigten Staaten sein. Auch die Vertreter des Militärs, vornehmlich die Soldaten, die gerade in Afghanistan und im Irak Ihr Leben riskieren, werden in seine Dankesworte mit aufgenommen.

Neben der Bewältigung der Finanzkrise und der Beendigung der Kriege im Irak und in Afghanistan beschreibt Obama weitere Herausforderungen. Die Erneuerung der Energieversorgung, die Schaffung neuer Arbeitsplätze, oder die Bewältigung neuer Bedrohungen gehören hinzu. Der zukünftige „Commander in Chief“ sieht die USA aber gut dafür gerüstet und blickt diesen Herausforderungen mit großem Optimismus entgegen.

Der Weg, den die USA laut Obama beschreiten müssen, wird laut seinen Angaben nicht leicht werden, voller Schwierigkeiten sein und manchmal auch in die Sackgasse führen. Der Wandel, den Obama im Wahlkampf versprochen hat, wird deshalb nicht über Nacht geschehen. Deshalb bittet Obama seine Landsleute, ihm weiterhin so vertrauensvoll zur Seite zu stehen und sich nicht verunsichern zu lassen, wenn dieser Wandel nicht sofort eintritt.

Er ist nicht nur der Präsident seiner Anhänger

Obama betont, dass er gerne der Präsident aller Amerikaner sein möchte. Er wird für jeden ein offenes Ohr haben und auch dessen Probleme in seiner Agenda mitberücksichtigen. Aber nicht nur Amerikaner, sondern Menschen quer über den gesamten Erdball, sind ihm wichtig. Alle Terroristen sind in seinen Worten die Feinde der amerikanischen Gesellschaft und alle diejenigen, die sich Sicherheit und Wohlstand von den USA versprechen, werden von ihm unterstützt werden. Grund hierfür ist, dass die amerikanischen Ideale wie Demokratie, Freiheit, Chancen und Hoffnung für jedes Land gelten.

Die Geschichte der USA sei voller Beispiele, die Obama Mut machen. Deshalb sieht er die USA gut gerüstet, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Deshalb ist sogar die Erneuerung des amerikanischen Traums auch in diesen schweren Zeiten laut Obama möglich. Zweifel sind dabei angebracht, aber wenn der Optimismus im Vordergrund steht, dann werden diese Zweifel nicht obsiegen, so Obama zum Abschluss seiner Rede, die er mit dem obligatorischen Aufforderung zum Gebet und der Preisung des Herrn beendet.

Die Sprachanalyse von Obamas Siegesansprache

Obama galt Zeit seiner Präsidentschaft immer als guter Rhetoriker. Diese guten rhetorischen Fähigkeiten wurden auch in seiner Siegesansprache vor seinen Anhängern in seiner Heimatstadt Chicago deutlich. Wichtigstes Instrument, mit dem er seine Anhänger auf die Zeit als Präsident vorbereitete, war eine große Ehrlichkeit in Verbindung mit einem hohen Optimismus und der Betonung der amerikanischen Werte.

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Er skizierte in seiner Rede die Herausforderungen, mit denen die USA im November 2008 konfrontiert waren. Die größte, auf die er in seiner Rede mehrfach zu sprechen kam, war die Eindämmung der internationalen Finanzkrise. Für wie bedeutsam er diese hält, wird schon an der ersten Erwähnung deutlich, direkt nach der Danksagung an seinen Konkurrenten John McCain, seinen Vize-Präsidenten Joe Biden und seiner Frau Michelle Obama.

Auch die Beendigung der Kriege im Irak und Afghanistan, der stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien, der besseren Finanzierbarkeit eines Studiums und der Schaffung neuer Arbeitsplätze, wird von Obama als sehr bedeutsam eingeschätzt. Diese Probleme, die er anspricht, stellen erstens eine gewaltige Herausforderung dar und sind durchaus geeignet, seine Präsidentschaft nach vier Jahren zu beenden. Doch mit dem großen Erfolg seiner Kampagne im Rücken, sieht sich Obama in der Lage, diese Herausforderungen zu bewältigen. Dies wird vor allem dadurch deutlich, dass er sehr oft in seiner Rede Bezug auf die Kampagne nimmt.

Obama sieht Amerika aber sehr gut gerüstet, diese Herausforderungen zu meistern. Neben dem Optimismus, den er in seiner Kampagne erlebte, bezieht er sich dabei häufig auf die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Geschichte wird besonders deutlich am Leben von Ann Nixon Cooper, das er sehr ausführlich in seiner Siegesansprache erwähnt. Als Sie geboren wurde, war die Sklaverei gerade eine Generation beendet. Den New Deal von Roosevelt, um die Folgen der weltweiten Finanzkrise von 1929 abzuwenden, erlebte Sie hautnah. Als Amerika von Japan angegriffen wurde, und das Deutsche Reich einen Weltkrieg vom Zaun brach, erlebte Sie dies auch. Als die Amerikaner auf dem Mond landeten und der Eiserne Vorhang eingerissen wurde, war Cooper ebenfalls dabei. Obama will damit sagen, dass Amerika alle Herausforderungen, mit denen das Land konfrontiert war, bisher erfolgreich bewältigen konnte. Aus dieser erfolgreichen Geschichte, so Obama, kann Amerika die nötige Kraft schöpfen, um die keineswegs geringen Probleme in Zukunft zu meistern.

Aufgrund der Präsidentschaft George W. Bushs nimmt Obama in seiner Rede immer wieder Bezug zum amerikanischen Traum. Aufgrund der begonnenen Kriege in Afghanistan und im Irak ist das Ansehen der USA in der Welt stark beschädigt worden. Dieses Ansehen zu retten, und dabei die tiefen ideologischen Gräben zu überwinden, ist für Obama das wichtigste Ziel seiner Präsidentschaft. Deshalb betont er stets seine Überparteilichkeit, das heißt, er möchte nicht nur ein Präsident seiner Wähler sein, sondern aller Amerikaner, auch derjenigen, die ihn nicht gewählt haben. Das Volk ist deshalb nach seiner Ansicht vereint in dem Motto, dass seine Kampagne charakterisiert: Ja, wir können es schaffen.

Argumentationsanalyse seiner Rede

Das wichtigste Argument, mit dem er seine optimistische Botschaft an seine Unterstützer und das gesamte amerikanische Volk richtet, ist die Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Amerikaner, so Obama, sind mit den unterschiedlichsten Herausforderungen immer zurechtgekommen und konnten diese erfolgreich bewältigen. Dabei betont er, dass er ein Präsident aller amerikanischer Bürger sein möchte und spricht damit indirekt an, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in der Geschichte der Vereinigten Staaten großen Diskriminierungen ausgesetzt waren.

Vor allem aus der Geschichte leitet er seine optimistische Prognose ab, dass der Wandel in Amerika gelingen kann. Dabei warnt er aber vor Illusionen, denn dieser Wandlungsprozess erfordert viel Arbeit und Geduld. Mit großer Ehrlichkeit, die ihn auch davor schützen sollte, an den an ihn gestellten Erinnerungen zu scheitern, betont er den großen Herausforderungscharakter der gegenwärtigen Probleme im November 2008. Diese Agenda, die ihn im Oval Office erwartet, ist objektiv gesehen sehr groß. Doch die Aufbruchsstimmung, die er während der 21 Monate seiner Kampagne erlebte, stimmten ihn optimistisch, diese erfolgreich bewältigen zu können.

Fazit seiner Rede

Es gehört zu den Stilmitteln Obamas, den Optimismus abzuleiten, dass aufgrund der Geschichte der USA das Land jede Herausforderung bewältigen kann. Er ist sich dessen bewusst, dass er große Erwartungen erfüllen muss, die durch seinen klaren und deutlichen Wahlerfolg an Ihn gestellt wurden. Nach Jahren voller großer Herausforderungen versucht Obama, dem Land eine optimistische Zukunftsperspektive mit auf den Weg zu geben.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert. Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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