Reim: Alle Reim-Arten in der Übersicht + Beispiele

Ein Reim ist traditionell der Gleichklang des letzten betonten Vokals mehrerer, mindestens aber zweier Wörter. Abgesehen aber vom silbenreimenden Vokal, bei dem diese Definition greift, gibt es den sogenannten Lautreim, der sich im Vokal oder Konsonanten reimt.
Es wird grundsätzlich zwischen folgenden beiden Reimstellungen unterschieden:

– Silbenreim (Auch: Wortreim)
– Lautreim

Silbenreime

Silben-, beziehungsweise Wortreime benötigen mehr als nur einen Buchstaben, um sich zu reimen. Hier reimen sich entweder Silben oder ganze Wörter, aber auch Teile eines Kompositums.

Zu den Silben- und Wortreimen zählen:

– Schlagreim
– Binnenreim
– Anfangsreim
– Endreim

Reimen sich zwei unmittelbar aufeinander folgende Wörter innerhalb des gleichen Verses, spricht man von einem Schlagreim.

Beispiel:

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. (Rainer Maria Rilke, „Der Panther“)
Reimen sich Versende und ein Wort innerhalb des Verses (nicht zwangsgebunden direkt aufeinander folgend), handelt es sich um einen Binnenreim.

Beispiel:

Was sol ich dame in arken oder in barken (Walther von der Vogelweide, bedeutender Lyriker des Mittelalters)
Anmerkung: Auch bei dem Beispiel für den Schlagreim handelt es sich um einen Binnenreim.

Der Reim der ersten Wörter zweier unmittelbar aufeinander folgender Verse heißt Anfangsreim.

Beispiel:

Kann ich dich lieben?
Dann wecke ich dich.
Ein Überbleibsel der Christianisierung Mitteleuropas des 9. Jahrhunderts ist der Einfluss des Lateinischen auf die deutsche Sprache. Um 1200 entstand das Nibelungenlied, in welchem diese Entwicklung deutlich abgebildet ist:
Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen
Hier herrscht das Reimschema ababcdcd vor (a: mæren – b: geseit -> a: lobebæren – b: arebeit).

Abhängig vom Reim am Ende der Zeile unterscheidet man zwischen:

  • – reinen Reimen: Gleichklang des Vokals und Schlusskonsonanten
  • – unreinen Reimen: unsauberer Gleichklang der Vokale oder Schlusskonsonanten

Lautreime

Stabreime sind die ursprüngliche Form des Lautreims. Das althochdeutsche Hildebrandslied, verfasst um 800, beruht auf dem Anlaut der sogenannten Stammsilbe, die den Hauptton des Wortes umfasst.
Ik gihôrta dhat seggen,
dhat sih urhêttun ænon muotîn,
Hiltibrant enti Hadhubrant untar heriun tuêm.
Am Beispiel „Ik gihôrta dhat seggen“ lässt sich dies gut erkennen. Da Vorsilben keine Stammsilben haben können, „stabt“ bei „gihôrta“ nicht das g, sondern das h. Konsonanten staben nur dann, wenn der Laut gleich ist, Vokale können allerdings untereinander staben.
Anmerkung: Das „Staben“ ist der Reim mit einer anderen Silbe, sodass Anlaute betonter Silben bei folgenden Wörtern gleich oder ähnlich klingen.
Es folgt also, dass es nicht darauf ankommt, wie ein Wort geschrieben ist, sondern wie es gesprochen werden muss.

Beispiele:

Ein v kann mit f staben, ein k mit qu und x.
Der Stabreim tritt in Form von Kurz- und Langversen mit jeweils zwei oder drei Stäben auf.
Obwohl der Stabreim im Deutschen weitgehend vom lateinischen Endreim verdrängt wurde, findet er sich in unserer Alltagssprache wieder:
– Nacht und Nebel
– bei Wind und Wetter
Der Stabreim wird in der Lyrik häufig zur Kontrastierung genutzt.

Beispiel:

Carmen Sylva, Carmen Sylva,
Warum eiltest Du durch Breslau,
Ohne – durch ein Wort – zu gönnen,
Daß ich Dich begrüßen dürfe?
Ach, nicht viel hätt‘ ich gesprochen,
Lange nicht Dich aufgehalten! –
Ungerufen, unwillkommen
Aber durft‘ ich nicht mich nahen:
Nicht der Kön’gin, nicht dem Weibe,
Nicht der Priesterin des Schönen.
Carmen Sylva, o wie traurig
Widerspiegelt das mein Leben!
Immer Sehnen nach der Muse:
Einmal nur ihr flüchtig Nahen –
Einmal huldreich angelächelt: –
Aber dann schwebt, unerreichbar,
Hoch ob meinem Haupt vorüber
Still und stolz im Lorberkranze,
Abgewandt von mir die Göttin,
Der ich treu doch bis zum Tode! –
Felix Dahn, „An Carmen Sylva“, 1888 (Carmen Sylva war der das Pseudonym der Elisabeth zu Wied)

Sonderform Alliteration

Die Alliteration, also die Übereinstimmung des Anlauts zweier oder mehrerer Wörter, stellt eine Sonderform des Stabreims dar. Manchmal wird die Alliteration sogar als Synonym zum Stabreim verwendet.
Beispiel:
Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.
Die Assonanz, das Gegenteil zur Alliteration, definiert sich im Gleichklang der Vokale des Anklangs.
Beispiel:
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso
(Ernst Jandl, „ottos mops“)

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